Als sie vernahm, dass sie für den Königsausstich am Eidgenössischen Jugendschützenfest in Bern mit dem Kleinkalibergewehr qualifiziert ist, hat sie der Ehrgeiz gepackt. Eigentlich hatte sich Sina Jeger aus Meltingen primär aus Spass für den Event angemeldet. «Dann wollte ich aber doch das Maximum rausholen.» Und Selbiges ist ihr glänzend gelungen. Es war ein Kopf-an-Rennen, das sich die Solothurnerin im Königsausstich mit Christoph Dürr aus Gams lieferte. Letztlich setzte sich die 19-jährige Dame im 13-schüssigen-Spiel um 0,3 Punkte gegenüber den Junioren-Kader-Schützen durch (133,5:133). «Der Sieg macht mich schon stolz», sagt Sina Jeger. Zurecht, schliesslich war die Konkurrenz im Final hochkarätig. Marina Bösiger aus Derendingen, die ebenfalls dem Junioren-Nationalkader angehört, belegte Rang 7.

Ungeliebte Disziplin, hohes Potenzial

Freude bereitet der Siegerin, die für ihren Effort nebst einer Medaille eine Uhr erhalten hat, vor allem der Umstand, dass sie König in die Liegendstellung geworden ist. «In dieser Disziplin ist es mir letztes Jahr überhaupt nicht rund gelaufen», erzählt die angehende Lehrerin, die durch ihren Vater zum anspruchsvollen Sport fand. Beim Liegendschiessen sind die Anforderungen enorm hoch. Wer international mit 60 Schuss von 600 möglichen nicht mindestens 599 Punkte erzielt, kann sich verdünnisieren. Sie habe hart gearbeitet, sagt Sina Jeger, und könne jetzt nun offenbar die Früchte dieser Arbeit einfahren.

Vor ihrer Krönung in Bern stand Jeger heuer nämlich schon mit dem Schweizer Team am Internationalen Wettkampf in Pilsen (Tsch) als Dritte auf dem Podest. Ihr bislang wertvollstes Resultat nebst dem vierten Platz an der Schweizermeisterschaft 2013 – ebenfalls liegend. Vor allem an ihrer Schiess-Position hat die Meltingerin zuletzt kräftig gerackert. Es galt eine Liegendstellung zu finden, in der jede Körperzelle auf Anhieb perfekt parkiert ist. Das habe sie geschafft. Daneben trägt das neue Gewehr, das sie seit dieser Saison schiesst, das Seinige zum Erfolg bei und «ist an jedem Wettkampf zusätzliche Motivation für mich», hält die begabte Schützin fest. Aus Knorz ist wieder Spass geworden.

WM-Chancen intakt

So viel Spass, dass Sina Jeger immer noch mit der WM im September in Granada hoffen darf. «Wenn ich in zwei Wochen super Trials abliefere, schaffe ich es vielleicht doch noch an die WM», hält die im Bezirk Thierstein wohnende Königin, die in ihrer Freizeit gerne wandert, fest.

Ganz nach amerikanischen Modell vertreten nämlich seit einiger Zeit diejenigen Schweizer Tellsöhne und -töchter das Land an internationalen Titelkämpfen, die an dem nationalen Ausscheidungswettkämpfen die ersten Plätze belegen. Völlig ungeachtet dessen, was der oder die bis dato geleistet hat. «Ich finde das System sehr gut und fair», sagt Sina Jeger. Es belohne eben die, die in dem Moment die besten seien und nicht die, die vielleicht davor die besten waren.

In dem Sinn könnte sich ihr Traum von der Teilnahme an Olympischen Spielen in den nächsten Jahren durchaus noch erfüllen. Am Königsfinal in Bern hat Sina Jeger ja bewiesen, dass sie im entscheiden Moment die Nerven behalten und sich auch gegen starke Konkurrenz durchsetzen kann.