Briefe für Tokio

Jason Joseph: Der tiefer Gestellte hat sich zu verneigen

Jason Joseph hat sich bereits über Japan informiert.

Jason Joseph hat sich bereits über Japan informiert.

Vier Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2020. Lesen Sie den dritten Brief von Hürdensprinter Jason Joseph, der berichtet wie ein Leichtathlet Silvester feiert und was er bereits Spannendes über Japan in Erfahrung gebracht hat.

Endlich sind wir im 2020. Das Jahr der Olympischen Spiele in Tokio. Den Abschluss des alten Jahres habe ich in Zürich mit Freunden gefeiert. Natürlich stosse auch ich als Spitzensportler auf das neue Jahr an. Das geht aber genauso gut mit Fruchtsaft. Am 1.Januar durfte ich ausschlafen, meine Trainerin hatte Erbarmen mit mir. Wenige Tage zuvor, an Weihnachten, durften gutes Essen und ein selbstgemachter Weihnachtsstollen meiner Mutter ebenfalls nicht fehlen. Auch als Sportler muss man sich zwischendurch etwas gönnen, solange es sich in Grenzen hält.

Nun richte ich aber der Blick nach vorne. Das Jahr der Olympischen Sommerspiele steht an, nur noch sieben Monate sind es, bis es endlich so weit ist. Die ganze Saison und alle Wettkämpfe sind auf Olympia ausgerichtet. Ich werde deshalb nicht wirklich eine Hallensaison bestreiten. Bestimmt nehme ich an den aktiven Schweizer Meisterschaften in St. Gallen teil und vielleicht kommt sonst noch der ein oder andere Wettkampf dazu. Meine wirkliche Saison startet aber erst im Mai. Bis zu meinem ersten Wettkampf sind es also noch fünf Monate.

In diesen paar Monaten gilt es, das Bestmögliche aus mir herauszuholen. Damit dies gelingt, stehen intensive Trainingslager mit neuen Inputs auf dem Programm. Die Vorbereitung läuft jedoch nicht nur körperlich, sondern auch mental ab. Deswegen war ich schon an einem Vorbereitungs-Treffen von Swiss Olympic. Dort wurden wir in jeglicher Hinsicht auf die Sommerspiele in Tokio vorbereitet. Ich erhielt spannende und nützliche Informationen über das Klima, das «Athleten-Dorf», das Essen, die Kultur und die Verhaltensregeln.

So gehört es sich, dass man sich in Japan vor dem Betreten eines Raums immer die Schuhe auszieht. Zudem verneigen sich die Japaner zur Begrüssung. Der in der Gesellschaft tiefer Gestellte hat sich vor der anderen Person dabei tiefer zu verneigen. Das Essen im Land der aufgehenden Sonne ist sehr gesund. Man isst nur so viel, dass man immer noch Platz für mehr hätte. Dies soll zu einem längeren Leben und einer höheren Lebenszufriedenheit beitragen. Um einen noch tieferen Einblick in die japanische Kultur zu erhalten, spielten wir am Olympia-Treff «Jan-Ken-Poi», sprich: Schere-Stein-Papier. Die Japaner lieben dieses Spiel. Sie führen sogar Meisterschaften durch, die mehrere Stadien füllen.

Es war ein unglaublich spannender Anlass, welcher mir einen guten Überblick verschaffte. Auch wurde mir bewusst, dass es in der Vorbereitung für Tokio so viel mehr zu beachten gibt, als ich anfangs dachte.
Die Japaner erscheinen mir als ein sehr friedliebendes Volk, in welchem es sehr gesittet zu und her geht. Respekt und Ehre werden gross geschrieben. Dies alles ist für mich wahnsinnig spannend und inspirierend. Ich freue mich schon so sehr auf Tokio, als wäre Olympia bereits nächste Woche.

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