FC Basel

Interimstrainer Alex Frei vor dem Paok-Spiel: «Die Mannschaft hat wieder Hoffnung und Glaube»

Alex Frei war am Dienstagabend im Rahmen der Pressekonferenz im Voprfeld des Paok-Spiels gut gelaunt.

Alex Frei war am Dienstagabend im Rahmen der Pressekonferenz im Voprfeld des Paok-Spiels gut gelaunt.

Der FC Basel empfängt am Mittwochabend (20 Uhr) Paok Thessaloniki zum Rückspiel in der zweiten Qualifikations-Runde für die Champions League. Die Basler müssen ein 1:2 wettmachen, um in die nächste Runde zu kommen. An der Seitenlinie wird zum zweiten Mal Alex Frei stehen, der verspricht. «Wir werden eine Reaktion zeigen».

Es ist ein spezielles Bild. Eine Handvoll griechischer Journalisten wollen mit Alex Frei ein Selfie knipsen. Die Schweizer Journalisten warten, bis sie ihre Interviews mit dem Interimstrainer des FC Basel starten können. Und Frei, der lächelt geduldig, posiert mit jedem Selfie-Jäger und sagt mit einem Augenzwinkern zu den griechischen Reportern: "Wissen Sie, die Schweizer Journalisten wollen kein Foto mit mir!" Er lacht und nimmt damit seiner Aussage  etwas die Ernsthaftigkeit. Und doch schiebt er später in Richtung der Schweizer Medienschaffengden noch nach: "Keine Angst, ihr seid mich bald los. Als A-Diplom-Inhaber darf ich höchstens 20 Tage in der höchsten Liga eine Mannschaft betreuen." Um dies unbefristet tun zu dürfen, muss ein Trainer im Besitz der Uefa-Pro-Lizenz sein - was Frei noch nicht ist.

Ob der 39-Jährige am Ende die ganze erlaubte Dauer über den FCB interimistisch coachen wird, ist fraglich. Schliesslich will der Verein noch diese Woche einen Nachfolger für Raphael Wicky präsentieren. Vor dem Spiel vom Mittwoch gegen Paok Thessaloniki wird dies aber kaum mehr passieren. Zu wichtig ist dieses Rückspiel in der zweiten Qualifikations-Runde für die Champions League, als dass man den Fokus darauf verlieren möchte. 

Der nötige, erste Saisonsieg

1:2 hat der FCB letzte Woche in Thessaloniki verloren. Damals noch mit Wicky an der Seitenlinie. Es ist eine Niederlage, die den Gast am Mittwoch im Joggeli zum Favoriten macht, wie Frei meint: "Mathematisch liegt der Vorteil bei Paok. Ihnen reicht ein Unentschieden jeglicher Art. Wir hingegen brauchen einen Sieg." Ein 1:0-Sieg um genau zu sein. Der würde genügen, um sich bereits definitiv die Teilnahme an der Gruppenphase der Europa League zu sichern und weiter um das Erreichen der Champions League kämpfen zu können. 

Der nötige Sieg wäre ausserdem zugleich der erste nach zuletzt sechs sieglosen Partien in Serie. Eine Negativserie, die mitverantwortlich dafür war, dass Wicky hat gehen müssen. Eine Negativserie aber auch, die Frei bei seinem Debüt an der Seitenlinie am Samstag gegen Xamax nicht hat beenden können. Und doch hat ihn dieser Auftritt positiv gestimmt: "Das waren seit längerem mal wieder 20 bis 25 sehr, sehr gute Minuten. Ich weiss auch, dass das nicht der Anspruch des FC Basel ist, aber es ist ein Anfang." 

"Bin überzeugt, dass wir eine Reaktion zeigen werden"

Und weil Frei den Fussball als Psychologie begreift, wie er in den Tagen seit seinem Amtsantritt bereits mehrfach betont hat, "werde ich der Mannschaft nicht die 65 Minuten zeigen, in denen wir platt waren, sondern die guten 25 Minuten." Diese Botschaft habe er in Einzel- und Gruppengesprächen vermittelt. In eben diesen hat er gespürt: "Diese Mannschaft hat gewisse Fortschritte gemacht. Sie hat wieder Hoffnung und wieder den Glauben an sich selbst." Er ist sogar so überzeugt, dass er sagt: "Ich bin überzeugt, dass unsere Mannschaft eine Reaktion zeigen wird gegen Paok." 

Diese Überzeugung nimmt Frei auch aus seiner Wahrnehmung, dass nicht alles so schlecht ist im Verein, wie es von aussen dargestellt wird. Er spricht zwar auch von "kleineren und grösseren Fehlern", die man gemacht habe und die er nicht weiter ausführen will. "Es ist nicht einfach für den Klub, weil er sich solche Situationen nicht gewohnt ist. Aber ich wehre mich gegen diese absolute Weltuntergangsstimmung. Es ist nicht alltäglich, dass es einen Trainerwechsel gibt, einer einspringt und man einen Nachfolger sucht. Aber da muss man einfach sagen 'The show must go on'. Ich erlebe einen Klub, der lernt aus seinen Fehlern. Und das stimmt mich unglaublich zuversichtlich für die Zukunft." 

Frei mitbestimmend bei Nachfolgerwahl

Eine Zukunft, die auch ganz stark von Freis Nachfolger bestimmt werden und auch von diesem abhängen wird. Die laufende Suche beeinträchtige Frei nicht, "weil ich mich nicht beeinträchtigen lasse." Er sei informiert über allfällige Kandidaten und mögliche nächste Schritte, aber nicht mehr. Darum sagt er auch: "Es kann sein, dass ich am Samstag gegen die Grasshoppers noch auf der Bank bin. Aber ich kenne den genauen Stand der Dinge bewusst nicht, weil ich meine Energie darauf verwenden will, meine Idee von Fussball an die Mannschaft weiter zu geben." Natürlich werde er, der noch immer Verwaltungsrat beim FCB ist, sein "Ja" oder sein "Nein" zu einem allfälligen Nachfolger abgeben. "Aber dieses Telefonat dauert nicht allzu lange." 

Bis er, gemeinsam mit der restlichen Technikkommission, seinen Nachfolger bestimmt hat, versucht er, die wenige Zeit, die ein Trainer in englischen Wochen hat, zu nutzen. "Ich kann den Fussball nicht neu erfinden. Es geht darum, dass man defensive Strukturen bekommt und offensive Abläufe einstudiert. Davon darf es nicht zu viel und nicht zu wenig sein. Aber wir hoffen, dass diese Dinge greifen. Vor allem am Mittwochabend." Und wenn sich seine Hoffnung erfüllt, dann haben die griechischen Journalisten ein Selfie mit jenem Mann auf ihrem Handy, der auch den fünften Versuch Paoks, endlich in die Champions League zu kommen, zunichte gemacht hat. 

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