Die ersten zwei Gefechte hat die Weltnummer 198 gewonnen, ein optimaler Start. Dann folgen vier Niederlagen. 58 der 77 gestarteten Degenfechterinnen ziehen in den K.o.-Modus des EM-Turniers ein. Das Rechnen beginnt. Minus sieben lautet Stählis Trefferbilanz. Dann rollen die Resultate über den Monitor im Kongresszentrum von Montreux.

Die Nummer 58 leuchtet auf. Zwei Siege, vier Niederlagen, minus sieben Treffer. Aber es ist nicht Stählis Name, der erscheint, sondern der einer Serbin. Die höhere Anzahl Treffer gibt den Ausschlag. Stähli ist 61. Ein Treffer mehr, und die Baslerin wäre wie ihre Teamkolleginnen Tiffany Geroudet (Out im Achtelfinal) und Pauline Brunner (Out im Sechzehntelfinal) ins 64-Tableau vorgestossen.

Dreimal in die Verlängerung

«Laura hat gute Gefechte gezeigt», lobt sie Manfred Beckmann. Der Trainer der Fechtgesellschaft Basel war wie Stählis Eltern Catherine und Jürg extra nach Montreux gereist. «Sie hätte sogar mit drei Siegen ins Turnier starten können, dann wäre sie durch gewesen», so Beckmann weiter. Doch ausgerechnet dieses dritte Gefecht verlor Stähli gegen die Spanierin Alejandra Cisneros im Sudden Death mit 4:5.

Auch ihre beiden Siege feierte Stähli in der Verlängerung. «Natürlich überwiegt die Enttäuschung», sagte die 23-Jährige nach ihrem Wettkampf, «aber ich bin nicht der Typ, der in eine Ecke sitzt und heult oder vor Wut alles kurz und klein schlägt.» Emotionen seien da, Emotionen müssen auch da sein, aber am harten Verdikt könne sie nun auch nichts mehr ändern.

Dass es für die Studentin in Montreux eng würde, war von vornherein klar. Laut Setzliste war sie exakt die Nummer 58 des Turniers. Und genau dieser Rang hätte ihr bei ihrer dritten EM-Teilnahme gereicht, um die K.o-Phase zu erreichen. Am Ende der Qualifikation fehlte dieser eine Treffer.

Um 6.15 Uhr war sie aufgestanden, um den langen Tag in Angriff zu nehmen. An einer EM wird der ganze Wettkampf an einem Tag durchgezogen. Um 9 Uhr starteten die Gefechte. «Das ist vor allem mental anstrengend», sagt Stähli. Auch, weil es an einer EM im Gegensatz zu einer WM keine einfachen Gegnerinnen gibt. Beim Einfechten hatte sie gespürt, dass sie bereit sei.

Nächster Einsatz mit dem Team

Und alles in allem hat Stähli das gezeigt, was man von ihr erwarten durfte. Mit der Weltnummer 86 hat sie sogar eine deutlich besser klassierte Gegnerin geschlagen. Nun hat sie zwei Tage Pause, bevor es am Dienstag mit dem Team-Wettkampf weitergeht. Die Frauen-Nati liegt auf Rang 16 der Welt- und Rang 11 der Europarangliste.

Doch Zeit, um nun in Montreux ein bisschen die Sonne zu geniessen, hat Stähli nicht. Am Freitag warten an der Uni Basel zwei Biologie-Prüfungen auf die Studentin. Wenn sie nicht gerade am Fechten ist, dann ist sie am Lernen.