Laufsport

Laufsport-Legende Urs Frey (71) beendet seine Wettkampfkarriere

Urs Frey lief so manchem jüngeren davon.

Urs Frey lief so manchem jüngeren davon.

Eine der schillernsten Läuferfiguren der Schweiz beendete in diesemJahr seine Karriere und wirft nocheinmal einen Blick zurück auf seine atemberaubende Karriere.

Seit dem GP von Bern im Mai dieses Jahres ist es ruhig um mich geworden. Meine Beine und mein Motor würden mich bestimmt noch 2-3 Jahre schnell und weit tragen, aber während den Sommermonaten bin ich von meiner seltenen Augenkrankheit wieder eingeholt worden. Ist die Situation im rechten Auge nach der Hornhauttransplantation vor acht Jahren mit einem Sehvermögen gegen 70 % noch recht stabil, so hat sich die Situation im linken Auge nach der Hornhauttransplantation vor zehn Jahren bei stets etwas unstabilen Verhältnissen und einem Sehvermögen zwischen 50-60 % in den letzten 1-2 Jahren verschlechtert mit einer Eskalation während den Sommermonaten.

Ich bin nun am linken Auge beinahe erblindet und werde mich nächsten Monat einer zweiten Hornhauttransplantation unterziehen müssen. Die Erholung zur alten Sehstärke zwischen 50-60 % kann dann mehrere Monate in Anspruch nehmen. So oder so wird bei mir das Sehvermögen ein Thema bleiben und um mich bei schnellen Läufen nicht unnötig in Gefahr zu bringen, habe ich mit entschlossen, künftig auf den leistungsorientierten Laufsport zu verzichten und keine weiteren Läufe mehr zu bestreiten. Weil es mir gut tun würde, werde ich nach der Genesung wenn immer möglich, und falls ich mich überhaupt zu einem langsamen Tempo zwingen kann, noch mit leichtem Jogging weiterfahren.

 27 Jahre voller Läufe

1989 im Alter von 44 Jahren habe ich meinen ersten Lauf bestritten und habe während den letzten 27 Jahren viele Hochs und Tiefs durchlebt. Während die erste Hälfte meiner Laufkarriere von schweren Verletzungen (Zwei Achillessehnenoperationen rechts und Zwei Achillessehnenoparationen links) geprägt war und ich infolgedessen mein Leistungspotential nie ausschöpfen konnte, war dann die zweite Hälfte trotz abermaliger Verletzung (Kompressionsfraktur im Lendenwirbelbereich) und oben beschriebener Augenkrankheit wesentlich besser und ich kam langsam auf Leistung.

Wo andere ab Alter 60 biologisch bedingt langsam mit dem Leistungsvermögen abbauen, konnte ich meine Leistung ziemlich gut halten und wurde dadurch in den älteren Alterskategorien immer stärker. Letztes und dieses Jahr bin ich dann aufgrund der gelaufenen Zeiten in meiner Alterskategorie in die engere Weltspitze vorgedrungen. Dies darf ich so sagen, bin ich doch, obwohl nie selbst an Senioren Europa- und Weltmeisterschaften teilgenommen, dem mehrmaligen gleichaltrigen Seniorenweltmeister Albert Anderegg aus Innertkirchen in letzter Zeit immer sehr nahe gekommen und konnte ihn auch schon dreimal bezwingen.

Wegen Verletzungen und Augenkrankheit konnte ich nur wenige Läufe bestreiten, allerdings suchte ich immer die namhaftesten Laufveranstaltungen mit der grössten Konkurrenz. Die Bilanz sieht folgendermassen aus:

Darunter sind teils mehrmalige Siege am Basler Stadtlauf, Course de l’Escalade Genêve, Sylvesterlauf Zürich, GP von Bern, Greifenseelauf, Basler Halbmarathon, Hallwilerseelauf, Murten-Freiburg, Engadiner Sommerlauf, usw.

Ich darf sagen auf dem Höhepunkt meiner Laufkarriere zurückzutreten. Dieser Höhepunkt war der diesjährige GP von Bern, als ich im Feld der 86 Klassierten des Alterskategorie M70 mit einem Vorsprung von neuneinhalb Minuten überlegen siegen konnte. Ich benötigte für die zehn Meilen (16.093 Kilometer) lange Strecke eine Zeit von 1:05:29 Stunden (Durchschnitt pro Kilometer 4 Minuten 5 Sekunden) und unterbot die Zeit meiner letzten Teilnahme im Jahr 2014 um über fünf Minuten.

Meine Zeiten aus den Jahren 2011 bis 2013 unterbot ich ebenfalls deutlich. Ich lief auch über eine Minute schneller als der Sieger der Alterskategorie M65 (189 Klassierte) und hätte in der Alterskategorie M60 (398 Klassierte) immer noch den vierten Rang belegt. Einen Spitzenwert erreichte ich auch in der ‚Relativwertung’, die von der Universität Bern entwickelt wurde und die Zeiten in Relation zu Alter und Geschlecht setzt. Mit 124.4 % erreichte ich den besten Wert aller 9'835 klassierten Männer des GP Bern 2016.

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