Scotty geht fremd

Keiner hat mit dem FC Basel mehr Trophäen gestemmt als Scotty — seit gestern arbeitet er in Zürich

Scott Chipperfield ging beim FC Basel als Held.

Scott Chipperfield ging beim FC Basel als Held.

Scott Chipperfield hat schon so vieles versucht, seit er seine Karriere 2012 beendet hat. Er gab seinen Namen für einen Burgerladen her (Scotty’s Corner), der dann mit den Behörden in Clinch geriet. Er betrieb eine Fussballschule, die vor rund zwei Jahren schliessen musste, weil die Nachfrage zu gering war.

Unterdessen wird getanzt, wo einst talentierte Nachwuchsspieler das Dribbeln hätten lernen sollen. Er trainierte den Zweitligisten FC Aesch und verliess den Verein im Streit.
So erfolgreich der Australier als Fussballer war (sieben Meistertitel, sechs Cupsiege), so schwierig tat er sich nach seiner aktiven Karriere. Eines aber war selbst im Misserfolg immer klar: Scotty, wie ihn die Basler liebevoll nannten, blieb der Region immer treu. Bis gestern, bis zu seinem Wechsel nach Zürich, wo er das Amt als Assistenztrainer beim FC United Zürich übernahm.

Wenn man einem in Basel diesen Schritt verzeiht, dann ihm. Chipperfield hat sich mit seiner aufopfernden Spielweise in die Herzen einer ganzen Region gekickt. Und irgendwie wünschen ihm doch alle, dass er endlich auf den Erfolgspfad zurückfindet. Warum nicht bei United? Das Projekt passt zu ihm. Seit Sommer wird der Verein aus der Promotion League von der Spielervereinigung SAFP getragen. Man will vertragslosen Profis eine Plattform bieten, um wieder Tritt zu fassen, sich anzubieten für höhere Aufgaben.

Liga-Erhalt

Einziges Problem: United Zürich liegt derzeit abgeschlagen auf dem letzten Platz, zwölf Punkte hinter dem Strich. SAFP-Präsident Luciano Valloni sagt: «Mit seiner Winner-Mentalität, seiner Erfahrung hoffen wir, dass uns Scott Chipperfield weiterbringt.» Man hofft, dass die Spieler seine Ratschläge annehmen. Auch bei der Sponsorensuche hofft man auf einen Chipperfield-Effekt. Denn ohne Geld, das ist für Valloni klar, wird es für United ungemein schwer, den Liga-Erhalt zu schaffen.

Im Gegensatz zu anderen Vereinen in der Promotion League bezahlte United bisher keine Löhne. Diesen eisernen Grundsatz will man zwar überdenken, aber viel kann man nicht zahlen. Im Verlauf der Saison seien schon drei, vier Spieler abgesprungen, weil sie anderswo bezahlt werden. Das ist zwar Ziel des Projekts, aber es erschwert den Liga-Erhalt. Und gelingt der nicht, droht auch das Projekt zu scheitern. Denn aus der 1. Liga schafft selten ein Spieler den Sprung in den Profi-Betrieb.

Scott Chipperfield freute sich über 85 Tore im Dress des FC Basel.key

Scott Chipperfield freute sich über 85 Tore im Dress des FC Basel.key

Ob respektive wie Chipperfield entlöhnt wird, darüber will Valloni keine Auskunft geben. Scotty selbst lässt sich von der Agentur wie folgt zitieren: «Der Fussballsport hat mir viel gegeben. Es ist nun an der Zeit, dass ich dem Sport etwas zurückgebe.» Warum nur in Zürich? Wir hätten ihn gerne gefragt – und verzeihen tut man ihm ja sowieso fast alles. Aber Chipperfield war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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