Riesengedränge am Start, schmale Passagen, rhythmusbrechende Richtungsänderungen, und das alles auf pickelhartem Asphalt - ideale Voraussetzungen für wohltuendes Joggen sind das nicht. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen vermag der Liestaler Stadtlauf alljährlich bei Aktiven und beim zahlreichen Publikum zu faszinieren.

So wars denn an diesem schwül-warmen Sommerabend für einmal vorbei mit der sonst so typischen Idylle in der schmucken Liestaler Altstadt. Diesmal hatten die Sportler das Sagen, und die waren nicht auf Einkaufsbummel; sondern rannten durchwegs auf schnellen Sohlen durchs Stedtli.

Protagonisten und Individualisten

Die jeweiligen Kategoriensieger waren zwar die gefeierten Protagonisten, ein solcher Volkslauf lebt aber von der grossen Masse mit all seinen Individualisten. Ein Solcher ist sicher Sepp Nussbaumer, ein Langstrecken-Oldie aus Lampenberg. Der 58-jährige Pöstler hat nämlich nebst dem Liestaler Heinz Dieffenbach als Einziger alle bisherigen 29 Liestaler Stadtläufe bestritten. «Ich nehms mittlerweile etwas gemütlicher, bin aber nächstes Jahr sicher wieder dabei», so Nussbaumer.

Erstmalig dabei war Jan Carnot aus Arisdorf. Der 4-jährige Sohn von OK-Chef Bruno Carnot hat in seiner Kategorie zwar noch keine grossen Stricke zerrissen, im Ziel sagte der Knirps aber ganz keck: «Ich werde bald einmal gewinnen».

Für 80 Aspiranten der Zollschule Liestal gings indes nicht ums gewinnen. Die angehenden Grenzwächter wurden von ihrem Kommandanten im Rahmen des obligatorischen Sportunterrichts zur Teilnahme «verknurrt» - man nahm's locker.

Berhane Oqubit doppelt nach

Immer wieder ein farbenfrohes Bild ist, wenn die Jüngsten voller Eifer losrennen - man will dem mitfiebernden Mami und Papi ja etwas zeigen.

Die Musik machten aber die Topathleten über 5,2 km. Da setzte der Deutsche Jan Förster seine Siegesserie fort und gewann zum fünften Mal in Folge, während bei den Frauen die Vorjahreszweite Magdalena Mäder aus Tenniken erneut triumphierte.

Auf der 12 km-Aussenstrecke wiederholte der Eritreer Berhane Oqubit seinen Vorjahressieg und distanzierte den in Münchenstein wohnhaften Australischen Marathonläufer Clint Perret in der Rekordzeit von 39:26 um über einer Minute. Renate Wyss aus Münchenstein war in 48.45 die schnellste Frau.