Werner Leuthard kam im Sommer 2016 mit einer klaren Mission zum FC Basel: Er sollte der zahlreichen Muskelverletzungen Herr werden. Deren elf beklagte der FCB während der Vorrunde im ersten Jahr des damaligen Cheftrainers Urs Fischer. Als der einstige Adjutant von General Felix «Quälix» Magath kam, entschied er über Verletzte, er leitete auch die Prävention und wachte über die Leistungsdiagnostik. Die Zahl der Muskelverletzungen bis zur Winterpause der Saison 16/17 reduzierte sich auf deren zwei. Leuthard, der Muskel-Flüsterer, war ein Erfolg.

Im vergangenen Sommer liess man den Deutschen gehen. Leuthard hatte seinen Preis und mit Leistungsdiagnostiker Michael Müller war schon ein Mann an Bord, der dessen Arbeitsweise genau kennt, da er sehr eng mit Leuthard zusammenarbeitete. Die Kontinuität war auf dieser Position gewährleistet. Das bestätigt Fabian Frei, der nach der Verletzung von Carlos Zambrano – der siebten in der laufenden Saison – und nach dem Schützenfestival gegen Echallens sagte: «Wir machen genau die gleichen Übungen zur Prävention wie letzte Saison.»

Ein Foto aus früheren Zeiten: Immer beobachtend am Seitenrand des Trainingsplatzes – Werner Leuthard, ehemals Leiter Fitness beim FC Basel.

Ein Foto aus früheren Zeiten: Immer beobachtend am Seitenrand des Trainingsplatzes – Werner Leuthard, ehemals Leiter Fitness beim FC Basel.

Acht verletzte FCB-Spieler

Mit Samuele Campo erhöhte sich die Zahl der Verletzten am Montag auf acht. Es geschah während des Cup-Spiels gegen Echallens, wann genau, konnte Campo gar nicht sagen. Er spürt plötzlich einen leichten Schmerz, am Montag hat er Gewissheit: Das Aussenband im linken Knie ist kaputt, der 23-Jährige fällt wochenlang aus. Kaum ist Leuthard weg, tobt die Verletzungshexe im Kader der Basler. Weil man den Deutschen nicht unbedingt halten wollte?

Wenn man genauer hinschaut, merkt man, dass «nur» fünf Verletzungen – jene von Xhaka, Campo, Stocker, Omlin und Zambrano – jeweils den Muskel betrafen. Campo kassierte nachweislich einen Schlag, der zu seinem ersten Ausfall führte, da hätte kein Leuthard etwas geändert. Und Omlin hängte am Rasen ein, bevor es zwickte. Auch hier hätte Leuthard kaum Einfluss nehmen können. Bleiben also noch drei Verletzungen, bei denen nicht gesagt werden kann, ob der Deutsche diese mit seiner Erfahrung hätte verhindern können.

Nicht nur Pech

Ein weiterer möglicher Grund könnte der Wechsel auf der Position des Konditionstrainers sein. Marco Walker verliess den FCB auf eigenen Wunsch, wurde Assistent beim FC Aarau, wo er unterdessen längst wieder Geschichte ist. Für ihn übernahm Mathieu Degrange, der Wunschkandidat von Raphael Wicky. Man rechnete damit, dass diese Veränderung eventuell ein bisschen mehr Verletzungen zur Folge haben könnte. Denn die Übungen änderten sich. Das kann einen gewissen Einfluss haben. Es stimmt zudem nachdenklich, wenn Frei zur physischen Verfassung der Mannschaft sagt: «Wir sind zwar nicht nach 60 Minuten müde. Aber wenn man die Statistik nach den Spielen anschaut, sieht man, dass uns ein paar Sprints und ein paar gelaufene Meter fehlen.»

Natürlich hat der FCB auch Pech, aber er ist gut beraten, die Situation genau unter die Lupe zu nehmen. Denn die zahlreichen Verletzungen sind einer der Gründe für die sportliche Krise.