Pro und Kontra
Ist es richtig, den Vertrag mit Philipp Degen zu verlängern?

Der FC Basel hat am Wochenende bekannt gegeben, dass die Verträge mit Jahrzehnttalent Breel Embolo und mit Routinier Philipp Degen verlängert wurden. Die Bindung von Embolo darf als Erfolg vermeldet werden, aber jene von Degen?

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Philipp Degen bleibt ein weiteres Jahr beim FC Basel.

Philipp Degen bleibt ein weiteres Jahr beim FC Basel.

Keystone
Pro: Georges Küng

Pro: Georges Küng

zVg

Pro von Georges Küng: Philipp Degen ist eine Symbolfigur

Er ist am Sonntag 32 Jahre alt geworden. Er ist kein Zukunftsspieler mehr – und doch ist der Oberbaselbieter weiterhin ein wichtiger Angestellter für den FC Basel. Darum macht die Vertragsverlängerung bis zum 30. Juni 2016 auch Sinn.

Das Prolongieren seines Kontraktes mag Bedenken und Zweifel auslösen – aber es gibt viel mehr Gründe, welche dafür sprechen, dass Philipp Degen auch in den kommenden Jahren regelmässig zum Einsatz kommen wird. Seine Physis ist beeindruckend – „ich fühle mich nicht wie 32, sondern habe die gleichen Werte zu Beginn meiner Profikarriere“, so der Lampenberger mit Nachdruck. Seine Einstellung zum Fussball ist seriös – und in den letzten Jahren hat er gelernt, dass „es auch im Profifussball eine Zeit gibt, wo Schweigen besser als Reden ist“, so die FCB-Nummer 4.

Auch wenn er sich nicht mehr als „unersetzlicher Stammspieler“ betrachten kann – die Polyvalenz von Degen, der sowohl in einer Dreier- wie auch Viererabwehrkette oder im rechten Couloir spielen kann, ist für Cheftrainer Paolo Sousa mitunter ein Grund, warum der Portugiese die Vertragsverlängerung vehement befürwortete.

Aber die Rolle von Degen geht weit über das Spielfeld hinaus. Er ist einer der letzten Symbolfiguren, welche den Klub von innen her kennen. Er ist einer, der die Sprache der „Hardcore-Anhänger“ aus der Muttenzer Kurve spricht. Er identifiziert sich mit den Klubfarben – seine Wanderjahre im Ausland sind Vergangenheit.

Und so paradox es klingen mag: Seit dem Rücktritt seines Zwillingsbruders David ist Philipp entspannter geworden. Und sein Hunger nach weiteren Titeln ist längst noch nicht gestillt.

Kontra: Rainer Sommerhalder

Kontra: Rainer Sommerhalder

Zur Verfügung gestellt

Kontra von Rainer Sommerhalder: Philipp Degen ist ein Auslaufmodell

Zugegeben: Philipp Degen hat im Dress des FC Basel für viele magische Momente gesorgt. Seine unnachahmlichen Rushes der Seitenlinie entlang begeisterten Fans und Trainer. Aber beinahe ebenso oft hat man sich heimlich geärgert ob seiner ungestümen Art, die bisweilen ein wenig an der Spielintelligenz zweifeln lässt.

Aber darum geht es bei der Frage, ob Basel weiter mit Degen planen soll, gar nicht. Es gibt hauptsächlich zwei Faktoren, welche gegen eine Verlängerung sprechen: Die sportliche und die unternehmerische Sicht.

Zuerst zu Letzterem. Philipp Degen ist kein günstiger Spieler. Der FCB lässt sich die Zusammenarbeit einiges kosten, ohne dass für den Klub die Möglichkeit besteht, ihn eines Tages gewinnbringend zu verkaufen. Eine Vertragsverlängerung ist also keine Investition in die Zukunft.

Auch sportlich ist der Oberbaselbieter keine Investition in die Zukunft. Er ist in dieser Mannschaft weder unverzichtbarer Stammspieler, noch matchentscheidender Leistungsträger. Ausserdem besteht die Gefahr: Spielt Degen, nimmt er letztlich einem Talent den Platz weg. Den Platz, um sich zu präsentieren. Den Platz, um sich später auch für den Klub vom hoffnungsvollen Nachwuchs- zum wichtigen Führungsspieler oder gar zum lohnenden Transferobjekt zu entwickeln.

Kein Klub in der Schweiz investiert so viel in die Nachwuchsarbeit wie der FCB. Basler Talente überfluten inzwischen die halbe Super League. Da wäre es schade, wenn sie im eigenen Verein keine Chance erhalten würden, weil ihnen Spieler vor der Sonne stehen, die ihren Zenit überschritten haben.