Jugendspiele 2020
Junge Wintersportlerinnen und Wintersportler kämpfen um Edelmetall. Mittendrin: Vier Talente aus der Region

Die Olympischen Jugend-Winterspiele in Lausanne sind im vollen Gang. Diese vier Talente aus der Region Basel vertreten die Schweiz und könnten schon bald gross rauskommen.

Julian Förnbacher
Drucken
Teilen
Vor ihrer Abreise an die Olympischen Jugendspiele posieren Nadia Häner und Lukas Wyser in der Joggeli-Eishalle.

Vor ihrer Abreise an die Olympischen Jugendspiele posieren Nadia Häner und Lukas Wyser in der Joggeli-Eishalle.

Kenneth Nars

Sie sind die Stars von morgen: Einige der Nachwuchstalente, die derzeit an den Olympischen Jugendspielen in Lausanne und St. Moritz antreten, werden möglicherweise in Zukunft die ganz grosse Bühne betreten. Die Winter-Jugendspiele, die in Lausanne erst zum dritten Mal überhaupt ausgetragen werden, sind ein erster Schritt auf dem Weg zum Olympia-Traum. Sie erlauben es Talenten aus aller Welt, sich unter der magischen Atmosphäre der fünf Ringe zu duellieren. Auch vier Nachwuchsathleten aus der Region Basel schnuppern in diesen Tagen erstmals Olympia-Luft. Alle tragen sie dabei Kufen unter den Füssen. Die bz stellt die jungen Talente vor.

Flavio Gross, 17, Münchenstein BL, Eisschnelllauf

Flavio Gross fährt auf dem Eis mit Schlittschuhen, daneben aber auch gerne mit Inline-Skates.

Flavio Gross fährt auf dem Eis mit Schlittschuhen, daneben aber auch gerne mit Inline-Skates.

ZBG

«Ich will eines Tages Weltmeister und Olympiasieger werden», sagt Flavio Gross. Beim Münchensteiner ist diese Aussage keineswegs bloss die Träumerei eines Teenagers, sondern – wie die Teilnahme an den Jugendspielen – ein Meilenstein, den zu erreichen sich Flavio Gross fest vorgenommen hat. Dieses Ziel vor Augen hat den 17-Jährigen auch über Widerstände hinweg geholfen. Vor einigen Jahren litt er an einer schweren Hirnhautentzündung, die ihn in seiner sportlichen Entwicklung weit zurückwarf. Doch Flavio Gross kämpfte sich zurück. Auch einen Schienbeinbruch im Mai letzten Jahres, der ihm eine normale Vorbereitung auf die Jugendspiele verunmöglichte, warf ihn nicht aus der Bahn. «Ich liebe meinen Sport und will Grosses erreichen. Meine Träume haben mir geholfen, eine Jetzt-Erst-Recht-Mentalität zu entwickeln, die mir heute enorm hilft», erzählt der junge Eisschnellläufer. Entsprechend gross war die Erleichterung, als die Qualifikation unter Dach und Fach war: «Im Kopf war ich trotz der Verletzung immer voll bereit. Aber ich musste lange zittern, bis klar war, dass es reicht.»

Jugendspiele 2020

Die dritten Olympischen Jugend-Winterspiele werden vom 9. bis 22. Januar 2020 in Lausanne und St. Moritz ausgetragen. In 16 Sportarten und 81 Entscheidungen kämpfen in diesen Tagen 1792 Nachwuchsathletinnen und Nachwuchsathleten aus 79 Ländern um Edelmetall. (jaw)

Die Jugendspiele stehen für Flavio Gross angesichts seiner Verletzung unter dem Zeichen des Erfahrungssammelns: «Ich bin leider noch weit weg von meiner Topform. Deswegen will ich einfach das Erlebnis und das Drum und Dran aufzusaugen. Das hilft mir hoffentlich, wenn ich später einmal an den Olympischen Spielen starten werde», sagt Flavio Gross, der als einziger der Athleten aus der Region schon im Einsatz stand. Über 1500 Meter wurde er in der Arena in St. Moritz 24.. Doch seine Paradedisziplin folgt mit dem morgigen Massenstart noch. Da er ursprünglich vom Inline-Speedskating kommt, liegt ihm die taktischer geprägte Variante des Eisschnellaufs am besten.

