Eigentlich schade, dass in dieser Playoff-Finalserie zwischen Volero Zürich und Sm’Aesch Pfeffingen nicht der Sport, sondern unrühmliche Nebenschauplätze bis jetzt die Hauptrollen spielten.

Verursacht wurde dieses Szenario von Volero-Präsident Stav Jacobi, der aus Angst den 13. Schweizer Meistertitel gegen ein ausserordentlich starkes Team aus dem Baselbiet zu verpassen, gegen die Reglemente des Volleyballverbandes verstiess.

Nach einer Fünf-Punkteführung im vierten Satz für Sm’Aesch Pfeffingen (Spielstand nach Sätzen 2:1 für die Zürcherinnen) befahl der Volero-Macher seinem Trainer Avital Selinger die beiden gemäss Reglement während des ganzen Spiels auf dem Platz stehen müssenden Schweizerinnen auszuwechseln und durch eine Russin und eine Serbin zu ersetzen.

Gesagt, getan. Das nun in Champions League-Aufstellung spielende Volero drehte das Resultat noch in extremis, holte sich den vierten Satz mit 26:24 und gewann die Partie mit 3:1-Sätzen. Die Mehrheit der Zuschauer, vor allem aber diejenigen aus dem Baselbiet und die Neutralen goutierten diese unfaire Aktion, welche bei normalen Ueberlegungen (klarer Reglementverstoss zum eigenen Vorteil) mit einem Forfait-Sieg zu Gunsten der Mannschaft von Head-Coach Andreas Vollmer hätte ausgehen müssen, nicht und pfiffen Jacobi und sein Team gnadenlos aus, was dieser mit einem Stinkefinger gegen das Publikum quittierte.

Die Paragraphen des Verbandes sehen in diesem Fall aber offensichtlich nur eine Busse von Fr. 10.000.—für jede nicht auf Platz stehende Schweizer Spielerin vor und dies obwohl es sich nicht um ein Wechselversehen, sondern um eine ganz bewusste Aktion handelte.

Spiel unter ganz speziellen Voraussetzungen

Doch all die Schriftwechsel und Diskussionen spielten gestern Abend ab dem ersten Ballwechsel überhaupt keine Rolle mehr, denn ab sofort suchte man den Sieger der dritten Partie dieser Best of Five-Serie und dieser hat dann am kommenden Mittwoch in Aesch (Löhrenacker, 19.30) einen sogenannten Matchball.

Und die beiden Teams spielten wie schon am Mittwoch auf Augenhöhe. Keine Mannschaft konnte je mit mehr als zwei Punkten in Führung gehen. Beim zweiten technischen Time-Out lagen die Gäste mit 16:14 voran, als Nicole Walch mit zwei unglaublich stark geschlagenen Angriffen auf 18:14 erhöhte.

Jetzt waren die Zürcherinnen angeschlagen und begingen einige Eigenfehler (16:22) und wenig später war die Satzführung für die Baselbieterinnen in trockenen Tüchern. Und Passeuse Tess von Piekartz und ihre Teamkolleginnen powerten unter den frenetischen Anfeuerungsrufen der fast hundert mitgereisten Sm’Aesch-Fans weiter und lagen auch im zweiten Durchgang immer leicht in Front.

Doch dann entschieden die Refs ein ums andere Mal unverständlicherweise zu Gunsten des Topfavoriten und plötzlich war der ganze Schwung beim Vollmer-Team weg (18:14). Eine solche mentale Schwäche beim Gegner liessen die routinierten Volleyballerinnen aus der Limmatstadt natürlich nicht ungenutzt und holten sich mit 25:21 den Satzausgleich.

Und endlich spielte der Volleyball wieder die Hauptrolle

Der dritte Satz bot dann weiter hochstehenden Volleyballsport und die beiden Mannschaften machten teilweise spektakuläre Punkte. Bis zum Spielstand von 13:13 schien jeder Ausgang möglich, doch dann waren es auf Seiten von Volero vor allem Ana Bjelica und Laura Unternährer welche die Sm’Aesch-Defensive immer wieder düpierten und sich mit dem gleichen Resultat wie im zweiten Satz die Führung holten.

Als der Aussenseiter im vierten Durchgang wieder den Tritt gefunden hatte, machten sie sich mit zu vielen Servicefehlern (Matter, Ennok) das Leben selber schwer und lagen beim ersten technischen Time-Out mit 7:8 knapp im Hintertreffen.

Und trotz nicht optimaler Blockarbeit kämpften sich das Birstal-Kombinat wieder heran und drehte das Geschehen resultatmässig in die für sie gewünschten Bahnen (20:16). Aber Volero wäre nicht Volero, diesmal übrigens immer noch mit den zwei reglementarisch geforderten zwei Schweizerinnen auf dem Platz, liess sich erst ganz am Schluss unterkriegen und musste den Satz knapp abgeben.

Spannung pur im nötig gewordenen Tie-Break

Die Resultatfolge in Zahlenspielerei im Entscheidungssatz sagt eigentlich alles aus – 2:2, 5:5, 8:8, 11:11, 14:14, 15:15, 17:15. «Wir hätten den ersten Matchball nicht nach unten, sondern an die Hand im Block spielen sollen, denn hätten wir im Heimspiel die Entscheidung im Meisterrennen zu unseren Gunsten in eigenen Händen gehabt. Es war trotz der knappen Niederlage ein grossartiges Spiel meiner Mannschaft» sagte Trainer Vollmer leicht enttäuscht nach der Partie.