Amateur Fussball
Liga kann nicht gewertet werden: So plant der FVNWS für die Zeit nach Corona

Nach einer Vorstandssitzung hat sich der Fussballverband Nordwestschweiz mit einem offenen Brief detailliert zu Wort gemeldet. Die Saison soll nicht gewertet, der Cup aber noch durchgeführt werden. Dazu fehlt Geld, weil die Einnahmen aus einer auf den ersten Blick kuriosen Quelle fehlen.

Jakob Weber
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2019 kämpften Concordia Basel und der FC Pratteln im Basler Cupfinal um den Titel. Dieser soll trotz Corona-Krise auch 2020 vergeben werden.

2019 kämpften Concordia Basel und der FC Pratteln im Basler Cupfinal um den Titel. Dieser soll trotz Corona-Krise auch 2020 vergeben werden.

Edgar Hänggi

102 Vereine sind aktuell Mitglied des Fussballverbands Nordwestschweiz (FVNWS). Durch die Schliessung der Sportstätten und das Versammlungsverbot können derzeit wegen dem Corona-Virus keine Spiele und auch keine Trainings stattfinden. Der Vorstand des FVNWS hat sich am Donnerstag via Skype-Konferenz zusammengefunden und mit der aktuellen Lage befasst. Das Ergebnis ist ein offener Brief, in dem sich die Verantwortlichen ausführlich und detailliert zu möglichen Szenarien äussern. Die bz fasst die wichtigsten Inhalte des Briefes zusammen.

1. Die Gesundheit geht vor

In der Einleitung des offenen Briefes des FVNWS heisst es: «Die Gesundheit ist das wichtigste Gut des Menschen – auch deshalb ist es unerlässlich, dass wir uns in dieser ausserordentlichen Situation entsprechend verhalten, um Risikogruppen, aber auch unser unmittelbares Umfeld nicht zu gefährden. Dies natürlich ganz allgemein im Leben, aber auch innerhalb unserer Fussballfamilie. Jetzt ist die Zeit, in der wir die oft zitierte Solidarität wirklich leben können, zusammenstehen und gemeinsam die Herausforderungen bewältigen, die sich uns stellen.»

2. Es soll 2020 keine Auf- und Absteiger geben

Der Vorstand des FVNWS kommt in seiner Sitzung zum Schluss, dass die Saison nicht gewertet werden soll. Das gilt für die regionale 2. Liga bis zu den regionalen 5. Ligen. Der Verband scheibt: «Der FVNWS geht davon aus, dass ein regulärer und vollständiger Abschluss der Saison 19/20 nicht möglich sein wird. Alle anderen Formen eines reduzierten Spielbetriebs bleiben zwar noch möglich, garantieren aber in keinem Fall sportlich vertretbare Auf- oder Abstiegsentscheidungen. Wir müssen deshalb aus heutiger Perspektive davon ausgehen, dass die Meisterschaft der Saison 19/20 nicht gewertet werden kann und der Spielbetrieb der Vorrunde mit den jeweiligen Abschlusstabellen einzig dahingehend zugezogen würde, falls frei werdende Plätze (Rückzüge, Nichtmeldung für die Saison 20/21) in einer Liga aufgefüllt werden müssten.»

Die Gründe für diesen Entscheid liegen auf der Hand. Der Spielbetrieb ist offiziell von Seiten des Schweizerischen Fussballverbands und des Fussballverbands Nordwestschweiz bis zum 30. April 2020 ausgesetzt. Aufgrund der bundesweiten Notlage bis zum 19. April und der Notlage im Kanton Baselland bis zum 30. April dürfen in dieser Zeit keinerlei Trainings- und Vereinsaktivitäten stattfinden.
Abgesehen von den noch nicht bekannten Regelungen und Massnahmen des Bundes und der Kantone in Sachen Corona-Virus über den 30. April hinaus, ist schon heute klar, dass es organisatorisch und logistisch nicht möglich sein wird, den gesamten bisherigen Ausfall des Spielbetriebs der Frühjahrsrunde Saison 19/20 nachzuholen. Ein solches Szenario würde den sofortigen Start des Spielbetriebs Anfang Mai und ein enormes Pensum an Spielen in der kurzen Zeit bis zu den Sommerferien erfordern, was den Vereinen und der Sportinfrastruktur in der Region aus Sicht des FVNWS nicht zuzumuten ist.

3. Der Basler Cup soll fertig gespielt werden

Innerhalb des FVNWS bleibt die Hoffnung, dass zumindest die noch nicht ausgetragenen Viertel-, Halb- und Finalspiele des Nepple Basler Cups noch wettbewerbsmässig durchgeführt werden können. Auch diese Entscheidung hängt jedoch von den behördlichen Massnahmen und Einschränkungen nach dem 30. April ab. Sollten diese eine Wiederzulassung von Trainings- und Spielbetrieb ermöglichen, macht sich der FVNWS nach eigener Aussage auch Gedanken über die Möglichkeit einer organisierten Mini-Spielrunde in den einzelnen Ligen. Diese soll aber ausser Konkurrenz stattfinden.

4. Fehlende Bussen sorgen für ein Finanzloch

165'000 Franken nimmt der FVNWS pro Halbjahr durch Bussen an Spieler, Trainer und Schiedsrichter ein. Durch den Wegfall der Spiele fehlen auch die Bussen und dem Verband damit das budgetierte Geld. Ein geringerer Teil kann laut FVNWS durch die temporäre Schliessung der Geschäftsstelle und die beantragte Kurzarbeit kompensiert werden.

Der Verband empfiehlt den Vereinen, welche sozialleistungspflichtiges Personal beschäftigen, ebenfalls beim jeweiligen Kanton Kurzarbeit zu beantragen. Noch nicht bekannt ist, wie die Sportverbände und -vereine konkret aus dem vom Bund bereitgestellten Hilfsfonds von 50 Millionen Franken entschädigt werden können. So viel Geld hat der Bundesrat dem gesamten Schweizer Breitensport in Aussicht gestellt.