Rollstuhlsport
Marcel Hug fährt in Pratteln zu sieben Meistertiteln

Der 27-Jährige Osterschweizer entschied jedes Rennen, an dem er startete, für sich. Bei den Frauen war die Dagmersellerin Edith Wolf-Hunkeler nicht zu stoppen und holte fünf Medaillen.

Willi Wenger
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Eine Klasse für sich: Marcel Hug (2.v.r.) sah die Rennen in den Sandgruben vor allem als Standortbestimmung. Willi Wenger

Eine Klasse für sich: Marcel Hug (2.v.r.) sah die Rennen in den Sandgruben vor allem als Standortbestimmung. Willi Wenger

Im Feld der über hundert internationalen Athleten setzte die Engländerin Hannah Cockroft den Glanzpunkt, indem sie ihren eigenen Weltrekord über hundert Meter in der Klasse T34 um sechs Hundertstel auf 17.54 Sekunden senkte. Diese Weltbestmarke ist sensationell, zumal die Temperatur von lediglich zehn Grad und vor allem der störende Wind im Stadion Sandgruben den Teilnehmern zusetzte.

Dennoch: Ein Sportler stach seitens der Schweizer Athleten alle aus: Marcel Hug. Er bezeichnete seine sieben Goldmedaillen zwar als schön, sagte aber gleichzeitig, dass es ihm primär nicht darum gegangen sei, Titel zu gewinnen. «Ich habe mich in erster Linie an der internationalen Gegnerschaft messen können. Dies war mein Ziel». Hug sagte auch, dass er gesehen habe, dass er mit der Weltelite mithalten kann. «Das ist für mich ein ganz gutes Zeichen».

Von den Schweizer Frauen war es erwartungsgemäss die 41-jährige Dagmersellerin Edith Wolf-Hunkeler, welche die Konkurrenz ausstach. Sie war mit drei Gold- und zwei Silbermedaillen (fast) nicht zu schlagen. Nur die ausländische Konkurrenz erschwerte ihr das Leben. So im 1500-Meter-Rennen, welches sie zu schnell anging und am Schluss ihrem Tribut Rechnung zollen musste. Zufrieden war sie aber allemal.

Positiv äusserte sich auch die Baslerin Andrea von Büren. Die 21-jährige Kauffrau kommentierte ihre Rennen so, dass diese «gut gegangen» seien. «Vom Gefühl her bin sich sehr zufrieden und auch der Technikbereich hat meinen Erwartungen entsprechend funktioniert. Mehr durfte ich nicht erwarten, die Platzierungen waren für mich zweitrangig». Von Büren ist nach einer Pause im vergangenen Jahr zurzeit im Aufbautraining, um sich so der internationalen Spitze (wieder) anzunähern. «Pratteln war in diesem Sinne eine Standortbestimmung, wo ich neue Erfahrungen sammeln konnte, auch im Hinblick auf mein grosses Ziel, die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro in drei Jahren».

In Pratteln wurden nicht nur SM-Titel, sondern auch Quotenplätze für die Weltmeisterschaften herausgefahren. Es erstaunte deshalb nicht, dass viele internationale Fahrer den Weg ins Baselbiet fanden. Beispielsweise Olympiasieger und Weltrekordler Thomas Geierspichler aus Österreich. «Pratteln ist für mich eine Pflichtveranstaltung, umso mehr weil die hiesige Bahn zu den schnellsten der Welt gehört». Der Salzburger sagte zudem, dass es ihn zudem immer wieder sehr beeindrucke, wie super die Schweizer OK’s solche Wettkämpfe organisieren.