Biathlon
Mario Dolders erste Olympia-Station heisst Neuseeland

Mit dem Ziel Sotschi vor Augen trainiert der 23-Jährige drei Wochen im südlichen Winter. Mit dabei in Neuseeland der Cousin seiner Mutter, Sportamtleiter Thomas Beugger, der ihn auf der Loipe und im Schiessstand als Mentaltrainer betreut.

Patrick Pensa
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Mario Dolder im Sommertraining im Oberbaselbiet auf den Rollskis.

Mario Dolder im Sommertraining im Oberbaselbiet auf den Rollskis.

Dolder/ZVG

Stift abgelegt, geschafft. Am Freitag kurz vor Mittag hat Mario Dolder seine letzte Prüfung abgeschlossen. Damit ist das erste Jahr Teilzeit-Bauingenieur-Studium Geschichte. «Ich bin zufrieden. Ich denke, dass es gut gelaufen ist. In einem Jahr werde ich dann die zweite Hälfte der Fächer abschliessen», sagt der Zeglinger.

Jetzt gilt der Fokus wieder voll dem Sport. Trotz sommerlicher Temperaturen rückt der Olympiawinter immer näher. Will der 23-Jährige in Sotschi dabei sein, muss er sich bereits anfangs November bei internen Selektionen in Norwegen gegen seine Teamkollegen behaupten. Dort geht es um die Weltcup-Plätze für den ersten Saisonabschnitt. Je mehr Rennen auf internationalem Topniveau, desto besser für Dolder, der bislang zwei 25. Weltcup-Ränge sowie einen 5. Rang mit der Staffel als Top-Resultate vorweisen kann.

Grosse Ziele verlangen spezielle Massnahmen. Erstmals trainiert Mario Dolder schon im August auf Schnee. Auf Schnee unter freiem Himmel und nicht wie im Vorjahr zwischendurch im Skitunnel im deutschen Oberhof. «In diesem Tunnel Runden zu laufen, schlägt mit der Zeit auf die Psyche», sagt Dolder. Um solche Motivationsprobleme zu umgehen, hat er nach Lösungen gesucht. Und gefunden: gestern flog der Zeglinger nach Neuseeland ab. In der Nähe von Queenstown trainiert er die nächsten drei Wochen auf 1600 Metern über Meer auf richtigem Schnee.

Start an den neuseeländischen Meisterschaften

Dadurch kann er mehr Zeit auf der Loipe verbringen und erhofft sich vor allem Fortschritte im technischen Bereich. «Im Gegensatz zu den alpinen Skifahrern haben wir mit den Rollskis eine gute Alternative im Sommer. Diese ersetzen aber niemals das Training auf Schnee», sagt er. Die Verbandstrainer waren sofort begeistert von Dolders Idee und haben ihn entsprechend mit Trainingsprogrammen ausgerüstet.

Auch wenn er als einziger Schweizer Biathlet nach Queenstown fliegt, ist er bestimmt nicht alleine. Am gleichen Ort trainiert zum Beispiel die polnische Skilangläuferin und Weltcupsiegerin Justyna Kowalczyk. «Es sind einige Läufer dort. Abgesprochen ist noch nichts, aber wenn es sich ergibt, bin ich froh um Trainingsgesellschaft und kann sicher profitieren.» Schon geplant ist dafür eine Wettkampfteilnahme: in einer Woche startet der 23-Jährige an der neuseeländischen Biathlonmeisterschaft. «Ich hoffe, dass ich ganz vorne mitmische, auch wenn ich natürlich nicht in die Wertung um den Meistertitel eingehe.»

Beugger als Mentaltrainer

Die Reise unternimmt Mario Dolder nicht alleine. Er hat den Cousin seiner Mutter, Sportamtleiter Thomas Beugger als Betreuer angefragt. «Thomas ist selbst begeisterter Ausdauersportler, wir verstehen uns super und er hat eine Zusatzausbildung als Mentaltrainer», sagt der Zeglinger. «Dass er Sportamtleiter ist, habe ich mir anfangs gar nicht überlegt. Zudem reist er ja als Privatperson mit.» Die Gefahr, dass er sich dadurch irgendwie Vorteile anderen Baselbieter Sportlern gegenüber verschaffe, sieht er nicht.

Auch Thomas Beugger selbst sieht keinen Konflikt. «Mario hat mich im Frühjahr angefragt. Die Möglichkeit, mit einem Athleten direkt auf der Wettkampfstrecke im mentalen Bereich zusammenzuarbeiten, klang sehr interessant», sagte Beugger vier Tage vor seiner Sommerschnee-Premiere. Er habe sein Sportpensum extra hochgeschraubt, um topfit zu sein. «In erster Linie bin ich als Mentaltrainer und Betreuer dabei, wenn immer möglich werde ich aber mit Mario auf die Loipe gehen», sagt der 47-Jährige, der wenige Tage nach der Rückkehr den Jungfrau-Marathon bestreiten wird.

Mario Dolder verspricht sich von der Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer weitere Fortschritte. Die Kombination aus Ausdauerleistung und voller Konzentration verlangt den Biathleten alles ab. «Wenn du beim Laufen nur etwas über deine Grenze gehst, schleichen sich beim Schiessen sofort Fehler ein», erklärt Dolder. Eine Erfahrung, die er zuletzt auch bei der WM machte. «Mit Thomas versuche ich nun Instrumente zu erarbeiten, um mich beim Schiessen voll zu konzentrieren und mich nur auf die wichtigen Elemente zu fokussieren.» Der grosse Vorteil sei, dass er Thomas Beugger schon seit klein auf kennt und dieser als OL-Läufer aus einem Sport kommt, der dem Biathlon ähnlich ist. «So musste ich ihm nicht lange Details erklären, sondern er wusste gleich, was die entscheidenden Faktoren sind.»

Am Schluss noch etwas Ferien

Nach knapp drei Wochen wird Thomas Beugger wieder abreisen, währenddessen Dolder noch alleine weitertrainiert und dann als Abschluss eine Woche Ferien geniesst. Sein Vater wird via Australien, wo er ein Langlaufrennen bestreitet, zu ihm kommen, damit sie gemeinsam das Land bereisen können. Neuseeland ist schon lange eine Traumdestination gewesen, sagt Dolder. Dass er nun im Winter dort Ferien mache, beweise, dass der Sport auf dieser Reise Priorität hat.