Drei Einsätze bestritt der Zeglinger Mario Dolder an den Biathlon Weltmeisterschaften im tschechischen Wintersportort Nove Mesto. Höhe- und Tiefpunkt sind schnell gefunden. Im 20-km-Einzelrennen lag der 22-Jährige bei Halbzeit auf Top-10-Kurs, ehe er sich durch Fehlschüsse vier Strafminuten einhandelte und auf den 58. Rang zurückfiel. Ein halbes Rennen also lief nach Wunsch. Am anderen Ende der Gefühlsskala liegt der Auftritt mit der Staffel. Dolder, der Schlussläufer des Schweizer Quartetts, musste sich überrunden lassen. «Das tat richtig weh», sagt der Oberbaselbieter.

Von der WM direkt an die U26-EM

Dolder, der in Nove Mesto seine zweite Elite-WM bestritt, wirkt am Telefon gefasst, wenn auch etwas müde. Gestern flog der Biathlet via Prag und Wien nach Sofia. Im bulgarischen Bansko wird er in den kommenden Tagen an den U26-Europameisterschaften starten. Erst danach, nach rund fünf Wochen Wettkampfstrapazen, wird er wieder heimischen Boden unter den Füssen haben. Wenn auch nur für vier Tage. Dann geht es weiter nach Sotschi. Erstmals werden die Biathleten auf der Olympiaanlage von 2014 einen Weltcup bestreiten.

Die Ziele verfehlt

Die Reise nach Bulgarien nutzt Dolder, um die WM Revue passieren zu lassen. «Ich habe meine Ziele verfehlt», sagt er ohne Wenn und Aber. Zwei 25. Plätze waren vor der WM seine besten Resultate im Weltcup. In Nove Mesto wollte Dolder in die Top 40 laufen, um neben der Erfahrung auch Weltcuppunkte zu sammeln. Rang 58 über 20 km und der 79. Platz im 10-km-Sprint waren eine Enttäuschung. Die Staffel, die bei der WM-Hauptprobe mit einem fünften Rang Begehrlichkeiten geweckt hatte, war mit drei Strafrunden und zwölf Nachladern ein Debakel. Die Schweiz wurde 18. von 29 Nationen. Dolders Einsätze im Überblick:

10-km-Sprint: Rang 79

In seinem ersten Rennen erreichte Mario Dolder mit einem Rückstand von 3:13 Minuten das Ziel. Er handelte sich vier Strafrunden ein. Zum Vergleich: Die besten sieben der Rangliste kamen ebenfalls auf vier Strafrunden, allerdings in der Addition. «Ein Fehler im Liegendschiessen sollte nicht passieren, drei Fehler im Stehendschiessen dürfen nicht passieren», sagt Dolder. Am Weltcup in Antholz kam er ohne Fehler auf Rang 25. Während der gesamten WM war das Schiessen das Problem. «Ich muss hart an mir Arbeiten. Ich will mich verbessern», sagt Dolder. In Zukunft wollen die Schweizer ihre Schiessleistungen mit Videoanalysen verbessern. Im Sprint belegte Dolder den 79. Rang unter 136 Klassierten und war damit drittbester Schweizer hinter Benjamin Weger (25.) und Claudio Böckli (48.).

20-km-Einzel: Rang 58

Bei Halbzeit lag ein Exploit in der Luft. Dolder belegte ohne Fehlschuss den zwölften Zwischenrang, musste aber seinem forschen Start Tribut zollen und kassierte insgesamt vier Strafminuten. «Auf diesem Niveau liegen maximal zwei Fehler drin», sagt Dolder. Vier Fehler können passieren, aber die Art und Weise ärgere ihn: «Ich bin zügig angegangen, lag gut im Rennen, aber dann liess die Konzentration nach. Ich war müde im Kopf.» In Antholz konnte Dolder seine Anfangspace durchziehen, an der WM geriet er in den roten Bereich. Hinter Weger (19.), Ivan Joller (24.) und Böckli (38.) war Dolder der schwächste der vier gestarteten Schweizer.

Staffel: Rang 18

Bei der WM-Hauptprobe in Antholz Ende Januar lief die Schweiz auf Rang fünf und egalisierte dabei das Weltcup-Bestresultat aus dem Jahr 2007. «Mit einem fünften Rang durften wir an der WM nicht rechnen», sagt Dolder, «unser Ziel waren die Top 10.» Doch das Quartett blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Schlussläufer Dolder übernahm an 14. Stelle. «Das war eine schwierige Ausgangslage. Ich wollte etwas riskieren», sagt Dolder. Der Plan ging nicht auf. Er kassierte im Stehendschiessen drei Strafrunden und beendete die Staffel auf Rang 18. Dolder kassierte gar die Höchststrafe, als er überrundet wurde. «Ich hoffe, dass ich dieses Debakel an der U26-EM mit der Staffel verarbeiten kann», sagt er.

Stimmung gut, Leistung schlecht

Für den Zeglinger ist klar: «Mit der Leistung in der Loipe kann ich zufrieden sein, beim Schiessen lief es dagegen überhaupt nicht.» Im zarten Biathlon-Alter von 22 Jahren seien Leistungsschwankungen normal, deshalb mache er sich keinen Kopf: «Es war eine lange, strenge Saison.» Die Änderungen im Trainerstab, die Swiss-Ski während der WM kommunizierte, hätten keinen Einfluss auf die Leistungen gehabt. Und obwohl ein Exploit ausblieb, erinnert sich Dolder gerne zurück: «Die WM war ein geniales Erlebnis. Das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel, vergleichbar mit der letztjährigen WM in Ruhpolding. Das hätte ich nicht erwartet.»