Badminton
Joel König schindet sich in Jona mit einer Gruppe von Top-Sportlern

Der Baselbieter Badmintonspieler absolviert zusammen mit Eishockeytorhüter Jonas Hiller, Schwinger Andy Büsser und weiteren Schweizer Spitzenathleten eine Konditionswoche. Trainer Robin Städler nennt sie liebevoll «Herkuleswoche».

Patrick Pensa
Drucken
Teilen
«Fliegen» heisst die Übung, bei der kein Körperteil den Boden berühren darf. Foto: Pensa

«Fliegen» heisst die Übung, bei der kein Körperteil den Boden berühren darf. Foto: Pensa

Eine illustre Runde von Sportlern stöhnt und schwitzt und schwitzt und stöhnt in einem Fitnessraum inmitten des Industriequartiers von Jona. Konditionstrainer Robin Städler, der mit seinen Sypoba-Balance-Brettern schon Athleten wie Sarah Meier oder Jörg Abderhalden in Topform brachte, hat ein Dutzend Sportler zur Herkules-Woche geladen: eine Woche vollgepackt mit sportlichen Herausforderungen. Morgens wird im Fitnesscenter auf den Balance-Brettern trainiert, am Nachmittag wartet jeweils eine Überraschung, ebenfalls sportlicher Natur.

König: «Ich traf immer auf offene Türen»

Joel König aus Titterten ist seit der U13-Kategorie Mitglied der Schweizer Nachwuchskaders. In diesem Jahr wurde der 18-Jährige als jüngerer Jahrgang in der U19-Kategorie Schweizer Meister im Herrendoppel und Mixed-Doppel und im Einzel Fünfter. Zum Saisonabschluss Mitte Mai konnte König in Hamburg ein internationales Juniorenturnier gewinnen. Zudem durfte König als einziger «Jüngerer» mit dem Schweizer Team zur U19-EM in die Türkei fahren. Das Badmintontalent profitiert von der Leistungssportförderung Baselland und ist Sportklassenschüler. «Ich profitiere sehr von der Förderung und traf immer auf offene Türen», sagt König. Interclub spielt König mit dem Team Baselland in der Nationalliga B. Er spielt «nur» in der zweithöchsten Liga, um genügend Zeit für internationale Turniere zu haben. In seinem letzten Jahr bei den Junioren will der Baselbieter bei den Turnieren, die zu einer Art Europacup zusammengefasst sind, jeweils möglichst weit kommen und sich spielerisch weiterentwickeln. «Danach habe ich noch lange genug Zeit, mich an das Niveau bei der Elite zu gewöhnen», sagt König, dessen ältere Geschwister Rahel und Gabriel ebenfalls Badminton spielen. König trainiert seit fünf Jahren nach den Plänen von Robin Städler und ist diesen Sommer zum dritten Mal bei der Intensivwoche dabei. Ursprünglich kam er zu Städler, um Verletzungen vorzubeugen. «Meinem Vater ist aufgefallen, dass schon bei den Junioren viele Spieler irgendwelche Bandagen tragen, deswegen haben wir etwas zur Prävention gesucht», sagt der 18-Jährige. Städler selbst lobt den Badmintonspieler für seine für sein Alter sehr professionelle Einstellung zum Sport und meint, dass er von der Athletik her bereits jetzt einer der stärksten Spieler in der Schweiz sei. Nach Abschluss dieser Konditionswoche geht es für König in Bern mit einer Intensivwoche Badminton am Stützpunkt weiter. Saisonauftakt ist im September. (pp)

Höchstes Koordinationsniveau

Am Donnerstagmorgen wird im Center die Rumpfmuskulatur aufs Äusserste gefordert. Auf dem Bauch liegend balancieren die Sportler auf den Brettern mit der Rolle drunter, halten eine Stange horizontal in der Luft und müssen wechselseitig ein Bein heben. Bei dieser Übung dauert das Training schon beinahe eine Stunde, als Badmintonspieler Joel König ein Schmerzensschrei entweicht. Rechts neben dem Baselbieter leidet der Ostschweizer Schwinger Andy Büsser eher still, links von König schwitzt NHL-Torhüter Jonas Hiller. Das T-Shirt hat er schon längst weggelegt.

Kompletter Athlet im Zentrum

Städler ist als Konditionstrainer weitherum bekannt. Als diplomierter Swiss-Olympic-Trainer hat er sich 2003 selbstständig gemacht und die Firma Sypoba gegründet. Sein Stabilisations- und Krafttraining fordert den ganzen Bewegungsapparat und eignet sich deshalb für jede Sportart. Entsprechend trainieren bei ihm von Fussballern über Schwinger bis zu Golfern. «Die Sportart interessiert mich nicht, im Zentrum steht der Athlet», sagt Städler.

Nun folgen Liegestütze in verschiedensten Variationen. Dafür werden immer mehr Teile an die Bretter gesteckt – nur mit dem Ziel, das ganze Konstrukt noch instabiler zu machen. Abgeschlossen wird das Indoor-Training mit Übungen für den Rücken und die Beckenbodenmuskulatur.

Fortsetzung im Stadion

Vorbei ist der Morgen damit aber noch nicht. Weiter geht es im Stadion Grünfeld. Sprungkrafttraining ist angesagt. Städler hat sich eine Serie überlegt, bei der die Anzahl Sprünge stetig zunimmt. Am Ende müssen die Sportler 45 Strecksprünge am Stück – praktisch die ganze Stadionlänge – absolvieren. Egal, ob B-Kader-Skifahrer, gestandener Eishockeyprofi oder Badmintonspieler, kein Athlet dessen Oberschenkelmuskulatur nicht lichterloh brennen würde. Trotzdem feuern sich die Sportler gegenseitig an.

Überraschung am Nachmittag

Danach geht es zum Italiener, die Speicher etwas auffüllen. Nachdem die Montagsüberraschung eine 100-Kilometer-Rennradtour über Sattel und Ibergeregg war, am Dienstag die Badmintonspieler ihre Kollegen ihre Sportart nähergebracht haben und am Mittwoch Jörg Abderhalden persönlich ein Schwingtraining geleitet hat, geht es heute in einen Kletterpark. Das erfahren die Sportler aber erst, wenn sie vor Ort sind. Im Moment steht für sie im Vordergrund, für die Fahrt einen der drei freien Plätze in Jonas Hillers Cabrio zu ergattern.

Aktuelle Nachrichten