In der 25. Minute hat sich Taulant Xhaka nicht im Griff. Erst tritt er Servette-Flügel Tasar in die Hacken, dann schubst er Wüthrich weg, um anschliessend den heraneilenden Cognat mit einer Ohrfeige abzuwehren. Schiedsrichter Alessandro Dudic wird von Videoschiedsrichter Fedayi San kontaktiert, lässt sich von diesem aber in seiner Entscheidung nicht umstimmen. Er konsultiert zum grossen Glück für den FC Basel auch nicht den Video-Screen an der Seitenlinie. Denn die TV-Bilder sind eindeutig. «Das war eine klare rote Karte, aber der Schiri wollte nicht schauen. Basel war aber trotzdem besser», analysierte Servette-Trainer Alain Geiger nach dem Spiel treffend.

Zum Zeitpunkt, als Xhaka die Sicherungen durchbrennen, steht es zwischen Basel und dem bis dato noch ungeschlagenen Aufsteiger aus Genf 1:1. Ein kurioses Eigentor von Rouiller, der vom auf der Linie klärenden Mitspieler angeschossen wird, bringt den FCB bereits in Minute 4 in Führung. Ein Ballverlust von Kemal Ademi und ein Servette-Konter führen eine Viertelstunde später zum Ausgleich. Torschütze Wüthrich geht im Zentrum völlig vergessen.

In der Folge verliert der FCB das Spiel aus der Hand. Zahlreich Fehlpässe laden die Gäste immer wieder zu Chancen ein. Doch Servette-Sturmspitze Koné vergibt auch seine zweite Hundertprozentige kläglich. Nachdem Xhaka trotz Tätlichkeit weiterspielen darf, kommt es für den FCB noch besser. Einen Pfostenschuss von Valentin Stocker, köpft Ademi noch vor der Pause zum 2:1 in die Maschen.

Die Highlights im Video:

Super League, 2019/20, 4. Runde, FC Basel - Servette FC: Highlights

   

Nach dem Seitenwechsel bleibt Xhaka in der Kabine. Von den giftigen Genfern hart angegangen, hat er Schmerzen an der Hüfte. Der FCB startet ohne Xhaka optimal in Durchgang 2. Stocker verwandelt gleich den ersten Abschluss zum vermeintlichen 3:1. Doch wieder greift sich Dudic ans Ohr und diesmal hört er auf den VAR. Er schaut sich das Tor selber nochmal an und entscheidet auf Offside. Ademi soll – hauchdünn im Abseits stehend – die Sicht des Torhüters behindert haben.

Blind warten, bis der Schiri etwas entscheidet

Die Fans im Joggeli bekommen auf der Videoleinwand anders als die TV-Zuschauer zu Hause keine Bilder der strittigen Szenen zu sehen. Sie werden lediglich informiert, dass eine VAR-Überprüfung stattfindet, und müssen die Entscheidung dann zur Kenntnis nehmen. Diese suboptimale Situation entsteht, weil die Bildqualität der Leinwände in der Super League nicht überall gut genug ist und die Vereine und nicht die Liga, die Videowände bespielen.

Der FCB lässt sich durch die doppelte VAR-Premiere im Joggeli allerdings nicht aus der Ruhe bringen. Servette kommt nur noch selten zu Ausgleichschancen. Der FCB selber trifft nach einer Drangperiode noch ein drittes Mal. Der eingewechselte Kevin Bua sorgt in der 81. Minute für die Entscheidung und schreibt mit seinem ersten Saisontor die fussballromantische Geschichte dieses Spiels.

Wegen dem Linz-Spiel fällt die Geburtstagsparty aus

Bua ist in Genf aufgewachsen und hat für Servette vor sechs Jahren in der Challenge League debütiert. Am Samstag vollendet er elf Minuten nach seiner Einwechslung eine Campo-Vorlage per Distanzschuss zum 3:1. Im allerersten Spiel gegen seinen Jugendklub trifft Bua gleich und beschenkt sich damit selbst zum 26. Geburtstag, den er am Sonntag feierte.

Eine grosse Party gab es am Samstagabend aber nicht. Bua feierte seinen Ehrentag «gemütlich» mit Freunden bei sich zu Hause. Denn schliesslich stand am Sonntag auch noch ein Training an. Das Rückspiel in der Champions League Qualifikation in Linz wirft bereits seine Schatten voraus. «Wir wollen eine Runde weiter und müssen diese Mannschaft schlagen», sagt Bua. Dafür verzichtet er auch gerne auf seine Tor- und Geburtstagsparty.

Die Noten zum Spiel: