Briefe für Tokio

Jason Joseph: «Und plötzlich sass ich auf dem gleichen Stuhl wie Roger Federer»

Jason Joseph möchte an den Schweizermeisterschaften wieder eine schnelle Zeit laufen.

Jason Joseph möchte an den Schweizermeisterschaften wieder eine schnelle Zeit laufen.

Drei Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2020. Lesen Sie den Brief von Hürdenspringer Jason Joseph, der im Juli einen Schweizer Rekord aufstellte und dadurch in den Genuss einiger Veränderungen kam.

Das Coronavirus hat für ziemlichen Wirbel gesorgt, auch bei mir. Anfangs konnte ich gar nicht trainieren, weil alle Stadien geschlossen waren. Ob ich in diesem Jahr überhaupt noch Wettkämpfe haben werde, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Zum Glück kam es anders.

Ich startete im Juni in Luzern und lief eine Zeit von 13,47 Sekunden. Das zeigte mir: Ich verlor meine Schnelligkeit in der Coronazeit nicht. Zwei Wochen später kam es noch besser. In Bern lief ich mit 13,34 einen neuen Schweizer Rekord. Corona wirkte sich also wirklich überhaupt nicht negativ auf meine Leistung aus.

Im Gegenteil: Durch die ganzen Absagen der Wettkämpfe hatte ich keinerlei Druck. Ich musste nicht an einem bestimmten Tag X bereit sein, musste auch nicht auf einen speziellen Anlass hintrainieren. Ich konnte genug Pausen nehmen, mich erholen, regenerieren und an meinen Schwächen arbeiten. Das kam vielen Athleten zugute – auch mir. Darüber bin ich sehr froh.

Eine Folge davon ist wohl, dass ich bisher eine verletzungsfreie Saison hatte. Klar, irgendwo drückt es oft, aber nie musste ich pausieren oder gar reduziert trainieren.
Der Schweizer Rekord brachte einige Veränderungen mit sich. Ich wurde ins «Sportpanorama» eingeladen, eine sehr schöne Erfahrung. Ich sah im Fernseher sonst immer die grossen Stars im Studio und plötzlich sass ich auch dort. Auf dem gleichen Stuhl wie auch schon Roger Federer!

Die 13,34 Sekunden haben mir auch zur Einladung ans Diamond League-Meeting in Monaco verholfen. Ohne Corona wäre ich dort vermutlich nicht am Start gewesen, denn ein Sportler wird nicht einfach so eingeladen. Aber die Chance hat sich mir ergeben. Eine riesige Erfahrung, die wirklich unglaublich toll ist. Es zeigte mir auch: So schlecht bin ich also nicht.

Leider verlief das Meeting nicht wie gewünscht. Ich habe den Start völlig verschlafen. Schade, denn eigentlich wollte ich auf internationaler Bühne performen.

Nun stehen die Schweizermeisterschaften in Basel an. Ich freue mich enorm darauf und will vor dem Heimpublikum eine Medaille gewinnen. Da bin ich auch optimistisch, dass das klappt. Ich will einen sauberen Lauf zeigen und schnell sein. Ob es ein neuer Rekord wird, kann ich nicht sagen. Aber wir werden es sehen. Mit einem sauberen Lauf komme ich jedenfalls in die Nähe des gelaufenen Schweizer Rekords.

Ich trainiere daran, dass meine Läufe noch schneller werden. Dies beinhaltet immer noch harte Arbeit an meinem Startverhalten. Beim Start muss jeweils alles zusammenpassen. Leider ist das einfacher gesagt als getan, und es funktioniert auch noch nicht bei jedem Start, was auch in den Wettkämpfen ersichtlich wird.

Grundsätzlich weiss ich aber, was es dafür braucht und wie es sich anfühlen muss. Jetzt hoffe ich, dass ich das in Basel umsetzen kann. Dann kommt noch ein Wettkampf in Bellinzona und anschliessend geniesse ich meine Ferien.

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