Irgendwann will Arnold «The Cobra» Gjergjaj zum ganz grossen Kampf antreten. Zum Kampf um den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Am liebsten gegen Wladimir Klitschko. Davon ist der 30-Jährige aber noch ein Stück entfernt. Gemeinsam mit seinem Trainer und Manager Angelo Gallina vom BC Basel nähert sich Gjergjaj Schritt für Schritt der Weltspitze an. Der stärkste Schweizer Schwergewichtsboxer aller Zeiten wird aktuell an der 50. Stelle der neutralen Boxranglistenorganisation Boxrec geführt.

Unter die ersten 20 will es Gjergjaj in diesem Jahr noch schaffen. Den ersten Schritt auf dem Weg dahin will er am Freitag machen. Dann nämlich trifft er im Grand Casino Basel auf den Ungarn Zoltan «El Furioso» Csala, der amtierender WBF-Weltmeister ist. «Csala hat noch nicht extrem viele Kämpfe bestritten, hat jedoch schon einen Top 40 Boxer geschlagen und seine K.o.-Quote von 83 Prozent spricht für ihn», sagt Trainer Gallina.

Gratulation vom Präsidenten

Für Arnold Gjergjaj ist es der erste offizielle Kampf seit dem 4. Oktober. An jenem Samstag hatte er sich als erster Schweizer überhaupt zu einem internationalen Schwergewichts-Titel geboxt. Der gebürtige Kosovare, der seit seinem 14. Altersjahr in Pratteln lebt, holte sich in der Basler St. Jakobshalle den Europameistertitel der Nicht-EU-Staaten. Ein Erfolg, der hohe Wellen schlug. «Die Resonanz und die Anerkennung in den Medien und auch in der Bevölkerung waren sehr gross, vor allem in meinem Wohnort Pratteln und im Kosovo», so Gjergjaj, der nach seinem Titelgewinn gar vom Präsident des Kosovo eine persönliche Gratulation entgegennehmen durfte. Dass die Prattler stolz sind auf Arnold Gjergjaj, zeigt nicht nur die Tatsache, dass er im Mai für seine sportlichen Verdienste und sein soziales Engagement mit dem «Prattler Stern 2014» ausgezeichnet wurde, sondern war auch am vergangenen Wochenende an der Prattler Fasnacht zu beobachten: Gleich drei Cliquen haben Arnold Gjergjaj zu ihrem Sujet gemacht. «Es freut mich sehr, dass die Leute in Pratteln und auch im Kosovo hinter mir stehen. Das gibt mir zusätzlich Kraft», sagt Gjergjaj.

Trotz der grösseren Aufmerksamkeit und der Anerkennung für seine sportlichen Leistungen hat sich eine Sache nicht verändert: die finanzielle Situation. Nach wie vor kann Gjergjaj nicht vom Boxen leben, sondern muss weiterhin bei seinem Bruder Anton im Spar-Supermarkt aushelfen. «Wir ordnen dem Projekt Weltmeistertitel alles unter und leben alle sehr sparsam», sagt Angelo Gallina. «Ein paar kleinere Sponsoren konnten wir nach dem EM-Titel gewinnen, aber die Sportförderung der Stadt Basel ist beispielsweise immer noch gleich null. Und das obwohl beim EM-Kampf von Arnold 2000 Zuschauer in der St. Jakobshalle waren. Das sind mehr Leute, als der EHC und der RTV an einer Veranstaltung zusammen hinkriegen.»

Drei-Sterne-Kampf

Ob am Freitag ebenso viele Zuschauer ins Grand Casino kommen, um Gjergjaj zu unterstützen, wird sich zeigen. Klar ist aber, dass das Duell gegen Zoltan Csala der grösste Kampf in der Karriere von Gjergjaj ist. Auch wenn es kein EM- oder gar WM-Kampf ist, wurde das Aufeinandertreffen der beiden Top-60-Boxer als Drei-Sterne-Kampf gewertet. «Es ist das erste Mal seit Jahrzehnten, dass ein Schweizer Schwergewichtsboxer einen solchen Kampf bestreitet. In den letzten Jahren gab es keinen Schweizer, der in dieser Kategorie», rührt Gallina die Werbetrommel für den Kampf seines Schützlings.