Vor der Auslosung
Kopfkino an! Das waren die Champions-League-Kampagnen des FC Basel

Bevor heute Abend mit der Auslosung der Gruppenphase der Startschuss zur siebten Champions-League-Teilnahme des FC Basel fällt, blicken wir zurück: Seit der Premiere 2002 hat Rot-Blau in der Sternenliga für viele Furore gesorgt.

Sebastian Wendel
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Ein Bild für die Ewigkeit: Marco Streller bejubelt seinen Siegestreffer im Spiel Liverpool am 1. Oktober 2014.

Ein Bild für die Ewigkeit: Marco Streller bejubelt seinen Siegestreffer im Spiel Liverpool am 1. Oktober 2014.

Keystone

2002/03:

Nach der dramatischen Qualifikation gegen Celtic Glasgow meinte es die Losfee gleich gut mit dem FCB. Sehr gut sogar! Liverpool, Valencia und Spartak Moskau hiessen die Gegner. Der Champions-League-Debütant aus der Schweiz galt als krasser Aussenseiter. Falsch gedacht: Zwar verlor der FCB in Valencia gleich mit 2:6, doch dank zwei souveränen 2:0-Siegen gegen die Russen und dem nie vergessenen 3:3 im letzten Spiel gegen Liverpool schaffte er die Sensation und zog vor den „Reds“ in die Zwischenrunde ein. Auch dort verkaufte sich Rot-Blau hervorragend: Gegen Deportivo La Coruna, Manchester United und Juventus Turin verpasste die Mannschaft von Christian Gross die K.o-Phase nur knapp – nur dank des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Juventus schied der FCB aus. Trotzdem: Die Premiere hat die Lust auf magische Nächte im St. Jakob-Park so was von geweckt!


2008/09:
Nach sechsjähriger Durststrecke gelang 2008 die zweite Qualifikation für die Königsklasse – wieder mit einem Krimi, dieses Mal gegen Vitoria Guimaraes aus Portugal. Die anschliessende Gruppenauslosung bescherte dem FCB erneut eine Hammergruppe: Schachtar Donezk, Sporting Lissabon und der grosse FC Barcelona gaben sich im Joggeli die Ehre. Klingende Namen, aber ultraschwer zu bespielen. Der archaische Gross-Fussball war den Anforderungen der Champions League nicht mehr gewachsen. Resultat war der letzte Gruppenplatz mit nur einem einzigen Pünktchen: Dieser aber gewann Rot-Blau ausgerechnet auswärts beim FC Barcelona – FCB-Torschütze beim 1:1 war Eren Derdiyok.

Grenzenloser Jubel: Derdiyoks Tor beschert den Baslern 2008 einen Punkgewinn in Barcelona.

Grenzenloser Jubel: Derdiyoks Tor beschert den Baslern 2008 einen Punkgewinn in Barcelona.

Keystone


2010/11:
Die erste Champions-League-Teilnahme nach der Stabsübernahme durch Bernhard Heusler. Die Qualifikation gegen Debrecen (Ungarn) und Tiraspol (Moldawien) gelang mit vier Siegen in vier Spielen problemlos. Leuchtende Augen im FCB-Lager dann auch nach der Auslosung: CFR Cluj, AS Roma und Bayern München! Das Ziel war Gruppenrang 3 und somit die Quali für die Europa-League-K.o-Phase: Dank Siegen gegen die Roma (3:1) und Cluj (1:0) wurde dieses erreicht. Trotzdem gab es danach Enttäuschung im rot-blauen Lager, denn: Es wäre mehr drin gelegen. Die Auswärtsniederlage in Cluj war genauso unnötig wie jene zuhause gegen die Roma. In der Europa League folgte das Ausscheiden bereits in den Sechzehntelfinals gegen Spartak Moskau – das Rückspiel im Februar 2011 fand bei -20 Grad statt.

Damals noch im Basler Dress: Cabral feiert den dritten FCB-Treffer am 19. Oktober 2010 beim 3:1-Sieg gegen die AS Rom.

Damals noch im Basler Dress: Cabral feiert den dritten FCB-Treffer am 19. Oktober 2010 beim 3:1-Sieg gegen die AS Rom.

Keystone


2011/12:
Zum ersten Mal war der FCB zwei Mal in Folge Teilnehmer in der Königsklasse. Und jene in der Saison 2011/12 sollte die spektakulärste aller Kampagnen werden: In der Gruppe mit Manchester United, Benfica Lissabon und Otelul Galati schien das Maximum Rang 3 zu sein. Doch fast schon traditionell wuchs der FCB gegen eine englische Mannschaft über sich hinaus und holte in den zwei Partien gegen die United vier Punkte. Auswärts 3:3, zuhause 2:1! Eine Sensation! Und dies trotz des Trainerwechsels mitten in der Gruppenphase, als Thorsten Fink nach Hamburg ging und von Heiko Vogel beerbt wurde. Der Wahnsinn hatte seine Fortsetzung im Achtelfinal: Gegen das grosse Bayern München gewann die FCB-Jahrhundertelf das Hinspiel sensationell mit 1:0 – Valentin Stocker war der umjubelte Torschütze im ohrenbetäubend lauten Joggeli. Zwei Wochen später die harte Landung auf dem Boden der Tatsachen: 0:7 in der Allianz-Arena. Und was ist Heiko Vogels erster Satz nach der Monumentalklatsche? „Ist ja gut gelaufen!“

2013/14:
Die Qualifikation gegen Ludogorez Rasgrad aus Bulgarien gelang souverän (4:2/2:0). Danach traf der FCB in der Gruppe auf Gegner, gegen die er zuvor noch nie gespielt hatte: Schalke 04, Steaua Bukarest, FC Chelsea. Der Start war furios: 2:1 dank einer taktischen Meisterleistung gewann Rot-Blau in London. Die Ernüchterung im folgenden Heimspiel gegen Schalke 04: 0:1-Pleite und die Greenpeace-Affäre, als sich Aktivisten vom Stadiondach herunterseilten und ein Protestplakat gegen Uefa-Sponsor Gazprom entrollten. Hochs und Tiefs wechselten sich in der Folge weiter ab: Gegen Chelsea gewann das Yakin-Team auch das Heimspiel, dafür gab es gegen Bukarest insgesamt nur zwei Punkte. Zum Schluss musste der FCB auf Schalke gewinnen, um in die Achtelfinals einzuziehen: Doch nach einer strittigen Roten Karte gegen Ivanov und einem Gegentor, bei dem 5(!!!) Schalker inklusive Torschütze Matip im Offside standen, machten die Reise nach Gelsenkirchen zur Mission impossible. Zum Trost erreichte der FCB anschliessend in der Europa League die Viertelfinals.

Und wie rollen die Kugeln für den FC Basel heute Abend? Startschuss zur Auslosung in Monaco ist um 18 Uhr. Wir sind gespannt – und freuen uns auf die nächsten magischen Champions-League-Nächte mit dem FCB!