Tennis
Marco Chiudinelli will mit dem Schweizer Davis-Cup-Team erstklassig bleiben

Am Wochenende ist der 32-jährige Basler, hinter Stanislas Wawrinka, die nominelle Nummer zwei in der Mannschaft. Obwohl Chiudinelli vor der Qualifikation zum US Open den Fuss übertreten hat, möchte er gegen Ecuador an seine beste Form anknüpfen.

Michael Wehrle
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Rekordmänner: Marco Chiudinelli und Stan Wawrinka (rechts). key

Rekordmänner: Marco Chiudinelli und Stan Wawrinka (rechts). key

KEYSTONE

Gegen Ecuador kämpft das Schweizer Davis-Cup-Team in Neuenburg am Wochenende um den Klassenerhalt in der Weltgruppe der besten 16 Teams. Zwar fehlt der Baselbieter Tennis-Star Roger Federer, doch mit Marco Chiudinelli ist ein Basler die nominelle Nummer zwei in der Mannschaft, hinter Stanislas Wawrinka. Auf Platz 164 der Weltrangliste liegt Chiudinelli im Moment, doch klar vor der 295, Julio Cesar Campozano, der Nummer eins Ecuadors.

Wie und wann Chiudinelli zum Einsatz kommt, ist noch offen. «Viel hängt natürlich davon ab, wie sich Wawrinka nach den Strapazen beim US Open fühlt», sagt Captain Severin Lüthi. Am Mittwoch wird der Romand erstmals in der Eishalle von Neuenburg trainieren. «Normalerweise legen wir am Mittwochabend fest, wie wir am Freitag spielen», sagt Chiudinelli. Noch suchten aber alle Schweizer, neben Chiudinelli und Wawrinka noch Henri Laaksonen, Michael Lammer sowie Adrien Bossel ihr Spiel auf dem Hartplatz.

Grundsätzlich fühle er sich körperlich bereit für drei Matches. «Ob ich im dritten Match aber noch eine hundertprozentige Leistung abrufen kann, das ist doch eher fraglich», gibt Chiudinelli offen zu. Zu Beginn des Jahres gegen Tschechien hatte Chiudinelli am Freitag pausiert. «Das war eigentlich nicht schlecht», erinnert er sich. Laaksonen habe den Favoriten Tomas Berdych damals ordentlich gefordert. Tags darauf unterlagen dann Wawrinka/Chiudinelli im legendären Doppel, dem längsten Match der Tennisgeschichte, nach mehr als sieben Stunden und einer Minute den Tschechen. «Inzwischen habe ich diese Niederlage verdaut, falle nicht mehr in ein Loch, wenn ich daran denke», sagt Chiudinelli. Allerdings habe ihn dieses aussergewöhnliche Match, doch noch lange Zeit beschäftigt.

32 Jahre alt wurde Chiudinelli am Dienstag. «Zum Feiern ist es aber schon zu spät», sagt er lächelnd. Hätte er drei Tage vorher Geburtstag gehabt, dann hätten er und seine Kollegen sich schon das eine oder andere Glas gegönnt. Doch so gilt nun die ganze Konzentration dem Tennis, mit Ausnahme des Fussball-Länderspiels der Schweizer gegen Norwegen gestern Abend. Den Geburtstag möchte er natürlich spätestens am Sonntag mit dem Klassenerhalt feiern.

Chiudinelli hat ein durchzogenes Jahr hinter sich. «Mit dem Körper hatte ich eigentlich keine Probleme», sagt er. Doch im April habe ihn sein Trainer Amos Mansdorf aus persönlichen Gründen verlassen. Seither sei er wieder alleine unterwegs, am Anfang habe er sehr schlecht gespielt. Im Juli spielte er sich dann auf der Challenger-Tour dank einer günstigen Auslosung, so Chiudinelli, bei einem Turnier in der Türkei in den Halbfinal, seither geht es wieder aufwärts. «Leider habe ich mir aber drei Tage vor der Qualifikation zum US Open den Fuss übertreten, ich musste an Krücken laufen und schluckte Schmerzmittel», blickt der Basler zurück. Er sei froh gewesen, überhaupt spielen zu können. Doch der Amerikaner Wayne Odesnik war zu stark. «Es gibt aber keine Garantie, dass ich im Vollbesitz meiner Kräfte gewonnen hätte, allerdings war ich zuvor so richtig gut drauf», sagt er.

Nun hofft er, dass er gegen Ecuador wieder an seine beste Form anknüpfen kann und geniesst wie immer die Woche im Kreis der Kollegen. «Schön, können wir zu Hause spielen», erklärt er. Auch wenn er die Abenteuer von Auslandsreisen schätze, sei er froh, gegen einen solchen Gegner im gewohnten Umfeld antreten zu können: «Das kann sonst sehr beschwerlich werden, wenn sie uns plötzlich auf 3000 Metern und einem holprigen Sandplatz fordern.»

Zumal er rein spielerisch noch nicht genau wisse, was ihn erwarte. «Ich kenne die Gegner nicht, schaue mir sie aber gerne vorher an, damit ich einen Plan habe», gibt er zu. Im Training wolle er sich deshalb ein Bild von den Südamerikanern machen: «Sonst kommst du auf den Platz und einer prügelt plötzlich los oder spielt fünf Meter übers Netz.» Und ein unscharfes Youtube-Filmchen eines Hobbyfilmers nur von Platzhälfte auch noch auf Sand, das bringe ihn nicht viel weiter.