CSI Basel
Kistler: «Wir müssen professioneller werden»

Seit einem Jahr ist Andy Kistler als Equipenchef für die Schweizer Springreiter verantwortlich. In diesem Jahr gibt es für den 60-Jährigen nur ein Ziel: Bei der EM im Sommer in Aachen soll sich das Team für Olympia 2016 in Rio qualifizieren.

Michael Wehrle
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Die Schweizer Springreiter müssen in der Breite noch zulegen.

Die Schweizer Springreiter müssen in der Breite noch zulegen.

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Die Konkurrenz ist gross. Bereits dabei sind Deutschland, Holland, Frankreich und Schweden. Die Schweiz kämpft unter anderem gegen Belgien, die Ukraine, Grossbritannien, Irland. Italien und Spanien um einen der drei freien Plätze. Letztmals verpasste das Schweizer Team Olympische Spiele 1976, in Montreal.

«Die Herausforderung ist gross», sagt Kistler. Für den Schweizer Reitsport wäre es ein Rückschlag, eine grosse Enttäuschung, falls er die grösste Bühne nicht nutzen könnte. Denn für Kistler ist klar: «Wir müssen noch professioneller werden.» Es sei immer mehr Geld im Spiel, es gehe immer mehr in Richtung Formel 1. «Mein Wunsch, wieder etwas zurück zu den Wurzeln ist eine Illusion», sagt Kistler. Er wünscht sich, den Reitsport noch breiter abzustützen. «Jede Familie mit einem Mädchen ist für uns doch ein potenzieller Kandidat», sagt er. Die Schweiz habe noch viel Potenzial. Es brauche Geld, um Kinder solide auszubilden. «Es ist fantastisch drei grosse solche grosse Turniere wie Genf, Basel und Zürich innerhalb von wenigen Wochen zu haben», betont er. Damit erhalte der Sport Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und zum anderen gebe es Startmöglichkeiten für die Schweizer Reiter auf höchstem Niveau.

Jeder Reiter ein eigenes Unternehmen

Der direkte Kampf gegen die besten Reiter der Welt sei wichtig. «Wir haben zwar zwei, drei Spitzenleute, aber das reicht noch nicht, dauerhaft vorne mitzumischen», weiss Kistler. Als Equipenchef versuche er, langfristig diese Situation zu verbessern, was aber nicht einfach sei. Denn jeder Reiter sei ein eigenes Unternehmen, müsse Pferde und Sponsoren suchen, Reisen organisieren. «Ich kann helfen, rede mit Pferdebesitzern, stelle Kontakte her, kann manchmal ein Türchen aufmachen, viel mehr liegt aber nicht drin», sagt Kistler.

«An der Spitze sind wir gut aufgestellt betont er, «mit Steve Guerdat und Pius Schwizer.» Dahinter sei die Basis gegenüber dem vergangenen Jahr doch breiter geworden: Martin Fuchs, Niklaus Rutschi, André Jufer, Marie Etter, seien nur einige Kadidaten: «Die Konkurrenz ist deutlich stärker geworden.»

«Guerdat ist ein Geschenk für die Schweiz»

«Ich glaube an den Teamspirit», betont Kistler. Und setzt dabei auch auf den Olympiasieger als Leader. «Guerdat ist ein Geschenk für die Schweiz, sehr ehrgeizig, hilft bei den Nationenpreisen allen Kollegen mit und will an die Weltspitze mit dem Team.» Längst vorbei seien die Zeiten der Saufgelage. Alle Reiter seien disziplinierte Sportler: «Konflikte sprechen sie offen an.» Kistler nimmt die Weltrangliste als einen Massstab, macht aber Ausnahmen, wenn ein Reiter nur ein gutes Pferd hat, wie Rutschi. Unternehmer Kistler, der nicht aus dem Reitsport kommt, ist verantwortlich, aber er hat mit Thomas Fuchs als Trainer einen Fachmann zu Seite. «Ich hatte ein hartes Lehrjahr», sagt Kistler: «Aber ich bin zuversichtlich, wir sind in Rio dabei.»