Genauso ist es auch beim 26-jährigen Livio Wenger, dem besten Schweizer Eisschnellläufer, der ebenfalls auf Inline-Skates begann. Zu seinem Idol hat Flavio Gross eine besondere Beziehung: «Wir sind in derselben Trainingsgruppe und verbringen viel Zeit zusammen. Er gibt mir Tipps und ist für mich mittlerweile wie ein grosser Bruder geworden. Unser grosser Traum ist es, eines Tages im selben Olympia-Rennen zu starten», erzählt Flavio Gross. Dass ein Nachwuchstalent eine derart enge Beziehung zu einem gestandenen Profi haben kann, ist ein Vorteil einer Randsportart. Ein Nachteil sind die fehlenden Trainingsmöglichkeiten in der Region. Einen Grossteil seines Eistrainings muss Flavio Gross im deutschen Inzell absolvieren. Dort ist er über 500 Kilometer von der Familie getrennt. Keine Selbstverständlichkeit für einen 17-Jährigen. «Logisch fehlt mir die Familie, denn insbesondere im Winter sehe ich sie kaum. Aber dieses Opfer muss ich bringen», sagt Flavio Gross. Seine Ziele lässt er nicht aus den Augen.

Nadia Häner, 15, Nunningen SO, Eishockey

Nadia Häner ist Torhüterin.

Nadia Häner ist Torhüterin.

Kenneth Nars

Lange zittern, ob es überhaupt für ein Aufgebot reichen würde, musste Eishockey-Torhüterin Nadia Häner. Am eigentlichen Stichtag erhielten alle zwar ein Mail von Swiss Olympic, jedoch nicht das Aufgebot. In den folgenden Tagen war die Anspannung entsprechend gross. Als das Aufgebot dann kam, sass Nadia Häner gerade in der Schule. «Grosse Luftsprünge konnte ich da nicht machen, auch wenn die Erleichterung enorm war», erzählt die 15-Jährige, die gleich in drei Vereinen aktiv ist: Bei den Männer-Junioren des EHC Basel, des EHC Rheinfelden und bei den Frauen der GCK Lions.

Jeden Tag steht Nadia Häner, die eine Ausbildung zur Kauffrau macht, auf dem Eis. «Wenn man es gerne macht und Ziele hat, dann nimmt man das gerne auf sich», sagt sie. Eine ambitionierte Schweizer Torhüterin, die sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen mithalten kann: Die Story von Nadia Häner erinnert an jene der ehemaligen Nationaltorhüterin Florence Schelling, die die Schweiz bei Olympia 2014 mit ihren Paraden sensationell zu Bronze hexte. «Sie ist natürlich ein grosses Vorbild und ist ja mittlerweile auch U18-Trainerin bei der Nati. Es freut mich enorm, dass sie in Lausanne sein wird, wenn wir spielen», sagt Nadia Häner.

Grossen Druck will sich die junge Solothurnerin für ihr Olympia-Abenteuer aber nicht machen: «Logisch bin ich nervös. Aber ich will die Erfahrung vor allem geniessen. Denn wenn du unter zu grossem Druck spielst, verkrampfst du nur.» Und trotzdem haben Nadia Häner und ihr Juniorinnen-Team ambitionierte Ziele: «Bei den letzten Jugendspielen hat die Schweiz Bronze geholt. Diese Medaille wollen wir nun natürlich verteidigen», sagt sie und grinst.

Lukas Wyser, 15, Sissach BL, Eishockey

Lukas Wyser hat ein Vorbild beim SC Bern.

Lukas Wyser hat ein Vorbild beim SC Bern.

