OL-WM

Matthias Kyburz verliert die Orientierung – Sprint-Titel weg

Dem entthronten Sprint-Weltmeister Matthias Kyburz fehlten acht Sekunden zu einer Medaille. Foto: Keystone

Dem entthronten Sprint-Weltmeister Matthias Kyburz fehlten acht Sekunden zu einer Medaille. Foto: Keystone

Kein Bruderduell um die Medaillen: Matthias und Andreas Kyburz aus Möhlin gehen im WM-Sprint im finnischen Sotkamo leer aus. Titelverteidiger Matthias wird 5., Andreas wird bei seiner Premiere 11. Den Sieg holt sich ein Finne.

Zum grossen Bruderduell um die Medaillen kam es im Sprint an der OL-WM in Finnland zwischen Matthias und Andreas Kyburz nicht. Denn der zwei Jahre jüngere Andreas Kyburz erlebte einen von mehreren Fehlern durchzogenen Finallauf, und Titelverteidiger Matthias war im Ziel enttäuscht über seinen 5. Rang, holte aber wenigstens ein Diplom: «Ich fühlte mich vor dem Rennen sehr gut und hatte in der ersten Wettkampfhälfte das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben.»

Matthias Kyburz plante in vollem Lauf eine spätere Route, doch das ging schief: «Die Lösung für die Route hatte ich zwar gefunden, aber ich wusste plötzlich nicht mehr genau, wo ich bin. Das war eine Schrecksekunde, dieser Moment kostete mich wohl die erhoffte Medaille.» Am Ende fehlten genau acht Sekunden – beim bestklassierten Schweizer, Fabian Hertner (4.), waren es 3,5 Sekunden.

Top oder Flop ist sehr nah

Im Sprint wird permanent am Limit gelaufen, und oft auch etwas darüber. Da braucht es nicht viel, um plötzlich von der Rolle zu sein. «Aber diese Hektik und ständig an der Grenze zu laufen, macht einen grossen Teil der Faszination dieser Disziplin aus», erläutert Matthias Kyburz, nachdem er sich von der ersten Enttäuschung etwas erholt hatte. Und dann huschte ein Lächeln auf sein Gesicht: «Erst recht, wenn die Kulisse so grossartig ist wie letztes Jahr in der Schweiz oder hier in Finnland.» Der einheimische Mårten Boström liess sich zum Nachfolger des Schweizers küren und wurde vom Publikum ähnlich gefeiert wie Matthias Kyburz letztes Jahr in Lausanne.

Andreas im Schatten des Bruders

Der jüngere der Kyburz-Brüder klassierte sich bei seiner WM-Premiere auf dem 11. Rang, ein Absturz wie ihn Matthias vor zwei Jahren als Qualifikationssieger nachher im Sprint-Final in Frankreich erlebte, blieb Andreas in Finnland erspart. «Wir haben oft zusammen über jenen Sprint gesprochen, und ich konnte von Matthias’ entsprechender Erfahrung sicher profitieren», schildert Andreas Kyburz, der 30 Sekunden auf die Medaillenränge verlor. Im Sprint, wo oft Zehntelssekunden entscheiden, ist das auf den ersten Blick viel. Aber es braucht auch wenig, um diesen Sprung nach vorne zu schaffen. «Ich hatte zwei, drei Mal etwas Entscheidendes übersehen. Und dann summiert sich das natürlich schnell.»

Eine seltene Konstellation

Die Kyburz-Brüder waren sich bewusst, dass diese Konstellation sehr speziell ist. «Ich weiss nicht, wie oft vor uns zwei Brüder im gleichen WM-Sprint im Einsatz standen», zuckt Andreas mit den Schultern. Matthias pflichtet ihm bei und lacht: «Ja, das stimmt. Aber für den Wettkampf spielt es keine Rolle. Jeder hat seine individuelle Vorbereitung, und Rennen muss jeder selber.» Ein grosser Vorteil ist es hingegen im Training: «In langen Einheiten können wir uns gut unterhalten und das Tempo hoch halten», erklärt Andreas. Und Matthias zwinkert mit den Augen – er lässt durchblicken, dass sie sich ab und zu etwas plagen würden, weil jeder der Schnellere sein wolle: «Davon profitieren wir natürlich beide.»

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