Mehr Spiele für Genf oder für Basel? Bei dieser Frage kommt Kevin Bua ins Grübeln. «Ich hatte in Basel einige Verletzungen. Darum tippe ich auf Genf», sagt er und liegt damit falsch. 76 Spiele hat der Flügelstürmer seit Sommer 2016 für den FCB gemacht und damit 21 mehr als für seinen Jugendklub Servette Genf. Am Samstag, 19 Uhr, spielt Bua zum ersten Mal gegen Servette. Vor dem Duell im Joggeli beantwortet der 25-Jährige die wichtigsten Fragen zu seinem Ex-Verein.

Warum kriegt Genf das Stadion nicht voll?

Kevin Bua: Das ist schwierig zu sagen. In Genf gab es schon immer diese enormen Schwankungen. Mal kommen 25 000, dann wieder nur 2000. Auch zu meiner Zeit in der Challenge League kamen im Derby gegen Lausanne 10 000 und eine Woche später nur noch 1500. Diese Gewohnheit, jede zweite Woche ans Heimspiel zu gehen wie hier in Basel, haben viele Genfer einfach nicht. Trotzdem hat der Fussball in Genf einen hohen Stellenwert. Ich bin sicher, mit positiveren Resultaten werden in Zukunft auch wieder mehr Fans ins Stade de Genève kommen.

Genf bildet seit Jahren wie der FCB zahlreiche Spieler aus, die später auch ins Ausland wechseln. Welche Jugendarbeit ist besser?

Beide sind sehr gut. Der einzige Unterschied ist, dass Basel die Spieler etwas länger halten kann. Doch wenn sich Servette in der Super League etabliert, werden auch ihre guten Jungen länger bleiben.

Wie haben Sie die beiden Insolvenzen erlebt?

Als Servette 2005 zum ersten Mal insolvent war und zum ersten Mal überhaupt aus der Super League abstieg, war ich noch zu jung, um zu verstehen, was passierte. Trotzdem habe ich es vage in Erinnerung. Die ganze Stadt hat darüber geredet. 2015 war ich dann direkt involviert. Das war eine komische Situation. Wir waren Zweiter und nah dran am späteren Aufsteiger Lugano, als die Botschaft kam, dass wir wegen des Insolvenzverfahrens absteigen. Ich wechselte darauf hin zum FCZ. Seither habe ich Servette aber immer verfolgt und auch ein paar Spiele im Stadion gesehen, wenn sie in der Nähe gespielt haben. Jetzt sieht alles besser aus. Ich denke, Servette droht keine dritte Insolvenz. Die neue Führung um Präsident Didier Fischer hat den Verein gut aufgestellt und den Klub in den letzten vier Jahren Schritt für Schritt vorwärtsgebracht.

Wie oft trifft man Sie noch in Genf an?

Immer, wenn ich ein bisschen Freizeit habe. Zuletzt nach dem Trainingslager Anfang Juli. Ich wohne dann bei meiner Freundin Almidine und schaue zum Essen bei meinen Eltern und meinen jüngeren Geschwistern vorbei. Sie wohnen immer noch im Haus, in dem ich aufgewachsen bin. Diese Besuche tun mir gut. Meine Freundin wird aber bald zu mir nach Basel ziehen. Das freut mich.

Warum hat Servette Sie als Junior aussortiert und erst später zurückgeholt?

Man sagte mir, ich sei zu klein und schmächtig. Auch in Carouge war das der Grund. Ich habe dann bei einem Dorfverein in Plans les Ouates trainiert und nebenbei die Matura gemacht. In Lancy und später in Vernier habe ich als Teenager bei der 1. Mannschaft spielen dürfen. Mit Vernier bin ich 2011 Meister in der 2. Liga regional geworden. Es war mein erster Titel. Dann kam Servette-U21-Trainer Oscar Londono, der mich nie aus den Augen verloren hat, und hat mich zurückgeholt. Ein Jahr später war ich Stammspieler in der Challenge League.

Was ist Ihre prägendste Erinnerung aus Ihrer Zeit bei Servette?

Aus meiner Juniorenzeit habe ich zwar viele Fotos, aber nur noch wenig Erinnerungen. An mein Profi-Debüt kann ich mich dafür noch genau erinnern. Das war 2013 gegen Wohlen. Servette war in die Challenge League abgestiegen. Im Sommer wurden deshalb ein paar Junge in die 1. Mannschaft integriert. Ich war von Anfang an Stammspieler und konnte beim 2:1-Sieg gegen Wohlen den Siegtreffer vorbereiten.

Kevin Bua jubelt über einen Treffer.

Kevin Bua jubelt über einen Treffer.

Haben Sie noch Kontakt mit Spielern von damals?

Wir hatten damals ein sehr starkes Team. Denis Zakaria, Dereck Kutesa oder Jérémy Guillemenot machten alle ihre ersten Schritte im Profifussball. Ihnen schreibe ich noch gelegentlich über die sozialen Netzwerke. Boris Cespedes, Anthony Sauthier und Jérémy Frick spielen heute noch bei Genf. Wir werden uns sicher vor dem Spiel noch ein wenig necken. Cespedes hat mir schon gesagt, dass sie nach Basel kommen wollen, um zu punkten.

Servette ist noch ungeschlagen. Kein Team in der Super League schiesst öfter aufs Tor, kein Team kassierte weniger Gegentore. Wie stark ist der Aufsteiger?

Ich habe das Spiel gegen Luzern gesehen. Das hat mich beeindruckt. Sie spielen gut. Servette hat sich in den letzten Jahren konstant entwickelt und scheint jetzt auch in der Super League Fuss zu fassen.

Werden Sie jubeln, wenn Sie gegen Servette treffen?

Ich würde sehr gerne treffen, aber aus Respekt vor dem Verein, bei dem alles begonnen hat, würde ich vermutlich nicht jubeln.