Roland Paolucci lacht und erzählt gerne. Er sitzt an seinem Arbeitstisch in Pratteln, wo er für die Firma Ziegler Schweiz AG für Kundenbeziehungen verantwortlich ist. Sein Hemd ist weiss, eine Krawatte trägt er nicht. Seine ebenso weissen Haare sind fein säuberlich nach hinten gekämmt. Im September wird Paolucci 72 Jahre alt, ein Alter, das ihm abgesehen von «rostigen Knochen» noch nicht zusetzt. «Ich springe immer noch herum wie ein Jungspund», sagt er und strahlt. Paolucci kümmert sich aber nicht nur um die Kunden seiner Firma. Kaum einer weiss mehr über das Fussballgeschäft zu berichten als er: «Ich weiss alles über Fussball, niemand muss mir da etwas erklären».

Als Spieler wurde er drei Mal Schweizer Meister mit dem FC Basel. Danach folgten Stationen als Spielertrainer, Trainer und Vereinspräsident. Seit 2006 darf er sich Präsident des Fussballverbands Nordwestschweiz nennen. Ein Amt, das er nach 13 Jahren abgibt. Am Freitag feierte er an der Delegiertenversammlung seinen Abschied. Paolucci sieht den Verband heute so gut aufgestellt, dass er es als den richtigen Zeitpunkt betrachtet, um abzutreten. In den 13 Jahren als Verbandspräsident haben sich einige Geschichten in Paoluccis Kopf abgespeichert. «Reminiszenzen» nennt er diese. Sie erklären seine Mission, sein Leben und vor allem seine Leidenschaft für den Fussball.

Erst nach zwei Bieren bekam er Akzeptanz

Als Paolucci vor 13 Jahren mit seiner Tätigkeit als Verbandspräsident begann, fand er eine Situation im Nordwestschweizerischen Fussball vor, die ihm nicht vollständig gefiel: «Ich merkte, dass eine gewisse Distanz zwischen einigen Vereinen und dem Verband vorherrschte». Diese Distanz bekam Paolucci bei einem Besuch in Oberdorf deutlich zu spüren. «Du bist also so einer vom Krawattentempel», spottete Fritz Felber, damaliger Präsident des FC Oberdorf. Auch als Paolucci erwiderte, dass er doch gar keine anhabe, wollte «die Legende von Oberdorf»– wie Paolucci Felber bezeichnet – seine Meinung von einem Funktionär des Fussballverbands nicht revidieren.

Paolucci legte als Präsident grossen Wert auf Teamwork.

   

Erst als die beiden zusammen zwei Bierchen tranken, kamen sie auf einen gemeinsamen Nenner. «Du bist doch nicht so einer, wie ich dachte», stellte Felber fest. Seither pflegen die beiden eine Freundschaft. Paolucci nutzt diese Erinnerung, um seine Mission als Verbandspräsident darzulegen: Distanz abbauen, Einigkeit herstellen und das Verständnis zwischen Vereinen und Verband fördern. Heute bewertet er den Erfolg dieser Mission als einen seiner grössten Verdienste: «Wir helfen den Vereinen und wollen, dass sie zufrieden sind. Das war eines meiner grössten Anliegen.»

Dank einer Schummelei in den VIP-Bereich

Fritz Felber ist nicht der einzige Vereinspräsident, der für prägende «Reminiszenzen» bei Paolucci verantwortlich ist. Eine Autofahrt mit Jürg Sutter, ehemaliger Präsident vom FC Binningen, hinterliess genauso bleibenden Eindruck. Auf dem Weg zu einem Länderspiel der Schweizer Nationalmannschaft, an das sie der Schweizerische Fussballverband eingeladen hatte, vertraute Paolucci den Anweisungen Sutters, der als Beifahrer die Rolle des Lotsen übernahm. Ein Lotse mit Navigationsproblemen, wie Paolucci herausfand, als die beiden die falsche Autobahneinfahrt nahmen: hin zum Bodensee, weg vom Stadion.

Paolucci lacht gerne und herzhaft, wenn er über seine Erinnerungen spricht.

   

«Geh auf den Pannenstreifen und fahre von dort rückwärts zur Autobahneinfahrt zurück», befahl Sutter. Paolucci folgte den Anweisungen, obwohl er ein Eintreffen der Polizei vorausahnte. Eine Prophezeiung, die kurz darauf eintraf. Sutter, der die beiden in die missliche Lage brachte, machte sich daran, sie daraus wieder zu befreien. Sie seien Sonderkommissare des Schweizerischen Fussballverbands, machte er den Polizisten weis. Eine Schummelei, die ihre Wirkung zeigte. Erst hielten die Polizisten Autos an, damit die beiden ungestört auf der Autobahn zurückfahren konnten. Danach navigierte sie ein Ordner in einen Raum, in dem der Teambus der Nationalmannschaft stand. Von dort führte sie eine Hostess in den VIP-Bereich des St. Galler Stadions. Paolucci war in diesem Moment nicht nur Spieler, Spielertrainer, Trainer, Vereins- und Verbandspräsident. An diesem Tag lernte er auch die Privilegien eines Sonderkommissars des Schweizerischen Fussballverbandes kennen. Zumindest für kurze Zeit.

Ein Leckerli für Embolo und die bellende Hündin

Es überrascht nicht, dass sich Paolucci in all den Jahrzehnten im Fussballgeschäft ein grosses Netzwerk aufgebaut hat. Ein Netzwerk, das ihm auch spezielle Beziehungen mit aktuellen und ehemaligen FCB-Spielern ermöglicht. Nur wenige Bekanntschaften sind aber so intensiv wie die mit Breel Embolo, der sich als Jugendlicher für eine Bürostelle beim Fussballverband Nordwestschweiz bewarb. Er machte dabei aber die Rechnung ohne Paoluccis Labrador-Hündin Silky, die Embolo zur Begrüssung anbellte. Embolo, beinahe zu Tode erschreckt, sprang zur Eingangstüre zurück. Jeannette, die Frau von Roland Paolucci, beruhigte die Situation, indem sie Embolo eine Belohnung für Silky in die Hand drückte. «Nachdem Embolo meiner Hündin ein Leckerli präsentierte, frass sie artig aus seiner Hand. Seitdem besteht zwischen den beiden eine enge Freundschaft», sagt Paolucci.

Paolucci hat das heutige Format des Basler Cups entscheidend mitgeprägt.

   

Diese Freundschaft nutzte Embolo, um in seiner Zeit in Basel einem aktuellen FCB-Spieler einen gehörigen Schrecken einzujagen. «Dieser FCB-Spieler muss aber nicht namentlich in der Zeitung erwähnt sein, sonst beschwert er sich noch bei mir», sagt Paolucci. Erneut mit einem Lachen im Gesicht.
Geschichten wie diese werden auch in Zukunft das Leben von Paolucci bereichern. Mit seiner Vergangenheit kann er gar nicht anders, als dem Fussball in der Region erhalten zu bleiben: «Ich werde weiterhin gerne den Kontakt mit den Vereinen suche. Das ist meine Leidenschaft.»