Jovana Gogic singt gern – im Auto, beim Kochen und natürlich unter der Dusche. «Ich singe auch wirklich gut!», ergänzt die Serbin selbstbewusst. Seit 2011 wohnt Gogic in der Schweiz. Die junge Frau musste sich aber zuerst an das neue Land gewöhnen, bevor sie unbekümmert in den Himmel trällern konnte. Der Schritt von Serbien nach Zürich zu Volero als 18-Jährige war gross. Eine Menge neuer Eindrücke sind auf die junge Frau eingeprasselt.

«Ich habe zum Beispiel einen Schlüssel für meine Wohnung bekommen. Mit diesem konnte ich unten ins Gebäude und oben ins Appartement. Wieso nicht alle meine Nachbarn mit dem Schlüssel, der unten auch gepasst hat, zu mir in die Wohnung kommen konnten, war für mich unbegreiflich», erzählt sie lächelnd. Die Menschen in der Schweiz kamen ihr zurückhaltend und unfreundlich vor. Deutsch oder Englisch konnte sie kein Wort. Doch die Mitspielerinnen aus Kroatien, Bosnien und Serbien vereinfachten ihr den Einstieg ins Schweizer Leben.

Schwester an der Universität

Ihr neues Leben als Profi-Sportlerin im Ausland hat Gogic aber auch genossen. «Ich gab unglaublich viel Geld zum Shoppen aus in den ersten beiden Jahren», erzählt die grosse Blondine. Heute investiert die Serbin ihren Lohn nachhaltiger. Sie hilft vor allem ihrer Schwester, indem sie ihr mit dem verdienten Geld die Universität in Belgrad bezahlt.

«Wir bekommen hier Geld von Sponsoren und ich sponsere das Biologie-Studium meiner Schwester», schildert sie mit schelmischem Lächeln. Auch auf dem Spielfeld ist es Gogics Job, zu helfen. Als Passeuse setzt sie die Mitspielerinnen mit ihren Zuspielen oftmals optimal in Szene.

Einsame Zeit in Hamburg

Sie war jedoch nicht überall so glücklich, wie jetzt bei Sm’Aesch. Im Januar vor einem Jahr wurde Gogic in der Winterpause von Volero an das deutsche Team Aurubis Hamburg ausgeliehen. Dort galt sie als Hoffnungsträgerin. Sie sollte dem Abstiegskandidaten, der alle bisherigen Saisonspiele verloren hatte, zum Aufschwung verhelfen. Dieses Vorhaben scheiterte. «Die Spielerinnen waren alle so deprimiert und schlecht gelaunt, dass es unmöglich war, aus der Negativspirale auszubrechen.

Ich war in Hamburg immer alleine und fühlte mich überhaupt nicht wohl», erzählt die 21-Jährige sichtlich erleichtert, dass sie nun wieder in der Schweiz ist. Während ihrer Zeit in Hamburg sei ihr klar geworden, dass es nur möglich sei, gut Volleyball zu spielen, wenn man auch gut gelaunt ist. «Mit schlechter Laune verliert man jedes Spiel», ist Gogic überzeugt.

Nun gegen den Ex-Verein

Zurzeit hat die Serbin gute Laune und glaubt, dass sie gegen Volero bestehen können: «Wenn wir einen guten Tag haben, Volero nicht den Besten und wenn wir während des Spiels nicht nervös werden, dann haben wir eine Chance.» Es wäre sicher ein gutes Omen, wenn Jovana Gogic heute fröhlich singend in der Halle in Aesch ankommen würde.