Regiosport

Kampf gegen den Turnhallenmief: Basler Vereine wollen eine Arena

Sm'Aesch Pfeffingen musste für internationale Spiele auch schon in der Rankhofhalle spielen.

Sm'Aesch Pfeffingen musste für internationale Spiele auch schon in der Rankhofhalle spielen.

Basler Ballsportvereine bezeichnen die Hallensportinfrastruktur in Basel als ungenügend und rückständig. Trainings fallen aus und Meisterschaftsspiele müssen wegen Platzmangel verlegt werden. Nun fordern sie eine moderne Spielsporthalle. Die Politik kommt ihnen einen Schritt entgegen.

Alex Ebi ist der Ärger anzumerken. Seit über einem Jahrzehnt setzt sich der Präsident des RTV Basel und LDP-Grossrat für eine verbesserte Halleninfrastruktur für Basler Ballsportvereine ein. Die politische Resonanz seines Wunsches war bisher gering, der Bedarf hingegen umso grösser. In Basel fühlen sich Vereine vermehrt wie in einer Sardinenbüchse. Besonders prekär ist die Situation bei der Benutzung der Rankhofhalle. Mit den Handballern vom RTV und den Volleyballern von Traktor teilen sie sich zwei NLA-Mannschaften, andere Vereine und Schulen gesellen sich dazu. Engpässe sind die unausweichliche Folge. So muss Traktor das letzte Spiel der Qualifikationsrunde der kommenden Saison im Exil in der Margarethenhalle austragen, weil die Rankhofhalle belegt ist.

Mit Basel Regio stellt zudem eine ambitionierte Unihockeymannschaft vermehrt Ansprüche, da ihre aktuelle Heimstätte, die Sandgruben, den Anforderungen nicht ausreicht. «Wegen des schlechten Bodens können wir dort unsere Spieler technisch nicht ausbilden», klagt Patrick Mendelin, Sportchef von Basel Regio. Die Situation sei wie diejenige eines Kochs, der das Schneiden mit einem stumpfen Messer erlernen müsse. Über 150 Trainingseinheiten fallen zudem pro Saison aus, weil kein Trainingsplatz vorhanden ist. «In Basel gibt es schlicht zu wenig Hallen», sagt auch Roland John, Präsident von Traktor. 

Die Vereine wollen Möglichkeiten zur Vermarktung bekommen

Die Mängel der bestehenden Hallen und die eingeschränkte Verfügbarkeit verdecken einen noch dezidierteren Wunsch: eine multifunktionale Spielsporthalle. Ohne ein Wirrwarr an Linien auf dem Hallenboden, die bei Zuschauern für Verwirrung sorgen und – wie etwa bei den Basketballern der Starwings – eine nationale Fernsehübertragung verunmöglichen. Dafür mit Schalensitzen anstatt Holzbänken, wie sie aktuell üblich sind. Gutes Licht, eine ordentliche Soundanlage und ein adäquater Cateringbereich sollten ebenfalls her. Nicht nur die sportliche Qualität, sondern auch die Vermarktung und die Attraktivität der Sportarten sollen damit gesteigert werden. Die Wünsche sind Ausdruck einer Zeit, in der die reine Sportveranstaltung durch ein zeitgemässes Event abgelöst wird. Um die Gunst der Zuschauer zu erhalten, reichen Tore, packende Zweikämpfe und Holzbänke nicht mehr aus. Oder wie es Ebi formuliert: «Die Zeit des miefigen Turnhallentouchs ist abgelaufen.»

Die Umwandlung von Gestank zu Hochglanz haben einige Schweizer Städte bereits vollzogen. In Winterthur punktet die AXA-Arena mit einem für die Sportart angepassten Spielfeld und einer modernen Infrastruktur mitsamt LED-Beleuchtung. Auswärtsspiele für Basler Vereine werden dadurch zum ersehnten Highlight, wecken aber gleichzeitig das Bewusstsein für die heimischen Mängel. «Basel hinkt im nationalen Vergleich bezüglich der Halleninfrastruktur gewaltig hinterher», stellt Mendelin fest.

Auch im nahen Ausland gibt es Anschauungsmaterial. Ein moderner Glasfussboden in der Dresdner BallsportArena ermöglicht etwa eine sportartengerechte Linienmarkierung durch LED-Lichter. An Ideen, wie dem Linienchaos Einhalt gegeben werden kann, fehlt es nicht.

