Biathlon

Mario Dolder vor der WM: Ein Paukenschlag und dann Sendepause

Am Donnerstag beginnt für Mario Dolder die Biathlon-WM in Antholz.

Am Donnerstag beginnt für Mario Dolder die Biathlon-WM in Antholz.

Der Oberbaselbieter Mario Dolder reist mit einer grossen Prise Unsicherheit an die Biathlon-WM ins Südtirol, die am kommenden Donnerstag beginnt.

Die fetten Schlagzeilen über Schweizer Heldentaten im Biathlon-Weltcup konzentrieren sich in diesem Winter verdächtig einseitig auf das Frauenteam. Die Männer begannen die Saison zwar in Östersund verheissungsvoll, doch seit zwei Monaten ist irgendwie der Wurm drin. Teamleader Benjamin Weger kommt sportlich nicht vom Fleck und dahinter kann niemand in die Bresche springen. Auch Mario Dolder nicht.

Der 29-jährige Oberbaselbieter startete zwar mit einem Paukenschlag in den Winter: Rang 17 beim Sprint in Östersund. Nur zweimal war Dolder zuvor im Weltcup besser klassiert. Grund zur Euphorie besteht vor dem Saisonhöhepunkt, den Weltmeisterschaften im Südtiroler Biathlon-Mekka Antholz, trotzdem nicht. Seit dem ersten Rennen wartet er auf weiteren Punktezuwachs. Einzig in den Staffelwettbewerben gab es einige wenige Lichtblicke. «Wir alle laufen den eigenen Erwartungen hinterher», lautet seine kritische Zwischenbilanz.

Entsprechend spürt man bei Mario Dolder vor seiner siebten WM-Teilnahme eine gewisse Unsicherheit. «In Hochfilzen war ich krank. Da finden sich Erklärungen für die mageren Leistungen. Aber wenn ich unmittelbar nach meinem Exploit in Schweden am Schiessstand zweimal fehlerfrei bleibe und am Schluss der 58. Rang aufleuchtet, dann stellt man sich schon Fragen.»

Eine Erkenntnis hat der Biathlet aus Gelterkinden bereits gewonnen. Höhentrainingslager sind definitiv nichts für ihn. Der erstmalige Versuch im August hat überhaupt nicht angeschlagen. «Ich fühlte mich ständig müde und die Blutwerte waren gar nicht gut», sagt Dolder. Ansonsten sei es auch für ihn enorm schwierig, die Ursachen für den mehr als durchzogenen Saisonverlauf zu finden. «Wir haben ja nichts bewusst anders gemacht als im Vorjahr», sagt er.

Die Routine hilft dem WM-15. von 2017 in Hochfilzen zumindest, die aktuelle Situation mental etwas entspannter zu verarbeiten. Er weiss, dass Biathlon kein 100-Meter-Lauf ist, wo man bereits vor einer WM aufgrund der Leistungsmessungen ziemlich genau sagen kann, welche Zeiten möglich sind. Viel passiert im Kopf und wenn die Spritzigkeit zurückkehrt und die Gewehrkugeln ihr Ziel finden, dann kann es schnell drehen und das gute Gefühl kehrt zurück. Rangziele steckt sich Mario Dolder ohnehin nicht. Er wünscht sich, dass er an die Leistung beim Weltcupstart anknüpfen kann. Wie realistisch das ist, wird sein erster Einzelstart im Sprint zeigen.

Die Weltmeisterschaft ist gar nicht so wichtig

Für Mario Dolder hat die WM nicht den ganz grossen Stellenwert. Er findet, man müsste im Biathlon ebenfalls ernsthaft darüber nachdenken, diese Titelkämpfe analog zum Langlauf nur noch alle zwei Jahre auszutragen. «Die Bedeutung würde sich erhöhen und umgekehrt würde ein WM-freier Winter eher Möglichkeiten für das eine oder andere Experiment bieten», sagt er. Für ihn, der nicht in die Reichweite der Medaillen laufen könne, sei ein 6. Platz im Weltcup mindestens so viel wert wie Rang 10 bei der WM.

Wie lange Mario Dolder, der vor knapp zwei Jahren geheiratet hat, seine Karriere fortsetzen wird, steht noch nicht fest. Im Gegensatz zu anderen Athleten sind nicht unbedingt die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking die Messlatte für diese Entscheidung. «Meine Planung geht bis zu dieser WM. Was nachher kommt, lasse ich offen», sagt er. Die ständige Abwesenheit in den Wintermonaten ist ein hoher Tribut, welcher ein Sportler bezahlt. Erst recht, wenn auf der Habenseite die Resultate fehlen. Seit Anfang November war Dolder nur gerade während den Weihnachtstagen zuhause in Gelterkinden. Da macht man sich zweifellos mehr Gedanken als nur, ob die nächste Kugel trifft.

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