Fussball
Lieber beim FC Basel als beim FC Barcelona

Es ist wohl die aussergewöhnlichste Absage in der Schweizer Fussballgeschichte. Der FC Barcelona bemüht sich um einen talentierten Schweizer Fussballer – und bekommt einen Korb. Deni Kadoic rechtfertigt die Absage an «La Masia».

Etienne Wuillemin
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Nati-Captain Deni Kadoic setzt sich gegen zwei Gegenspieler durch.

Nati-Captain Deni Kadoic setzt sich gegen zwei Gegenspieler durch.

KEYSTONE

Die Geschichte beginnt im Trainingslager der U16 des FC Basel. Deni Kadoic und seine Kollegen fahren im Mai 2011 nach Barcelona, absolvieren unter anderem ein Trainingsspiel gegen die gleichaltrige Auswahl des FC Barcelona. In diesem Spiel beeindruckt Kadoic die katalonischen Verantwortlichen so sehr, dass er bald nach der Rückkehr in die Schweiz eine Einladung für ein Probetraining erhält.

Kadoic fährt wieder nach Barcelona, trainiert fünf Tage in der legendären Barça-Jugendakademie «La Masia». Er erinnert sich: «Es war sehr intensiv, dafür dauerten die Trainings nicht allzu lang. Der Fokus liegt auf dem Umgang mit dem Ball.» Kadoic wohnt während der Trainingstage im Jugendzentrum, ein Bus holt die Knaben jeweils ab, die Fahrt zum Trainingszentrum dauert gut zehn Minuten. Der damals soeben 15 Jahre jung gewordene Kadoic überzeugt Barcelona. Er könnte mit seiner Familie nach Spanien wechseln. Kadoic bespricht sich mit seiner Familie. Seine Eltern sagen: «Junge, es ist deine Entscheidung, wir stehen sowieso hinter dir.»

Die Entscheidung fällt ihm schwer. «Es ist schon ein spezielles Gefühl, wenn dich der FC Barcelona verpflichten will», sagt Kadoic, «da denkst du im ersten Moment einfach ‹wow!›». Trotzdem erteilt er den Katalanen eine Absage. Die bemerkenswert reife Begründung: «Ich war zu jung, ich fühlte mich wohl in Basel. Und da wo man sich wohl fühlt, spielt man am besten.» Auch im Rückblick bereut der defensive Mittelfeldspieler und Captain des U17-Nationalteams seine Entscheidung nicht. «Ich bin stolz, beim FC Basel geblieben zu sein.» Dann fügt er an: «Viele junge Spieler gehen früh ins Ausland – und scheitern.»

Knup hat Verständnis

Für Adrian Knup, Vize-Präsident des FC Basel, ist die Entscheidung von Kadoic ein gutes Zeichen für den Schweizer Fussball. «Häufig macht es mehr Sinn, die Karriere im gewohnten Umfeld voranzutreiben. Sich zuerst in der Super League etablieren und dann den nächsten Schritt in Angriff nehmen.» Gute Beispiele dafür gebe es viele, die jüngsten heissen Xherdan Shaqiri, Granit Xhaka oder Ricardo Rodriguez.

In der Slowakei beginnt heute die U17-EM. Heinz Moser, Trainer der Schweiz, sagt nicht ohne Stolz: «Es ist nur ein Legionär dabei – und das nicht darum, weil die Spieler nicht interessant wären für die ausländischen Vereine, sondern, weil sie sehen, dass die Klubs und der Verband in der Schweiz gute Arbeit liefern.» Das ändert aber auch nichts daran, dass viele Scouts in den kommenden EM-Spielen (das erste findet heute um 19.30 Uhr gegen Schweden statt, live auf Eurosport 2) auf die Leistungen der Schweizer achten werden. Captain Kadoic sagt nüchtern: «Ich spiele für mich, nicht für die Scouts. Wenn sie mich gut finden, dann freut mich das für sie.»

Es könnten trotzdem wegweisende Spiele für ihn und seine vier Klubkollegen vom FC Basel – Joao Abreu De Oliveira, Marko Drakul, Nicolas Hunziker und Robin Kamber – sein. Moser erinnert daran, dass erst jetzt «die zwei, drei wichtigsten Jahre auf dem Weg zur Profikarriere kommen». Kadoic jedenfalls freut sich auf die EM. «Wir sind in der Vorbereitung eine kleine Familie geworden.»