FC Basel
Manuel Akanji: Pendeln zwischen Fussballplatz und Autogarage

Manuel Akanji schnuppert am Stammplatzin der Innenverteidigung. Nebenher arbeitet er im Büro einer Autogarage, um seine Berufslehre abzuschliessen.

Sebastian Wendel aus Lissabon
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Manuel Akanji steht beim FC Basel vor dem Durchbruch.

Manuel Akanji steht beim FC Basel vor dem Durchbruch.

KEYSTONE

Schon wieder? Hat Manuel Akanji schon wieder seinen Pass zu Hause vergessen? Im August, als der FC Basel nach Tel Aviv reiste, verpasste er aus diesem Grund um ein Haar den Abflug. Gestern ist es wieder der 20-Jährige, der als Letzter am Gate eintrifft. Der Grund dieses Mal: Akanji erhielt von einem Betreuer einige Instruktionen, bevor er sich den wartenden Journalisten stellte.

Ob das Malheur mit dem Pass oder der Interview-Crashkurs – beide Episoden verdeutlichen, dass die grosse, glitzernde FCB-Welt für Manuel Akanji Neuland ist. Und trotzdem ist der Winterthurer beim FCB so etwas wie der Mann der Stunde.

Fussballer und Bürolehrling

Akanji wer? Wieder einmal hat die Scouting-Abteilung des FCB alle verblüfft, als im Frühling die Verpflichtung des Innenverteidigers bekannt gegeben wurde. Schliesslich lag hinter Akanji erst eine Saison als Stammspieler in der Challenge League beim FC Winterthur. «Ehrlich gesagt, war ich selber überrascht vom FCB-Interesse», sagt er.

Weil Akanji und seine Eltern – die Mutter Oberwinterthurerin, der Vater Nigerianer – darauf bestanden, dass er trotz Vertragsunterzeichnung beim FCB die Berufslehre abschliesst, arbeitet er an einigen Tagen in der Woche im Büro einer Autogarage.

Doppelbelastung kein Problem

«Kein Problem», wischt er die Frage nach der Doppelbelastung weg. Schliesslich lasse ihm der Fussball genügend Zeit, daneben anderen Dingen nachzugehen. Neben Lehre und Fussball verbringt Akanji viel Zeit mit seinem Mitbewohner, der ihn aus Winterthur nach Basel begleitet hat.

Schüchtern, aber trotzdem cool. Leicht lethargisch, aber trotzdem fokussiert. Akanji vereint viele Charakterzüge – auch den des Ungeduldigen. Als er in der ersten Saisonphase ohne Einsatz blieb, muckte er intern auf. Es brauchte ein klärendes Gespräch mit Trainer Urs Fischer, um die Rolle des Fussball-Lehrlings wieder klaglos einzunehmen.

Die Chance, seine Qualitäten in der Meisterschaft zu präsentieren, sie kam am 18. Oktober in Sion. Kurz nach Anpfiff kam Akanji für den verletzten Walter Samuel ins Spiel. Auch beim nächsten Teileinsatz gegen YB überzeugte der U21-Nationalspieler. Weniger hingegen am vergangenen Wochenende in Vaduz, wo er das 0:1 mitverschuldete.

Den Grund ortet Trainer Fischer beim Fakt, dass Akanji erstmals in der Super League von Anfang an spielte. «Man macht sich automatisch mehr Gedanken und verliert die Unbekümmertheit.» Ob er deswegen gegen Belenenses für dem wiedergenesenen Daniel Hoegh weichen muss oder zu seinem Europacup-Debüt kommt, wissen wir heute Abend.

Akanji auf den Spuren von Schär

So oder so: Akanjis Weg erinnert an jenen von Fabian Schär: Auch der stiess aus der Challenge League (Wil) zum FCB und reifte nach wenigen Monaten zur Stammkraft. Mittlerweile ist Schär auch in der Schweizer Nationalmannschaft gesetzt und ausgestattet mit einem Bundesliga-Vertrag (Hoffenheim). «Ich habe davon gelesen, dass ich an ihn erinnere. Aber Schritt für Schritt», sagt Akanji und lächelt, bevor er als Letzter ins Flugzeug hastet.

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