Abenteuer
Lietsch-City-Präsident Wahl: «Eigentlich könnte man den Verein jetzt auflösen»

Die 4.-Ligisten von Lietsch City trugen zwei Länderspiele gegen die Britischen Jungferninseln aus. Auf eine 0:3-Niederlage im Hinspiel folgte ein 1:0-Sieg. Die 28 Hobby-Kicker haben unglaubliche Geschichten auf der Karibik-Insel erlebt.

Céline Feller
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Unvergessliche Momente für Lietsch City in der Karibik.

Unvergessliche Momente für Lietsch City in der Karibik.

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Autogrammwünsche erfüllen, Plakate mit dem vereinseigenen Namen an jeder zweiten Strassenecke und Menschen, die anhalten, nur um «good luck» für die Partie am Abend zu wünschen. Dies sind alles Gegebenheiten, die für einen Profifussballer Alltag sind.

Nicht so für die Hobbykicker von Lietsch City. «Mit all diesen Dingen haben sie uns das Gefühl gegeben, Profis zu sein, und das, obwohl wir bloss 4.-Ligisten sind», sagt Lietsch-Präsident Simon Wahl und erklärt, «für die Insel-Bewohner sind alle Fussballer aus Europa automatisch Profis».

Am 28. Juli ging das Abenteuer «Britische Jungferninseln» (kurz BVI) los. 28 Spieler bestiegen den Flieger Richtung Karibik, um dort die zwölf wohl unvergesslichsten, beeindruckendsten Tage überhaupt zu erleben. «Es war ein Fussball-Traum, aus dem man nie wieder aufwachen will», schwärmt Wahl.

Die Jungs haben auf der hierarchisch-strukturierten Insel viel über eine andere Kultur gelernt. Geduld müsse man haben. «Man weiss, dass alles klappt, nur nicht, wann es klappt», schmunzelt Wahl.

So geschehen beim Hinspiel der Lietscher gegen die BVI. Das Spiel war auf 18.00 Uhr angesetzt, angepfiffen wurde jedoch erst um 20.15 Uhr. In der Karibik nimmt man es eben nicht so genau mit der Zeit.

Dieses erste Spiel, welches 90 Minuten lang von Reggae-Musik und einem Live-Speaker begleitet wurde, haben sie noch 0:3 verloren. Im Rückspiel erfüllten sich die Spass-Fussballer einen Traum.

Ein Tor wollten sie erzielen, um einmal auf der Karibik jubeln zu können. «Dass dieses eine Tor dann gleich zum Sieg reichte, ist einfach genial», freut sich der Präsident.

Der Strippenzieher selber kann sich jedoch an die wichtigsten zehn Minuten des Spiels seines Lebens nicht mehr erinnern. In einem Zweikampf wurde er ausgeknockt und wachte in der 90. Minute wieder auf, als alle am Jubeln waren. «Ich hatte keine Ahnung, was passiert war», erzählt er und fügt schmunzelnd an, «zum Glück wurde die ganze zweite Partie vom ortsansässigen TV übertragen. Vielleicht kann ich mich ja daran erinnern, wenn ich es mir ansehe.»

Schweizweite Medienpräsenz

Auch die Schweizer Medien zeigten sich begeistert: sämtliche regionale und nationale Medien griffen den Hype auf. Wahl selbst hätte nie damit gerechnet, dass das Ganze so hohe Wellen schlagen würde.

Aber nicht nur die Medien, auch sein ganzes Umfeld war elektrisiert vom Traum-Projekt. Wahl: «Am Freitag musste ich ein paar Besorgungen machen. Ich brauchte sechs Stunden. Ich traf die ganze Zeit Leute an, die darauf brannten, meine Geschichten zu hören.»

Es war nie das Ziel, dass das Ganze solche Ausmasse annimmt. «Ich wollte einfach nur Spass mit meinen Freunden haben, und das ist mir gelungen».

Einen einzigen kleinen Nebeneffekt erhofft er sich aber doch: «Wir haben noch keinen Trainer für die kommende Saison. Vielleicht fühlt sich jemand von dieser Aktion angesprochen», sagt Wahl grinsend. Und schliesst mit den Worten ab, «eigentlich könnte man den Verein jetzt auflösen, denn besser geht es gar nicht mehr».