Expect the unexpected.» Erwarte das Unerwartete. Diesen Satz schreibt Manuel Akanji unter das Foto, das er am Tag nach dem Spiel auf Instagram lädt. Es zeigt ihn und Michael Lang beim Jubeln. 

Der FC Basel hat gegen den FC St. Gallen soeben sein drittes Tor erzielt. Und Akanji sein zweites des Tages. Als Innenverteidiger. Der erst vor knapp zwei Monaten sein Comeback nach einjähriger Verletzungspause hat feiern können. «Die Kollegen haben es alle kaum glauben können. Denn ich bin eigentlich nicht der, der unheimlich viele Tore schiesst.» Und dann gleich einen Doppelpack zu erzielen, «das habe ich zuletzt wohl bei den D-Junioren geschafft», sagt er und lacht.

Die beiden Tore lassen sein Torkonto seit seiner Ankunft beim FCB bereits auf drei ansteigen. In der ganzen Zeit vor seinem Wechsel zu den Baslern hatte er gerade einmal eines erzielt. Bei seinem früheren Verein, dem FC Winterthur, wie sich Akanji erinnert. Getroffen hatte er dort in der Nachspielzeit gegen Chiasso, als ihn der Trainer nach vorne geschickt hatte. «Es kam ein hoher Ball und den habe ich aus 20 Metern volley genommen. Ich habe gedacht, ich riskiere es einfach. An einem guten Tag klappt das dann und der Ball geht rein.»

Und solche guten Tage hatte er zuletzt viele. Mit unglaublich starken Auftritten, seiner feinen Technik, seiner Schnelligkeit, um die ihn sogar Offensivspieler des FCB beneiden, seiner Übersicht und Abgeklärtheit hat er sich in die Stammelf gekämpft. Natürlich kommt ihm zugute, dass Eder Balanta momentan Rückenbeschwerden hat. Aber in dieser Verfassung wäre Akanji wohl auch sonst die Nummer zwei in der Innenverteidigung neben Marek Suchy. 

«Ich habe gewusst, was ich kann»

Dass er nach seinem Kreuzbandriss so zurückkommen und innert kürzester Zeit zum Mann der Stunde avancieren würde, das durfte niemand erwarten. Im Verein machte niemand Druck auf ihn. Geglaubt haben sie aber immer an seine Qualitäten. Alle. Am meisten er selber. Deshalb sei er auch nicht überrascht, wie es momentan laufe. «Ich habe auch vor meiner Verletzung ein paar gute Leistungen zeigen können und habe gewusst, was ich kann.» Selbstvertrauen ist beim erst 21-Jährigen alles andere als Mangelware. Das zeigen seine Worte, seine Auftritte auf dem Platz und jene mit breiter Brust in der Interview-Zone. Nicht nur dann, wenn er eben zwei Tore erzielt hat.

Manuel Akanji konnte in letzte Zeit häufiger jubeln.

Manuel Akanji konnte in letzte Zeit häufiger jubeln.

Wer nun aber glaubt, dass es für Akanji kaum mehr besser laufen könnte, der irrt. Obwohl ihm momentan schlicht alles gelingt, was er tut – offensiv wie defensiv –, verspricht er: «Es gibt immer Luft nach oben.» Schliesslich gehe es nicht nur um Tore. «Ich kann auch gut verteidigen und so ein gutes Spiel machen. Es geht auch darum, der Mannschaft zu helfen.» Diese konnte zuletzt dreimal zu null spielen. Eine Serie, die «hoffentlich so weitergeht».

Und wie geht es für Akanji weiter? Zuerst einmal mit der Rückkehr auf die Schützenwiese, zum Cup-Halbfinal gegen seinen Stammverein FC Winterthur. Ein Spiel, auf das er sich einfach nur freue. Und längerfristig? «Ich will mich auch nächste Woche und übernächste Woche weiter verbessern und dann schauen wir, wo es hinführt.» Das Ziel von Akanji ist klar: die Premier League. Davon träumt er schon lange. Und sollte er es eines Tages auf die Insel schaffen, käme das alles andere als unerwartet.