Sportliche Grossanlässe sind für Livio Wenger nichts Neues. Auf den Inlineskates hat der Athlet des RSC Liestal in den vergangenen Jahren mehrere Medaillen an Welt- und Europameisterschaften abgestaubt.

Trotzdem ist das kommende Wochenende für den 20-Jährigen ein ganz Spezielles. An den Eisschnelllauf-Europameisterschaften der Allrounder in Hamar wird er erstmals auf Kufen an einem Grossanlass auflaufen. Bereits Anfang Woche ist Wenger deshalb nach Norwegen gereist, um sich vor Ort vorzubereiten. Er freut sich enorm auf seine Starts über 500, 1500 und 5000 Meter.

Wenger hat einen rasanten Aufstieg hinter sich: Erst im Jahr 2012 trainierte er erstmals auf dem Eis. Zuvor war der Innerschweizer erfolgreich auf den Inlineskates für den RSC Liestal unterwegs. Mittlerweile liegt sein Fokus aber ganz auf dem Wintersport Eisschnelllauf. Für die Inlinesaison in der warmen Jahreszeit pickt er sich nur noch Highlights wie die Europameisterschaften im kommenden Juli heraus.

Seit Oktober des vergangenen Jahres lebt und trainiert Wenger in der Kia Speed Skate Academy im deutschen Inzell. Dort kann er sich voll und ganz auf den Eisschnelllauf konzentrieren. Finanziert wird die Academy durch die Unterstützung von Swiss Olympic, dem Kanton Luzern und Wengers Sponsoren.

Nur so ist es für ihn überhaupt möglich, ein Leben als Profi zu führen. Dass er dafür sein Elternhaus in Schenkon LU verlassen hat, bereut der 20-Jährige nicht. Den Entscheid begünstigt hat die aktuell beste Schweizer Eisschnellläuferin Kaitlyn McGregor, die ebenfalls in Inzell trainiert. «Sie hat mir viel dabei geholfen, mich hier einzuleben», sagt er.

Team-Feeling im Einzelsport

Das Leben im Team mit den anderen Läuferinnen und Läufern behagt Wenger. Trotz des Einzelsports herrsche in der Academy ein guter Teamgeist. «Alle haben sich gefreut, als ich die Weltcup-Limite geschafft habe und damit meine EM-Teilnahme klar war», sagt der 20-Jährige.

Obwohl Wenger bereits seit längerer Zeit mit seiner Teilnahme an der EM gerechnet hat, ist es alles andere als selbstverständlich, dass er nun überhaupt dabei sein kann.

Nach einer Adduktorenverletzung geriet sein Trainingsplan im Laufe des Jahres 2012 ins Hintertreffen. Im Sommer absolvierte Wenger zudem seine Lehrabschlussprüfungen. Das alles führte dazu, dass es ihm im vergangenen Herbst nicht nach Wunsch lief. «Erst vor drei Wochen ist bei mir der Knopf aufgegangen», sagt Wenger.

EM-Qualifikation auf den letzten Drücker

Bei den Schweizermeisterschaften in Innsbruck holte er sich den Titel über 1500 Meter und wurde über 5000 Meter Zweiter. Dank des Schweizermeistertitels hatte er sich eigentlich für die EM qualifiziert. Weil ihm zu diesem Zeitpunkt aber noch die Weltcup-Limite fehlte, wäre er trotzdem nicht startberechtigt gewesen.

Erst auf den allerletzten Drücker unterbot Wenger schliesslich Ende Dezember in Inzell die Weltcup-Limite über 5000 Meter. «Ich habe die letzte Chance nutzen können, das ist wunderbar», sagt er.

An den EM-Rennen vom Wochenende stehen für Wenger nicht die Ergebnisse im Vordergrund: «Ich will die EM-Rennen geniessen und mein Bestes geben.» Er wolle in Hamar vor allem Erfahrungen sammeln, um für künftige Grossanlässe gewappnet zu sein. «Dort will ich dann auch um konkrete Platzierungen fahren», sagt er. So will er dann bereit sein, wenn er sich seinen Traum erfüllen kann: die Qualifikation für die Olympischen Winterspiele 2018 und 2022.