Nur hat es bisher in Basel am Willen gefehlt, die Halleninfrastruktur zu verbessern. Alex Ebi kritisiert deswegen die Regierung scharf. Der Sport werde als eine lästige Angelegenheit betrachtet, während kulturelle Institutionen jährlich mit dreistelligen Millionenbeträgen beglückt werden. Eine gemeinsame Stimme der Vereine sei gegen die lethargische Haltung gegenüber dem Sport unabdingbar.

Regierung nimmt eine neue Halle in die Investitionsplanung auf

Die Basler Regierung anerkennt die angespannte Hallensituation, auch weil die Dreirosenhalle aktuell saniert wird. Die Behauptung, dass Basel über zu wenig Hallen verfüge, weist sie zwar als falsch zurück. Eine zusätzliche Halle mit ausreichend Publikumskapazität erachtet sie aber als notwendig. «Das Erziehungsdepartement hat den Auftrag zur Planung einer neuen Publikumssporthalle in die Investitionsplanung eingebracht», lässt Regierungsrat Conradin Cramer auf Anfrage ausrichten. Rund 2000 Zuschauer sollen darin Platz finden. Die Regierung rechnet mit Baukosten zwischen 17 und 36 Millionen Franken. Am Geld sollte es nicht scheitern. «Der Kanton Basel-Stadt hat in den letzten Jahren jährlich Millionenbeträge in den Unterhalt und Ausbau der Sportinfrastruktur investiert», sagt Cramer.

Der Landkanton ist der Stadt einen Schritt voraus

Mit der St. Jakobshalle steht in Basel eigentlich schon eine moderne Sport- und Eventhalle. Eine Benutzung kommt für Basler Vereine aber nicht in Frage. Zwar haben etwa die Unihockeyaner von Basel Regio in einer Nebenhalle auch schon ein Spiel durchgeführt, doch lukrativ ist es nicht. «Bei 200 bis 1000 Zuschauern machen wir dort ein Minusgeschäft», sagt Mendelin. Ticketverkauf und Catering laufen nicht über den Verein. Eine multifunktionale Benutzung der St. Jakob-Arena, dem Spielort des EHC Basel, würde wiederum eine Aufpolierung erfordern. Wie beim Zürcher Hallenstadion müsste ein bewegbarer Bodenbelag über die Eisfläche gelegt werden. Als weitere Alternative bringt Ebi die Messehallen ins Spiel. «Da es fast keine Messen mehr gibt, wäre das ein optimaler Ort», sagt der RTV-Präsident. Gemäss der Basler Regierung ist aber eine Umformung der Messehallen in normengerechte Sporthallen mitsamt der Infrastruktur aufwendig. Zudem stehen sie aktuell nicht zur Verfügung.

Im Baselbiet sind die Bestrebungen einen Schritt weiter. In Aesch soll ein Holzdom mit einem Fassungsvermögen von bis zu 2400 Zuschauern entstehen, in dem sowohl kulturelle als auch sportliche Anlässe stattfinden können. Das ehrgeizige Projekt, das 19,5 Millionen Franken kosten würde, steht am 16. Juni auf der Traktandenliste der Aescher Gemeindeversammlung. Grosser Profiteur wäre der Volleyballverein Sm’Aesch Pfeffingen. Die Mehrzweckhalle Löhrenacker, die aktuelle Spielstätte, ist zu klein, zu tief und verfügt über ein zu schlechtes Licht. Der Verein musste gar die Teilnahme am CEV Volleyball Cup, der zweithöchsten europäischen Spielklasse, zurückziehen, da der Löhrenacker nicht genügt und Ausweichhallen in Basel belegt sind. Nun spielen sie drittklassig. «Der Dom wäre ein Quantensprung. Er könnte zu einem Aescher Identifikationsmerkmal werden», sagt Esther Keller, Co-Präsidentin von Sm’Aesch Pfeffingen. Den Bedarf einer neuen Arena hat auch die Baselbieter Regierung erkannt. «In unserer Region fehlt eine regionale Spielsporthalle», sagte Thomas Beugger, Leiter des Baselbieter Sportamts, bereits im vergangenen Dezember zu dieser Zeitung.

Die Thematik der Hallensportinfrastruktur nimmt in beiden Kantonen Fahrt auf. Für die Vereine kann es nicht schnell genug gehen. «Wir kämpfen gegen Windmühlen und diese sind die Politik», sagt Ebi. Die Forderungen der Vereine sind bei der Regierung aber angekommen. Die Richtung, in welche der Wind bläst, ist erkannt. Ob deswegen in Basel in naher Zukunft eine moderne Spielsporthalle steht, wird sich zeigen. Bis dahin weht der Turnhallenmief.

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