Freitag, 20. Februar 2014, Bolschoi-Arena in Sotschi: Nabholz und Thalmann schaffen das Unfassbare, drehen mit ihrem Team vor Hunderttausenden von Zuschauern vor Ort und an den Bildschirmen im letzten Drittel das Bronzespiel gegen Schweden und holen sich mit der Schweizer Frauen-Eishockey-Nationalmannschaft eine Medaille. Ein historischer Traum geht in Erfüllung.

75 Zuschauer in Reinach

16 Tage und einige Empfänge, viele Ehrungen auf und neben dem Eis und PR-Auftritte später: Kunsteisbahn Oberwynental in Reinach (AG), Samstagnachmittag, 75 Zuschauer verfolgen das dritte Playout-Spiel zwischen Reinach und Weinfelden. Mitten drin: Sandra Thalmann, die 22-jährige Baselbieterin, eigentlich Verteidigerin, doch es hält sie wenig «hinten», so auch nicht in der 47. Spielminute, als sie ein Powerplay Weinfeldens unterbindet und aufs gegnerische Tor losstürmt. Ein Zweikampf, ein Sturz in den Pfosten, ein Schrei, der Abtransport vom Eis auf einer Bahre. Der Reinacher Eismeister und NL-Linienrichter Peter Küng trägt sie ein paar Minuten später in die Garderobe. Laufen kann sie nicht mehr, das gequälte Lächeln, das die schmerzvollen Schreie abgelöst hat, sagt alles. Die erste Diagnose: ein Innenbandriss am Knie.

Szenenwechsel, ein paar Stunden später, Samstagabend im schon fast mondänen «Stadiönli» hinter dem Hallenstadion in Zürich. Die ZSC Lions sichern sich mit einem ungefährdeten Sieg vor rund 200 Zuschauern die Playoff-Final-Teilnahme. Ein wichtiger Eckpfeiler im Zürcher Meisterteam der letzten drei Jahre ist die 28-jährige Baslerin Kathrin Nabholz. Sie müht sich redlich, geschwächt durch eine Magen-Darm-Grippe. Der Glanz fehlt, begreiflicherweise.

Positive Feedback bleiben

Unterschiedlicher könnten die beiden Szenarien nicht sein, doch Sandra Thalmann meint bodenständig: «Ich habe jetzt eine Olympia-Bronzemedaille gewonnen, aber geändert hat sich für mich nichts.» Die Reinacher Teamstütze ist kein Freund grosser Worte, sie lässt andere im Rampenlicht stehen und es ist für sie das Normalste in ihrem Sportlerleben, «vor ein paar Zuschauern ein Meisterschaftsspiel zu spielen.» Auch Kathrin Nabholz lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Was sie am meisten bewegt hat, sind «die vielen positiven Feedbacks, überall, an der Universität, in meinem privaten und sportlichen Umfeld, die wir in den letzten Tagen erhalten haben.» Sonst habe sich ihr Leben nicht verändert, «courant normal» einfach.

Unterschiedliche Wege

Die sportlichen Wege der beiden Regionalen, in Sotschi noch Teamkolleginnen, könnten sich bald einmal trennen. Thalmann, die ausgebildete Polymechanikerin, wird in Unterkulm eine zweite Lehre als Maschinenbau-Konstrukteurin beginnen und ins Wynental ziehen, Kathrin Nabholz, die angehende Tierärztin, steht vor ihrem Staatsexamen im Oktober.