Stabhochsprung
Marquis Richards bereitet sich im grünen Urlaub auf die EM vor

Der Arlesheimer Marquis Richards leistet momentan Dienst am Vaterland. Ausbezahlen soll sich die Sportler-RS für den Stabhochspringer spätestens im kommenden Sommer, an der Leichtathletik-EM in Zürich.

Daniel Weissenbrunner
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Rekrut Marquis Richards: In der RS den Grundstein für die nächsten sportlichen Ziele legen.dws

Rekrut Marquis Richards: In der RS den Grundstein für die nächsten sportlichen Ziele legen.dws

So sieht also das Ende Welt aus: Draussen strahlender Sonnenschein, klirrende Kälte, Schnee, die Sicht frei auf die Berner Alpen. Drinnen angenehme Raumtemperatur, Top-Infrastruktur und eine Schar von Sportlern, die Gewichte stemmt, die Sprints absolviert, die auf den Hometrainern durchdreht. Mit der Schilderung von Fernando Solanas «El Fin del Mundo» im Film «El Viaje» hat diese Szenerie freilich wenig gemein.

Quirlige Art geerbt

Und dennoch: Die rund 20 Sportler, die an diesem Morgen im verschneiten Magglingen in der End der Welt-Halle ihr Programm abspulen, befinden sich ebenfalls auf einer Zeitreise. Sie absolvieren die 18-wöchige Sportler-RS. Zu ihnen gehört auch Marquis Richards. Der Arlesheimer sorgt mit seiner quirligen Art für eine Achtung, fertig, WK-Stimmung, was nicht heisst, dass es ihm an der nötigen Seriosität mangelt. Es ist seiner Genetik zuzuschreiben, dass Richards selbst bei höchster, körperlicher Anstrengung immer einen flotten Spruch auf Lager hat. Mutter Schweizerin, Vater US-Amerikaner aus North Carolina, aufgewachsen in San Diego, Kalifornien. «Ja, vielleicht ist es meine Lockerheit, die mich von den anderen ein wenig unterscheidet», sagt der 22-Jährige.

Rekrutenschule als Traum

Seit Anfang November gehört Marquis Richards zum erlauchten Kreis förderungsberechtigter Sportler, welche während der Rekrutenschule ihre Karriere integral weiter vorantreiben können. «Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen.» Die Spitzensport-RS setzt sich aus fünf Wochen allgemeiner Grundausbildung in Lyss und 13 Wochen Funktionsgrundausbildung in Magglingen zusammen. Für den Baselbieter beginnt damit frühzeitig die heisse Phase für den Saisonhöhepunkt im kommenden Jahr. An der Heim-EM in Zürich will er – sofern er die Limite erfüllt – sich und dem Publikum beweisen, dass er das Zeug besitzt, um mit den besten Stabhochspringern mitzuhalten.

Stabhochspringer Marquis Richards bei der Schweizer Hallen Leichtathletik Meisterschaften 2013 in Magglingen. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

Stabhochspringer Marquis Richards bei der Schweizer Hallen Leichtathletik Meisterschaften 2013 in Magglingen. Foto: Peter Klaunzer/Keystone

KEYSTONE

Signifikante Steigerung nötig

Um die Qualifikation im Letzigrund zu überstehen, wird sich Richards aber signifikant steigern müssen. Seine Bestmarke liegt bei 5,33 Meter. Will er sich für den Final qualifizieren, wird eine Höhe um 5,60 Meter nötig sein. «Es wartet noch viel Arbeit, aber ich bin zuversichtlich, dass ich dieses Ziel erreichen kann.» Den 14. August 2014 hat sich Richards in seiner Agenda jedenfalls rot angestrichen. An diesem Donnerstag, kurz nach 10 Uhr, beginnt der Wettkampf der Stabhochspringer.

Rio im Visier

Die Europameisterschaften sollen in Richards Karriereplanung nur ein Zwischenhalt sein. Mit der WM 2015 in Peking und den Olympischen Spielen 2016 in Rio hat der Modelathlet den sportlichen Leitfaden geknüpft. In Magglingen will Rekrut Richards den Grundstein legen, damit er in zweieineinhalb Jahren am anderen Ende der Welt, in Südamerika, seinen Traum verwirklichen kann.