Fussball
Lacroix-Transfer: «Habt Ihr euch diesen Satz echt so gut gemerkt?»

Fussball Der FC Basel komplettiert mit Léo Lacroix sein Kader – und erfüllt damit beider Seiten Wünsche. Basel hat einen Innenverteidiger und Lacroix erfüllt sich seinen Traum.

Céline Feller
Merken
Drucken
Teilen
Léo Lacroix (r., hier mit Sportchef Marco Streller) trägt beim FCB die Rückennummer 3.

Léo Lacroix (r., hier mit Sportchef Marco Streller) trägt beim FCB die Rückennummer 3.

Marco Streller muss lachen. «Habt Ihr euch diesen Satz echt so gut gemerkt?», sagt er, angesprochen auf eine Aussage, die er im Trainingslager getätigt hatte. Damals verneinte er etwas sehr salopp, dass Léo Lacroix die Lücke von Manuel Akanji beim FC Basel schliessen solle.

Es ist ein Zitat, das er nun richtigstellen muss. Denn gestern Morgen um halb 11 Uhr bestätigt der FCB, was sich bereits am Dienstag abzuzeichnen begann: Lacroix wechselt nach Basel. Vorerst leihweise bis im Sommer, mit der Option jedoch, ihn definitiv zu übernehmen. «Damals war es aber tatsächlich so, dass wir dachten, die Türe sei definitiv zu.»

Dass es nun doch geklappt hat, hat vor allem mit Neven Subotic zu tun. Dieser musste bei Borussia Dortmund Manuel Akanji Platz machen, wechselte zur AS Saint-Etienne und machte dort Lacroix überzählig. Dessen vorerst leihweise Verpflichtung beim FCB ist das Wunschszenario der Basler Führung.

Einen Spieler per sofort zu kaufen, wäre ihnen zu riskant gewesen. Lieber lerne man sich noch ein halbes Jahr besser kennen und erörtere dann wieder, ob sich ein definitiver Zuzug lohne. Auch deshalb fielen andere Kandidaten im Rennen um die Akanji-Nachfolge aus dem Rennen, weil sie per sofort und definitiv hätten übernommen werden müssen.

Meist auch zu einem Preis, der angesichts des mitschwingenden Risikos zu hoch angesetzt gewesen wäre. Dies soll aber nicht heissen, Lacroix sei nur der letzte Verbleibende einer Liste, den man dann aufgrund des Zeitdrucks (das internationale Transferfenster schloss um Mitternacht) geholt hätte. «Sondern wir haben uns aus voller Überzeugung für ihn entschieden», betont Streller.

Léo Lacroix soll die Basler Defensive verstärken.
8 Bilder
Der neue Spieler wird präsentiert.
Lacroix wird beim FC Basel Nachfolger von Manuel Akanji.
Léo Lacroix
Der Verteidiger wechselte im Sommer 2016 vom FC Sion zur AS Saint-Etienne.

Léo Lacroix soll die Basler Defensive verstärken.

KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Die Erfüllung von Lacroix’ Traum

Denn besonders der Basler Sportchef weiss, welche Qualitäten der 25-jährige Lausanner aufzuweisen hat. Im Cupfinal 2015 – Strellers letztem Spiel als Profi – war Lacroix noch bei seinem Jugendverein Sion und meldete seinen heutigen Chef komplett ab. «Ich habe dort am eigenen Leib erleben müssen, dass er ein physisch starker Verteidiger ist.

Er geht oft an die Grenze, aber nie darüber hinaus.» Des Weiteren zeichnen Lacroix seine aufgrund seiner Grösse von 1,97 Metern gegebene Lufthoheit aus, sein dafür dennoch hohes Tempo sowie die Fähigkeit, in der Dreier- sowie in der Viererkette spielen zu können.

Aber nicht nur die Basler Führung, auch Lacroix selber schwärmte gestern, angesprochen auf seinen neuen Verein: «Ich bin sehr glücklich darüber, hier zu sein. Als ich gehört hatte, dass der FCB Basel eine Offerte abgegeben hat, habe ich keine Sekunde gezögert.»

Der Wechsel lag ihm so am Herzen, dass er bei seinem Ex-Verein vehement auf den Transfer pochte und damit alles endgültig ins Rollen brachte. Denn: «Als junger Schweizer Spieler will man immer zum FC Basel.»

Immer noch ein Perspektivspieler

Mit Lacroix hat der FCB die optimale Lösung gefunden. Einerseits für den Spieler, der sich einen Traum erfüllen konnte und sich mit mehr Spielpraxis für die WM empfehlen will und daher noch mehr Gas geben wird. Andererseits auch für den Verein.

Denn Lacroix ist trotz seiner doch schon 25 Jahre immer noch ein Perspektivspieler, den man in einem oder zwei Jahren gewinnbringend verkaufen könnte. Ausserdem hat man durch die Möglichkeit der Kaufoption bereits eine Lösung in der Hinterhand, sollte der hochveranlagte Eder Balanta im Sommer Interesse bei grossen Vereinen wecken und den FCB verlassen.

Dies ist ein Szenario, das beim FCB durchaus als denkbar gilt. Schliesslich war Balanta im letzten Sommer schon der Spieler mit den meisten Angeboten auf dem Tisch. Da im Juni dann ohnehin Leihspieler Eray Cümart von Sion nach Basel zurückkehren wird, wäre damit die Innenverteidigung kein Sorgendkind der sportlichen Führung.

Aber all dies ist noch weit weg. Zuerst beginnt am Sonntag die Meisterschaft. Angesichts des angeschlagenen Balantas (Handbruch) dürfte Lacroix zu seinem Debüt kommen. «Ich bin bereit und habe dies dem Trainer auch gesagt.» Eine Aussage, die auch jene Strellers ganz deutlich unterstreicht: «Wir haben nicht eine Nummer 3 geholt für die Innenverteidigung. Vielmehr haben wir nun drei Nummern 1. Es wird ein offener Kampf.»