Volleyball

Klassenclown und Topskorerin: Darum ist Taylor Fricano für Sm'Aesch-Pfeffingen so wichtig

Hat stets ein Lachen auf den Lippen: Sm’Aesch-Pfeffingens neue US-Amerikanerin Taylor Fricano, hier in der Adventsgasse im Kleinbasel.

Hat stets ein Lachen auf den Lippen: Sm’Aesch-Pfeffingens neue US-Amerikanerin Taylor Fricano, hier in der Adventsgasse im Kleinbasel.

Die US-Amerikanerin Taylor Fricano ist bei Sm’Aesch-Pfeffingen Topskorerin – und als Frohnatur auch neben dem Platz enorm wichtig. Nach wenigen Monaten im Baselbiet fühlt sich die Amerikanerin bereits zuhause und strebt mit ihrem Team den ersten Titel der Vereinsgeschichte an.

Als die Volleyballerinnen von Sm’Aesch-Pfeffingen Ende September zur Saisoneröffnung laden, merkt man: Die Stimmung beim Titelfavoriten ist hervorragend. In wenigen Wochen ist man trotz diverser Zu- und Abgänge zu einer verschworenen Einheit geworden, die auf und neben dem Platz harmoniert und endlich den ersten Titel der Vereinsgeschichte erobern will.

Heute sieht die Welt in Aesch noch immer harmonisch aus. Acht Siege, eine Niederlage und die Tabellenführung stehen zu Buche. Grossen Anteil am gelungenen Start hat Taylor Fricano: Die Neuverpflichtung aus den USA ist mit 131 Punkten fünftbeste Liga-Skorerin und auf dem Platz eine Leaderin im jungen und talentierten Team.

Doch ihr Einfluss beschränkt sich nicht nur auf das Punkten – abseits des Platzes wurde die 1,92 Meter grosse Amerikanerin zur Stimmungskanone. «Taylor ist eine enorm talentierte Spielerin, die vor allem im physischen Bereich stark ist. Zudem braucht jedes Team einen Klassenclown. Mit ihr haben wir genau das gefunden», sagte Trainer Andi Vollmer vor der Saison.

Taylor Fricano bespricht sich mit Teamkollegin Jazemine White.

Taylor Fricano bespricht sich mit Teamkollegin Jazemine White.

Zweimal nicht ins Schulteam geschafft

Dass Fricano dereinst auf Profi-Level spielen würde, war anfangs nicht zu erwarten: «Als Kind habe ich Basketball gespielt. Mein Trainer überredete mich, zum Probetraining des Volleyballteams meiner Schule zu gehen. Ich habe es nicht ins Team geschafft. Und auch im nächsten Jahr wurde ich nicht genommen. Mein Trainer ermutigte mich weiter und beim dritten Anlauf hat es dann geklappt. Ein verrückter Start», erinnert sich die 24-Jährige aus Chicago lachend.

Die Widerstände zu überwinden, tut Fricano gut: Im College trumpft sie auf, kann den Schritt ins Profitum wagen. Weil es jedoch in den USA keine Profiliga gibt, führt Fricanos Weg nach Europa, genauer ins tschechische Brno. «Einerseits habe ich mich enorm gefreut, weil ich die Chance hatte, in Europa zu leben. Andererseits hatte ich aber auch Angst vor diesem Schritt.»

Mit der kulturellen Umstellung hat Fricano Mühe. «Die Zeit in Tschechien war nicht einfach. Ich war noch nicht bereit dafür, plötzlich so auf mich alleine gestellt zu sein. Die Leute sprachen teilweise kaum Englisch, was es schwierig machte, Anschluss zu finden. Ich fühlte mich, als würde ich nicht dazugehören», erzählt sie.

Auch die unterschiedliche Motivation in der Sportwelt bereitete ihr Probleme: «Im College ist es wie in einer Familie. Es kommen 5000 Zuschauer von Klassenkameraden bis Professoren und feuern dich an. Du spielst ohne Bezahlung für deine Schule aus Stolz und Liebe. Diese innere Motivation fehlte mir, weil für viele plötzlich nicht mehr das Wir über dem Ich stand.» Entsprechend harzig verläuft das einjährige Abenteuer.

Die Schweiz als neues Zuhause lieb gewonnen

Über die Kontakte ihres damaligen Agenten kommt der Transfer zu Sm’Aesch zustande. Hier fühlt sie sich nach einigen Monaten bereits heimisch. «Die Schweiz ist meinem Zuhause viel ähnlicher, das Miteinander fühlt sich hier wärmer an als in Tschechien. Vor allem aber ist es die Mannschaft, die mir hilft, mich zu Hause zu fühlen.» Ein Stück weit fühle sie sich gar schon als Schweizerin, scherzt die Diagonalspielerin.

Auch ihr Hund Peanut, der sie begleitete, helfe ihr dabei, trotz der Distanz zu ihren Eltern und zwei Brüdern, die ihr als Familienmensch enorm wichtig sind, Fuss zu fassen. «Er ist mein grösster Fan, egal wie ich spiele. Ich bin ein totaler Hundemensch», sagt sie, während sie einem vorbeitrottenden Vierbeiner liebevoll nachschaut. Und auch eine kleine Dosis ­Familie hat sie hierzulande: Ihre Cousine spielt beim Liga-Rivalen Neuchâtel.

Taylor Fricano und ihr Hund Peanut.

Grandiose Teamchemie als Schlüssel zum Erfolg

Fricano schwärmt von der Stimmung im Team, fast wie im College sei es im Baselbiet. «Ich hätte nie gedacht, dass ich so etwas in der Profi-Welt finden würde. Dafür bin ich enorm dankbar und geniesse jedes Spiel und jedes Training.» Dort hat sie sich mittlerweile als Klassenclown etabliert. «Einmal versuchte sie in einem Testspiel, einen Ball, den wir schon dreimal berührt hatten, übers Netz zu pusten. Da konnte ich nicht mehr vor Lachen», gibt ihre Teamkollegin, Freundin und Nachbarin Annalea Maeder ein Beispiel für den Humor der Amerikanerin.

Die Episode verdeutlicht, wie gut die Equipe harmoniert. «Die Chemie könnte der entscheidende Faktor sein», erklärt Fricano. So könne man alles Talent der Welt im Team haben und trotzdem nicht erfolgreich sein, wenn die Spielerinnen nicht zusammenarbeiten würden.

Entsprechend zuversichtlich ist sie, dass es in diesem Jahr mit einem Titel klappt, obwohl man im Supercup bereits gegen Neuchâtel verlor und gegen denselben Gegner auch die einzige Liga-Niederlage einsteckte. «Ich bin überzeugt, dass, wenn es einen Titel-Fluch geben sollte, wir ihn in dieser Saison brechen können.»

Pläne für allfällige Festivitäten habe man noch keine geschmiedet. «Klar ist aber, dass es etwas Grosses werden müsste», sagt sie schmunzelnd. Es ist anzunehmen, dass der verschworenen Truppe etwas Angemessenes einfallen würde.

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