28. Swiss Open

japanische Festspiele: Die Aktiven vom Land der aufgehenden Sonne überzeugen an den Swiss Open

Alljährlich messen sich Badminton-Spieler aller Welt beim Swiss Open in der St.Jakobshalle in Basel.

Alljährlich messen sich Badminton-Spieler aller Welt beim Swiss Open in der St.Jakobshalle in Basel.

Nur im Mixed- und Männer-Doppel sucht man vergeblich nach Japanerinnen und/oder Japaner. In den anderen drei Wettbewerben sind die Söhne und Töchter Nippons voll auf Finalkurs. Somit stehen neuen Japaner und Japanerinnen in den Semifinals um den Einzug für die Finalspiele an den Swiss Open in Basel.

Wurde am ersten Spieltag noch auf fünf Courts gespielt, so waren es gestern Freitag nur noch zwei Spielfelder, auf denen die Shuttles über das Netz flogen. Ein untrügerisches Zeichen dafür, dass sich das Teilnehmerfeld von Tag zu Tag lichtet. In den fünf Wettbewerben standen die Viertlsfinals auf dem Programm – und die 20 Matches brachten grösstenteils Badminton-Kost der Extraklasse. Und unterhielten das Publikum, das zahlreicher als die Tage zuvor in der Halle war, vorzüglich.

Punkt 12 Uhr mittags begannen die ersten beiden Spiele. Und symptomatisch dafür war, dass in beiden Matches Vertreter aus Japan am Werk waren. Im Frauen-Doppel siegten Nami Matsuyama und Chiharu Shida gegen die britische Paarung Lauren Smith/Sarah Walker klar in zwei Sätzen (21:9, 21:19). Und brauchten hiefür ganze 37 Minuten.

Auf dem Feld nebenan duellierte sich die, notabene ungesetzte, Natsuki Nidaira gegen die als Nummer 5 gesetzte Beatriz Corrales. Doch die Spanierin, die klar im Schatten der spanischen „Überfigur“ Carolina Marin (welche Europa- und Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin ist) steht, war gegen die Asiatin chancenlos. Nidaira brauchte für ihr Tageswerk sogar drei Minuten weniger lang als ihre japanischen Landsfrauen – dann stand der klare 21:8 und 21:17-Erfolg fest.

Drei japanische Erfolge

Um 14 Uhr betrat Minatsu Mitani den Court 2. Die im Weltranking als Nummer 35 aufgeführte Japanerin ist die Turniernummer 2 – und sah sich einer Rivalin gegenüber, welche in der BWF-Rangliste nur fünf Plätze hinter ihr klassiert ist. Diese Gegnerin heisst Linda Zetchiri, kommt aus Bulgarien (wo Badminton übrigens sehr populär ist) und wurde im Mai 2017 noch als Weltnummer 21 aufgeführt.

Das Duell war rassig, unterhaltsam – ein Feuerwerk zweier Offensivspielerinnen, die sich nichts schenkten. Nach 40 Minuten stand der harterkämpfte Zweisatz-Erfolg (21:17 und 22:20) der Japanerin fest. Damit hatten alle drei Duelle mit japanischer Beteiligung mit einem Erfolg der Asiatinnen geendet.

Damit hatte die eine Hälfte aus Japan ihr Soll erfüllt. In der Abendsession standen drei weitere Exponenten aus dem Land der aufgehenden Sonne auf dem Court. Den Anfang machte im Männer-Einzel Koki Watanabe, der auf Lucas Corvée traf. Und in diesem Vergleich war der Franzose klarer Favorit, denn seine Klassierung (60) ist um einiges besser als jene von Watanabe (94).

Totaler Filmriss

Corvée bewies dies im ersten Satz, den er immer bestimmte sowie Ballwechsel und Tempo diktierte, eindrücklich. Nach nur 18 Minuten war der Set mit 21:14 unter Dach und Fach. Set 2 war umkämpfter und die Shuttlewechsel wurden verbissen und mit einer unglaublichen Intensität geführt. Keiner der beiden Akteure konnte sich je einen Dreipunkte-Vorsprung erspielen.

Das bessere Ende, weil er seine Eigenfehler massiv reduziert hatte, behielt der Japaner, der mit dem 21:19-Satzsieg den Ausgleich bewerkstelligte. Und so musste Umgang 3 entscheiden. Anfangs lag Watanabe in Führung, einmal sogar recht deutlich (9:5). Der Franzose kämpfte sich aber wieder heran und konnte zum 13:13 ausgleichen. Und dann kam der totale Filmriss bei Koki Watanabe, der innert Minuten seinem europäischen Rivalen gleich acht Zähler in Serie eingestehen musste. Nach 63 Minuten war das Verdikt klar; der höherklassierte Corvée hatte Watanabe in die Schranken gewiesen. Der erste Vertreter von neun Japanern war also ausgeschieden.

