Abgang
Marco Streller – auch in der Niederlage ein Grosser

Der Cupfinal gegen Sion war die letzte Partie in Marco Strellers Karriere. Die FCB-Ikone tritt damit mit einer Enttäuschung von der Fussballbühne ab.

Sebastian Wendel
Drucken
Teilen
Die letzte Auswechslung als Profi: Marco Streller verlässt den Platz.

Die letzte Auswechslung als Profi: Marco Streller verlässt den Platz.

KEYSTONE

Marco Streller hat in den vergangenen Wochen viele Abschiedsgeschenke erhalten: Von Roger Federer gabs eine Einladung an das Turnier in Wimbledon, Valentin Stocker übergab dem bekennenden Hypochonder Streller eine Notfallapotheke, Benjamin Huggel einen Partyhut. Sion-Trainer Didier Tholot wollte sich da nicht lumpen lassen und überlegte sich ebenfalls etwas ganz Besonderes für Strellers letztes Spiel: 197 cm gross. 92 Kilo schwer. Typ Knochenbrecher statt Zaubermaus. Léo Lacroix ist nicht das, was sich ein Stürmer unter einem angenehmen Gegenspieler vorstellt.

Aber dass der 23-Jährige Strellers letzter direkter Gegenspieler war, passte auch irgendwie: In 15 Profijahren rieb sich Marco Streller an so manchem Innenverteidiger auf. Die schönsten Duelle, sagt er mit Blick zurück, seien jene gegen die bösen Buben der Szene, gegen die Pepes, Ramos oder Dingsdags gewesen. «Sie sind unglaublich hart, aber auch immer fair.»

Schwache Basler Teamleistung

Das sagte Streller gestern auch über Lacroix: «Er hat einen super Match gemacht und mich aus dem Spiel genommen.» Streller zeigte Grösse nach einer Partie, in der man phasenweise Angst haben musste, dass er nach 15 Profijahren doch noch mit einer roten Karte vom Platz gestellt wird. Lacroix riss an Strellers Trikot, stand ihm auf den Fuss, trat ihm in die Waden und haute ihm – wohl unabsichtlich – den Ellbogen ins Gesicht.

Letzteres geschah in der 34. Minute und direkt vor der Walliser Fankurve: Es ist dies der Moment, in der die Situation zu eskalieren droht. Streller wird beim Verlassen des Feldes mit Wurfgeschossen eingedeckt, er selber wettert in Richtung der Sion-Ersatzbank. Es ist Streller hoch anzurechnen, dass er – nachdem er sich das Gesicht mit Wasser gekühlt hat – von sich aus auf Sion-Trainer Tholot zugeht und ihn umarmt.

Nicht nur Streller sah in diesem Cupfinal kein Land – genauso ging es jedem einzelnen seiner Mitspieler. Erschreckend leblos trat der FCB gegen diese bis in die Haarspitzen motivierten Walliser auf. Es gab von Anfang bis Ende keine Minute, in der man Basel als die spielbestimmende Mannschaft bezeichnen konnte.

Mehr Willen bei Sion

Warum das so ist, liegt auf der Hand: Die Spieler schafften es nicht, nach dem frühzeitigen Gewinn des Meistertitels und den folgenden drei Kehrauspartien wieder in den Wettkampfmodus zu kommen. Dass es so gekommen ist, ahnte man bereits im Vorfeld: Während FCB-Trainer Paulo Sousa betonte, es gebe keinen Grund, sich anders als sonst vorzubereiten, unternahm Sion mit dem Kurztrainingslager im Aargau und anderen Tricks alles, um am Tag X bereit zu sein.

So wie der FCB gestern auftrat, gewinnt er vielleicht ein x-beliebiges Super-League-Spiel – aber nicht einen Cupfinal. Und dass 20’000 rot-weiss gekleidete Fans den St. Jakob-Park in eine Walliser Festhütte verwandelten, schmälerte die Siegchancen für den FCB zusätzlich. «Die Walliser Fans, die Spieler, alle wollten den Sieg mehr als wir», gestand Präsident Bernhard Heusler.

Dass seine Mannschaft nun bereits zum dritten Mal in Serie den Cupfinal verloren hat, ist für Heusler kein Drama, sondern irgendwie auch logisch: «Es ist sehr schwer, die Maschine wieder hochzufahren, wenn man das Hauptziel (die Meisterschaft; d. Red.) bereits erreicht hat.»

Neue Gerüchte um Paulo Sousa

Als Marco Streller nach 74 Minuten den Platz verlässt, geht dies angesichts der Wahnsinnsshow der Walliser fast ein wenig unter. Auch Streller ist sich in diesem Moment nicht bewusst, dass es dies nun endgültig gewesen ist, der letzte Vorhang fällt. «Der Frust, dass wir einfach keine Chance hatten, überwiegt. Ich wollte diesen Sieg zum Schluss unbedingt.»

Die Enttäuschung darüber, das letzte Spiel der Karriere verloren zu haben, wich wohl schon beim Anstossen mit Familie und Freunden der Freude und dem Stolz über die vergangenen 15 Jahre. Und Streller sagte dann auch noch: «Eine schönere Kulisse für ein letztes Spiel hätte ich mir nicht wünschen können.»

Und Paulo Sousa? Der fühlte sich einerseits geehrt, dass er der letzte Trainer eines so grossartigen Spielers wie Streller sein durfte. Andererseits musste auch er die verdiente Niederlage eingestehen und fügte an: «Wenn wir das nächste Mal in einem Final sind, müssen wir es besser machen.» Ob der Portugiese dann noch FCB-Trainer sein wird? Während des Cupfinals tauchten neue Gerüchte aus Italien auf, Sousa sei Topkandidat bei Fiorentina. Eine Entscheidung falle heute.

Aktuelle Nachrichten