Kenneth Nars

So wie Nationalspieler Tristan Scherwey vom SC Bern will Lukas Wyser aus Sissach einmal werden: «Der hört einfach nie auf, zu beissen. Egal, was für ein Resultat auf der Tafel steht.» Beissen musste auch Lukas Wyser für seine Teilnahme an den Jugendspielen. Nach einer Verletzung fällt er aus dem Kader der U15-Nati. «Ich erhielte keine Mails mehr, nichts. Eigentlich rechnete ich nicht mehr damit, dass es mit einem Aufgebot klappen würde.» Sein Trainer bei den Junioren des EHC Basel, Reto Waldmeier, ermöglicht ihm dann jedoch die Chance, an einem internen Sichtungsturnier teilzunehmen. Und prompt ist der junge Verteidiger wieder auf dem Nati-Radar. «Ich bin unglaublich glücklich, dass ich diese Chance erhielt. Denn so etwas wie die Jugendspiele erlebst du nur einmal im Leben», sagt Lukas Wyser.

Etwas schade sei es da natürlich schon, dass er und die anderen Hockeyaner erst heute und damit sechs Tage verspätet zur Schweizer Delegation stossen und die ersten Olympia-Tage verpassten. «Aber wir haben ja die Schlussfeier, das wird sicher auch ein besonderes Erlebnis», sagt Lukas Wyser. Nur zum Olympia-Luft schnuppern reist der ehrgeizige Sissacher aber nicht nach Lausanne: «Da ist schon ein wenig Druck. Du vertrittst dein Land und willst es als Team so gut wie möglich machen. Unser Ziel ist es, sicher nicht nur zwei Spiele zu bestreiten. Wir wollen gegen jeden Gegner unbedingt gewinnen, auch wenn der Russland oder Kanada heisst.» Lukas Wyser findet vor dem ersten Olympia-Auftritt schon Worte, die so wohl auch sein Idol Tritan Scherwey in dieser Situation so sagen würde.

Finn Naber, 15, Basel, Eishockey

Finn Naber möchte eines Tages in Kanada spielen.

Finn Naber möchte eines Tages in Kanada spielen.

ZVG

Finn Nabers Traum ist die NHL. Einmal für sein Lieblingsteam, die Toronto Maple Leafs, aufzulaufen, ist der grösste Wunsch des 15-jährigen Baslers. Als er mit dreieinhalb erstmals in der Hockey-School des EHC Basel die Schlittschuhe schnürte, konnte er noch nicht ahnen, dass sein Profi-Traum dereinst Realität werden könnte. Nach erfolgreichen Juniorenjahren in Basel hat Finn Naber in der letzten Saison einen Entscheid gefällt, der ihm langfristig dabei helfen soll, seinen Traum zu verwirklichen: Er verliess seine Familie und zog vom Bruderholz ins Emmental. Genauer gesagt in die Spieler-WG der SCL Tigers, wo er nun bei den Elite-Junioren spielt. «Es war keine leichte Entscheidung aber es war der richtige Schritt, weil du bei einem NLA-Verein natürlich bessere Perspektiven hast», sagt Finn Naber.

Neben seiner Eishockey-Ausbildung will er an der Berufsschule einen KV-Abschluss erwerben. Nervosität verspürt der Verteidiger, der bereits einige U-Länderspiele absolviert hat, vor seinem «bisherigen Karrierehighlight» noch keine. «Die wird aber sicher vor unseren Spielen noch kommen», sagt er und lacht. Besonders die Kulisse in der Vaudoise Arena, in der knapp 10'000 Zuschauer erwartet werden, imponiert ihm: «Wenn du da einläufst, wird das in den ersten Minuten sicher ein ganz besonderes Gefühl.» Über das Jugendspiel-Aufgebot konnte Finn Naber zunächst nicht wirklich freuen. Als er das verheissungsvolle Mail erhielt, sass er neben einem Kollegen, dem es nicht ins Kader gereicht hatte. «Das war natürlich hart», erinnert er sich. Finn Naber hofft, dass er von solchen Rückschlägen verschont bleibt. Dann könnte ihn sein Weg von den Jugendspielen eines Tages tatsächlich in die NHL führen.

Aktuelle Nachrichten