Ein „Up and Down“

Aber Japan verfügt in Kento Momota über einen zweiten Spieler, der die Ehre dieser grossen Badminton-Nation retten soll. Die Aufgabe für die ehemalige Weltnummer 2, der wegen aussersportlichen Gründen in die „Niederungen“ (Rang 42) abgerutscht ist (bz Basel berichtete ausführlich), war brisant, ja heikel. Der Japaner musste gegen den Inder Sameer Verma antreten. Dieser ist die Turniernummer 2 und in der Weltrangliste auf Rang 46 klassiert.

Der 23-Jährige hat in den letzten Monaten den grössten „Gump“ aller Badminton-Spieler gemacht. Noch anfangs August 2017 wurde er im Ranking als Nummer 270 (!) aufgeführt – und war damit hinter Schweizer Meister Christian Kirchmayr klassiert, der bekanntlich in der 1. Runde gegen Momota, nach starker Gegenwehr, ausgeschieden war.

Ganz grosses Kino

Es war 20.35 Uhr, als Momota sich aufmachte, die Nummer 2 aus dem Turnier zu werfen. Und das viertletzte Spiel des Tages war nochmals ein Leckerbissen der Extraklasse. Was der Japaner und der Inder boten, war ganz grosses Kino. Auf diesem Level entscheiden Nuancen – und vor allem die mentale Stärke. Satz 1 verlief lange Zeit ausgeglichen (8:8), die Führung wechselte immer ab.

Dann ging Verma mit 13:9 in Führung – um zwei Minuten später mit 13:15 im Hintertreffen zu liegen. Die Zuschauer, welche die Punkte mit frenetischem Applaus bedachten, kamen in ein veritables Wechselbad der Gefühle. Und dann stand es wieder ausgeglichen (16:16). Im Finish behielt die Nummer 2 (Verma) mit 21:17 das bessere Ende für sich. Die 20 Minuten waren nicht eine Sekunde lang monoton gewesen.

Geheimfavorit ausgeschieden

Die Zuschauer waren gespannt, ob und wie Momota reagieren würde. Dieser erhöhte das Tempo und lag im 2. Satz zu Beginn stets leicht in Führung – meist mit zwei, drei Zählern (7:4, 10:7). Doch definitiv abschütteln liess sich Sameer Verma nicht; bei 16:16 spürte man die knisternde Spannung in der St. Jakobshalle. Doch die nächsten fünf Punkte gingen an Verma, der somit zu einem unerwartet sicheren 2:0-Satzsieg in „nur“ 44 Minuten gekommen war. Damit war der zweite Japaner, und wiewohl nicht gesetzt der am meisten genannte Turnierfavorit, an diesem Freitag ausgeschieden.

Sie führt die Setzliste bei den Frauen an, liegt in der Weltrangliste auf Platz 21 und darf sich zur erweiterten „Crème de la Crème“ zählen. Die Rede ist von Sayaka Takahashi, die gegen Line Hojmark Kjaersfeldt traf. Die Dänien ist die Nummer 7 an den Swiss Open und weltweit auf Rang 37 klassiert. Und der Vergleich sollte zu einem absoluten Leckerbissen werden.

Turnier-Nummer 1 siegte

Die Skandinavierin und Asiatin lieferten sich einen veritablen Schlagabtausch – auf längere Ballwechsel folgten schnelle Punkte mit knallharten Smashes oder technisch superb gespielten „Kurzbällen“. Erst beim Stande von 13:11 erfolgte ein erster, kleinerer „Einbruch“ der Dänin, so dass Takahashi den 1. Satz in 160 Minuten mit 21:14 für sich entscheiden konnte. Doch die Nordländerin liess sich nicht entmutigen.

Zu Beginn des 2. Satzes ging sie gleich mit 3:0 in Führung, doch die Asiatin konterte ebenso „sec“ und glich gleich zum 3:3 aus. Und dann setzte sich das grössere Schlagrepertoire der Japanerin durch. Von drei Punkten machte die Asiatin deren zwei im Schnitt – über 10:6 und 12:7 stand es 13:8. Eine Vorentscheidung war gefallen, denn Kjaersfeldt spielte zu fehlerhaft, um den Verlust von Satz 2, und der Viertelfinal-Partie, abwenden zu können. Nach 35 Minuten war die Partie gegessen, Satz 2 hatte die Japanerin klar mit 21:13 für sich entschieden.

Damit werden am Samstag immer noch neun Japanerinnen und Japaner in den Semifinals um den Einzug für die Finalspiele vom Sonntag stehen. Denn japanischen Festspielen steht wenig im Wege.

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