Badminton

Keine Zuschauer wegen Corona-Virus - die Swiss Open 2020 könnten die letzten sein

Die Badminton Swiss Open finden dieses Jahr ohne Zuschauer statt.

Die Badminton Swiss Open finden dieses Jahr ohne Zuschauer statt.

Der Corona-Virus lässt Präsident Christian Wackernagel einen wahren Alptraum durchleben. Dass die 30. Ausgabe der Swiss Open in Basel nächste Woche vor leeren Rängen stattfinden wird, ist nicht das grösste Problem.

Am kommenden Dienstag starten die Swiss Open. Doch aktuell folgt eine Hiobsbotschaft der nächsten. Am Freitag vor einer Woche gab der Bund bekannt, dass aufgrund des Corona-Virus Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen verboten sind. Letzten Freitag kam dann der Bescheid vom kantonalen Krisenstab Baselland, die Swiss Open dürfen stattfinden, aber nur mit bis zu 200 Zuschauern. Am Montag kam dann der nächste Schlag: Die Bestimmungen wurden vom Krisenstab Baselland erneut geändert. Die Swiss Open müssen doch ohne Zuschauer durchgeführt werden. Eine Katastrophe für eine Sportveranstaltung.

Für Christian Wackernagel, Präsident der Swiss Open, wahrlich ein Alptraum. Er sagt: «Momentan bin ich im fünf-Minuten-Takt am Telefon. Wir müssen ganz viele Sachen neu konzipieren. Es ist ein brutaler Mehraufwand, den wir betreiben. Und am Freitag könnte erneut alles anders aussehen, wenn der Bund wieder neue Massnahmen präsentiert.»

Diese Entscheide für die Bekämpfung des Corona-Virus haben enorme Auswirkungen. Es war bereits alles vorbereitet und in den Lagern bereit. Doch ohne Zuschauer braucht es auch einige Aufträge nicht mehr: Zum Beispiel keine Stände im Eingangsbereich, kein Catering oder kein Unterhaltungsprogramm vor Ort. «Wir müssen schauen, ob wir die Aufträge noch stornieren können oder trotzdem dafür bezahlen müssen», sagt Wackernagel und fügt an: «Es ist klar, dass wir einen riesen Verlust einfahren werden.» Bei einem Budget von 1,1 Millionen Franken rechnet Wackernagel mit einem Defizit von 250000 Franken.

Die Baustellen und Brennpunkte kurz vor Turnierstart häufen sich und dann kommt da noch das Problem mit den Helfern: «Es sind einige Helfer, die ein wenig älter sind, abgesprungen, weil sie zur Risikogruppe gehören», erklärt Wackernagel. Die Gesamtsituation ist zum Verzweifeln.

Die Chinesen haben sich speziell vorbereitet

Trotzdem ist Christian Wackernagel froh, dass das Turnier wenigstens ausgetragen werden kann: «Wir ziehen es jetzt durch, obwohl es keine Zuschauer haben wird. Im Sinne für den Sport.» Auch bei anderen internationalen Badmintonturnieren gab es ein Auf und Ab. Das German Open in Müllheim an der Ruhr wurde ganz abgesagt. Das Spain Open in Barcelona wurde ausgetragen. Auch die All England Open in Birmingham finden zurzeit statt. Gerade für die Spieler ist es enorm wichtig, dass gespielt wird. Ende April entscheidet die Weltrangliste über die Qualifikation für die Olympischen Sommerspiele in Tokio. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass es bisher keine einzige Absage seitens der Spieler für das Turnier in Basel gab. Und das bei über 380 Athleten und Athletinnen aus 51 Nationen.

Die Chinesen haben sich entsprechend vorbereitet und hausen teilweise schon seit Februar mit ihrem eigenen Ärztepersonal in Europa. Nach Einreise und einer 14-tägigen Quarantänezeit können diese nun «normal» und ohne Einschränkungen spielen. Am Turnier in Basel wird es nebst den gängigen Verhaltensregeln für die Spieler keine grossen Einschränkungen geben. Es müssen lediglich alle anwesenden Personen ihre Kontaktdaten hinterlegen. Falls tatsächlich eine anwesende Person infiziert sein sollte, greift dann der Notfallplan der St. Jakobshalle und der Krisenstab Baselland übernimmt alles Weitere. «Dann übernehmen die Profis», so Wackernagel.

Von einem Turnierabbruch und einem Notfallplan soll aber noch nicht geredet werden. Momentan interessiert vor allem die Zuschauersituation. Denn nach den aktuellen Bestimmungen, gibt es komplettes Geisterturnier. «Am Freitag kommt die nächste Meldung des Bundesrats und wir erfahren vom Krisenstab Baselland, ob vielleicht doch Zuschauer kommen dürfen», so Christian Wackernagel. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber jetzt heisst es abwarten. Das Turnier wird aber auf jeden Fall im Inland und im Ausland im Fernsehen übertragen. Für das Standortmarketing der Stadt Basel war es sehr wichtig, dass das Turnier überhaupt durchgeführt werden kann.

Sorgt das Geisterturnier für das Ende der Swiss Open?

In diesem Jahr findet das Turnier noch statt. Aber wie es danach weitergeht, steht in den Sternen. «Wenn wir die Finanzierung vom Defizit nicht hinkriegen, dann müssen wir die Bilanz deponieren. Dann ist Aus die Maus», sagt Wackernagel. Nach dem Turnier muss er mit den Kantonen, Behörden, Sportämtern, Sportfonds, Swiss Badminton und dem Weltverband schauen, wie die finanziellen Löcher gestopft werden können. Für Wackernagel ist das Ganze nicht nur ein Riesenaufwand, sondern auch ein grosser Frust. Trotzdem freut er sich sehr auf das Turnier und wagt schon zu sagen: «Vielleicht können wir das 30-jährige Jubiläum nächstes Jahr nachholen, denn ohne Zuschauer ist es dieses Jahr kein ganzes Turnier.»

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