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Ist Strellers Rücktritt die Chance für Albian Ajeti?

An der Spitze der Torschützenliste: 15 Tore in der Promotion League sind Albian Ajetis Empfehlung an Paulo Sousa.

Andreas Fretz
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Ende Februar feierte FCB-Stürmer Albian Ajeti seinen 18. Geburtstag. Das Tram vor dem St. Jakob-Park will er bald gegen ein Auto eintauschen.

Ende Februar feierte FCB-Stürmer Albian Ajeti seinen 18. Geburtstag. Das Tram vor dem St. Jakob-Park will er bald gegen ein Auto eintauschen.

Kenneth Nars

Mit dem Lernfahrausweis in der Hand erscheint Albian Ajeti zum Interview. Soeben hat er seine erste Fahrstunde absolviert. Ende Februar, zwölf Tage nach FCB-Juwel Breel Embolo, feierte der Stürmer kosovarischer Abstammung seinen 18. Geburtstag. Einen VW Golf R würde er später gerne fahren, erzählt er während des Gesprächs. Die R-Modelle stehen für eine sportliche Ausstattung. Oder in Werbesprache: Es sind die «Top-Performance-Fahrzeuge der Marke Volkswagen».

Eine Top-Performance hat in dieser Saison auch Albian Ajeti hingelegt. Gemeinsam mit Xamax’ Mickaël Rodriguez steht er in der Promotion League an der Spitze der Torschützenliste. Der eine ist 18, der andere mit 35 fast doppelt so alt. Für die U21 des FC Basel hat Ajeti in 18 Liga-Einsätzen 15 Tore geschossen. In der Uefa Youth League, der Nachwuchs-Champions-League, kommen vier weitere Treffer dazu. Im Deutschen Online-Magazin «Inside11» wird Ajeti als einer der Shooting Stars der Youth League gefeiert.

Stürmer werden an Toren gemessen

«Meine Statistiken stimmen», sagt der jüngere Bruder von Arlind und Zwillingsbruder von Adonis selbstbewusst. «Stürmer werden an Toren gemessen, und die Torschützenliste zeigt, dass ich parat bin.» Parat für höhere Aufgaben. Gut möglich, dass Ajeti der grosse Profiteur von Marco Strellers Rücktritt sein wird, auch wenn er selbst den Abgang des Captains sehr bedauert. «Eigentlich können sich nur die Gegner über seinen Entscheid freuen», findet Ajeti.

Ist nun Strellers Rücktritt Ajetis Chance? Nimmt Embolo Strellers Platz ein und Ajeti jenen von Embolo? «Neben Breel zu stürmen wäre toll», sagt Ajeti. Bereits im FCB-Nachwuchs und in den U-Nationalteams spielten sie zusammen. «Wir harmonieren gut», sagt Ajeti, «wir kennen uns seit neun Jahren, hatten früher sogar denselben Schulweg.»

Ein Super League Tor

Bereits in der letzten Saison standen Ajeti und Embolo gemeinsam im Kader der 1. Mannschaft. Ajeti kam in der Super League zu zwei Einsätzen und erzielte im Abschiedsspiel von Murat Yakin sein erstes Tor. Dann der Dämpfer. Zu Beginn der Saison 2014/15 erfuhr Ajeti, dass er wieder zurück in den Nachwuchs muss. Seine damaligen Statistiken überzeugten Paulo Sousa nicht.

Neben dem Treffer in der Super League gelangen ihm in der U21 während der Saison 2013/14 nur drei Tore. «Natürlich war ich enttäuscht», sagt Ajeti, «so etwas erlebt niemand gerne. Aber es hat mich auch stärker gemacht.»

Trotz der Rückstufung spüre er das Vertrauen des Vereins zu 120 Prozent. Dass man ihn beim FCB schätzt, liegt auch an seiner Einstellung. «Mir ist es wichtig, ein gutes Bild abzugeben», sagt Ajeti, «es gibt genügend Fussballer, die auf dem Platz top und neben dem Platz ein Flop sind.» Ajeti vereint nicht nur die typischen Eigenschaften eines Goalgetters – «ich habe ein gutes Näschen», sagt er, – er überzeugt auch durch seine professionelle Einstellung.

Mit dem Ehrgeiz des Vaters

Nach der Rückversetzung in den Nachwuchs kam ihm zugute, dass er die Mentalität seines Vaters Afrim geerbt hat. «Er ist einer der ehrgeizigsten Menschen, die ich kenne. Wir sind uns sehr ähnlich. Von uns drei Brüdern stehe ich ihm am nächsten», sagt Albian Ajeti. Vater Afrim erzählte ihm, dass er in seinem Beruf als Montageleiter ähnliches erlebt hatte und riet seinem Sohn, es nun erst recht allen zu zeigen. Der Blick auf die aktuellen Statistiken zeigt: Es ist ihm gelungen.

Seit der Winterpause trainiert Ajeti wieder mit der 1. Mannschaft. Im Cup-Viertelfinal gegen Münsingen gab er sein Comeback und bereitete ein Tor vor. «Ich hoffe, meine Chancen auf Einsätze in der Rückrunde sind gestiegen», sagt Ajeti, «der Trainer weiss nun, dass ich Tore schiessen kann.»

An diesem Wochenende stellt sich die Frage, in welcher Equipe Ajeti zum Einsatz kommt, allerdings nicht. Nach seiner vierten Verwarnung ist er gesperrt. Eine andere Frage, die sich stellen mag: Wird Ajeti, um Spielpraxis zu sammeln, an einen anderen Verein ausgeliehen? «Ich habe mit den FCB-Verantwortlichen darüber gute Gespräche geführt», sagt Ajeti. Es gebe beide Meinungen. Seine Meinung war, dass er in Basel bleiben will. «Ich sehe meinen Weg zu 100 Prozent hier», sagt er, fügt aber an: «Kategorisch ablehnen will ich eine Ausleihe nicht. Man kann davon profitieren. Die Frage ist: Wohin wird man ausgeliehen?»

Barcelona-Angebot ausgeschlagen

Seit 2005 spielt Ajeti für den Verein seines Herzens. Bis 2016 läuft sein Vertrag. 2013, mit 16 Jahren, erhielt er seinen ersten Profi-Vertrag. Ein Angebot von Barcelonas U16, wo er und Adonis im Probetraining weilten, schlug er aus. Auch, weil den Ajetis der Familienzusammenhalt wichtig ist. Die drei Söhne wohnen mit den Eltern unter einem Dach. Derzeit in Basel, ab April in Muttenz. «Die Familie steht an erster Stelle», sagt Ajeti. Vor zwei Monaten ist er Onkel geworden. Der Sohn von Bruder Arlind heisst, der Tradition entsprechend, Andion. «Mein Vater hat damit begonnen, uns Vornamen mit dem Anfangsbuchstaben A zu geben», sagt Albian und beteuert, dass er, wenn es bei ihm einmal so weit ist, diese Tradition ebenfalls fortsetzen will.

Nach dem Gespräch macht sich Ajeti auf den Heimweg. Noch ist er auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen. Seine nächste Fahrstunde hat er am Montag. Hinter dem Steuer ist er ein Lernender, beim FCB will er ein Profi sein.

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