Die Krönung eines hervorragenden Tages blieb Max Heinzer versagt. Yannick Borel war im Final zu stark für den Innerschweizer von der Fechtgesellschaft Basel und revanchierte sich damit auch für die Finalniederlage in Heidenheim, dem «Wimbledon des Fechtens». Heinzer wand dem Franzosen, der sich nach einem Blitzstart mit 15:10 durchsetzte, ein Kränzchen: «Er war heute der Stärkste im ganzen Feld und hat den Sieg verdient. Den zweiten Platz nehme ich aber sehr gerne.» Von den Qualitäten Borels war Heinzer nicht überrascht, seine Taktik ging aber diesmal nicht ganz auf, wie er kurz nach der Siegerehrung direkt aus dem Taxi berichtete: «Ich hatte bewusst eine defensivere Starttaktik gewählt, weil ich nicht alles gleich machen wollte wie in Heidenheim. Leider habe ich dann den Umschaltknopf nicht gefunden.»

Dem verpassten Tüpfchen auf dem i zum Trotz: Heinzer war nach Wettkampfende sehr zufrieden: «Ich wollte ein Top-Resultat und das habe ich erreicht. Zudem war es auch mein Ziel, mich mit Rio anzufreunden im Hinblick auf die Olympischen Spiele, und das ist mir gelungen. Ich habe mich hier wohlgefühlt und nehme viel Selbstvertrauen mit.»

Sein bestes Gefecht zeigte Heinzer wohl in der 16er-Direktausscheidung gegen Pavel Sukhov (Russ), den er mit 15:8 sicher kontrollierte. Aufmerksam beobachtet wurde dies auch von Angelo Mazzoni, dem früheren Schweizer Nationalcoach, der nun im Solde der Russen steht. «Da habe ich eine starke taktische Leistung gezeigt», freute sich Heinzer, «Mazzoni sass nur noch ratlos im Gepäck.»

Wichtige Weltranglisten- und Olympiaqualifikationspunkte sowie gute Gefühle im Gepäck – der einwöchige Abstecher an den Zuckerhut hat sich für Heinzer zweifelsfrei gelohnt. «Der Formaufbau für EM und WM stimmt.» Noch am Sonntagabend ging der Rückflug in die Schweiz, schon bald wird der Fokus auf Montreux gerichtet. «Zuerst will ich die Zeitumstellung überwinden und dann bis zur EM noch einmal gut trainieren. Dort beginnt alles wieder von vorne und ich bin erfahren genug, um bald wieder auf dem Boden zu sein. Auf dem Boden, aber mit Selbstvertrauen.»

Grund zu Optimismus hinsichtlich der EM hat auch Fabian Kauter. Der Berner focht sich mit drei klaren Siegen in den Viertelfinal, wo dann ebenfalls der spätere Champion Borel Endstation bedeutete. Kauter beendete die Olympia-Hauptprobe damit im 7. Rang. Heinzers Teamkollegen Benjamin Steffen und Florian Staub wurden 21. und 31. Bei den Frauen war Tiffany Géroudet mit Rang 14 die mit Abstand beste Schweizerin.