Vereinsturnen

Meister und Vizemeister: Der Gelterkinder Jubel kennt keine Grenzen

Jubelnde Gelterkinder auf dem SM-Podest.

Jubelnde Gelterkinder auf dem SM-Podest.

Gelterkinden hat an den Schweizer Meisterschaften im Vereinsturnen dank einem souveränen Finaldurchgang den insgesamt siebten Schweizer Meistertitel in der Grossfeldgymnastik gewonnen. Dazu kam auch gleich noch ein zweiter Rang bei der Gymnastik 35+.

Vor acht Jahren in Sissach triumphierte der TV Gelterkinden das letzte Mal an Schweizer Meisterschaften, danach folgten noch zweimal ein Finaleinzug, woraus jeweils ein dritter Platz resultierte, an den weiteren Meisterschaften setzte es aber jeweils eine Enttäuschung ab. Dieses Jahr hegte man aber berechtigte Hoffnung, dass das Pendel wieder mal zugunsten der Oberbaselbieter ausschlagen könnte, lag man doch vor diesen Meisterschaften in der inoffiziellen Rangliste aller erturnten Resultate der laufenden Saison an deren Spitze - wohl wissentlich, dass die Resultate von verschiedenen Wettkämpfen zusammengetragen und darum auch nicht ganz korrekt verglichen werden können.

Geregelte Nachtruhe

Auch der letzte Ernstkampf vor zwei Wochen, als man den (damals noch) amtierenden Schweizermeister Sulz um fast 0,3 Punkte distanzierte liess sie guten Mutes nach Lyss reisen. Lyss im Berner Seeland war schon zum wiederholten mal Ausrichter von Schweizer Meisterschaften, somit waren einem grösseren Teil der Teilnehmer die Örtlichkeiten bereit bekannt. Um sich optimal auf diesen wichtigsten Wettkampf des Jahres vorbereiten zu können, haben sich die Gelterkinder bereits am Freitagabend im Pfadiheim einquartiert - nur fünf Gehminuten nebenan konnten da auf einem kleinen Sportplatz nochmals alle wichtigen Element trainiert und automatisiert werden, und zudem konnte die Nachtruhe so selber reguliert werden, was in einer Zivilschutzanlage oder Turnhalle zusammen mit zig anderen Vereinen nicht möglich wäre.

Die Einstimmung in den Wettkampftag passierte nochmals auf dem Trainingsplatz. Die Übung wurde noch ein paar mal durchgeturnt mit dem Hauptaugenmerk auf korrekte Formationen, so dass mit einem positiven Gefühl in das Wettkampfzentrum verschoben werden konnte.

Spürbare Nervosität

Dort wurde die Disziplin Grossfeldgymnastik durch Gelterkinden eröffnet. Die Nervosität wurde immer spürbarer und bei manch einem gingen auch wieder Gedanken über die letzten Jahre durch den Kopf, als man trotz guten Präsentationen den angestrebten Finalplatz verpasste. Die 16 Turnerinnen und Turner konnten den Fokus aber rechtzeitig wieder auf das Wesentliche lenken und bei bestem Wetter eine tolle Übung zeigen. Die extra angereisten Freunde, Vereins- und Familienmitglieder sorgten mit ihrem aufmunternden Jubel für einen zusätzlichen Adrenalinschub. Ob es aber für das sonntägliche Finale reichen sollte, war erst nach Bekanntgabe der Noten aller Teilnehmer klar - es hat gereicht! Allerdings wieder nur 0,03 Punkte vor dem viertplatzierten und somit «nur» auf dem dritten Zwischenrang. Jedoch war dieser Rang auf sicher, in der Finalrunde konnte also voll angegriffen werden.

Neben der Grossfeldgymnastik startete Gelterkinden dieses Jahr aber auch noch in den Kategorien Gymnastik Bühne und Gymnastik 35+. Bei der Bühnengymnastik wäre eine Finalqualifikation ein Wunder gewesen, jedoch eine etwas höhere Note wäre wünschenswert gewesen. So klassierte man sich mit 9,18 auf dem 24. Platz von 43 Teilnehmern.

Junggebliebene begeistern

Mehr Zuversicht hatten da schon die etwas reiferen Gymnastiker. In der Kategorie 35+ musste wiederum Gelterkinden den Wettkampf eröffnen, dies darum, weil Gelterkinden auf dem Kleinfeld (Rasen) turnt und alle Konkurrenten auf der Bühne. Mit einer gelungenen Vorführung begeisterten die 8 Junggebliebenen das Publikum, ob es auch bei den Wertungsrichtern entsprechend gut ankam, war lange nicht klar. Erst rund 90 Minuten später, nachdem drei weitere Bühnengymnastiken geturnt hatten, wurden die ersten Noten bekannt gegeben. Und da lag Gelterkinden vor einem Favoriten aus Kreuzlingen an erster Stelle. Bis zum Nachtessen herrschte dann auch hier Klarheit, dass nur noch das GymTeam Brütten besser klassiert wurde und am Sonntag somit zwei Gelterkinder Teams im Finale dabei sind.

Aufholjagd notwendig

Der TV Gelterkinden war bereits sechsmal Schweizer Meister in der Grossfeldgymnastik - aber jedes mal lag man da schon nach der Vorrunde auf dem ersten Platz. Nun musste also ein erstes Mal eine richtige Aufholjagd gestartet werden, wenn noch Plätze gut gemacht werden sollten. Natürlich waren alle ganz «chribbelig» und die Herzen pochten teils so stark, dass man es von zwei Meter Entfernung hören konnte… Aber mit dem Wissen, dass man ja nichts mehr zu verlieren hat, kämpften alle nochmals wie die Löwen. Um 10 Uhr war der Wettkampf vorbei - bis zur Rangverkündigung blieb nur noch das Hoffen und Bangen.

Eine Stunde später stand Gelterkinden mit der «älteren Garde» wieder auf dem Platz, auch sie natürlich bis in die letzte Faser gespannt und mit einer abermals tollen Darbietung.

Jubel ohne Grenzen

Kurz nach 16 Uhr dann der Beginn der Rangverkündigung. Sämtlich Leiter und Fahnenträger der Finalvereine in einem Halbkreis hinter dem Podest, die Turnenden in Vereinsrudeln davor. Eine Kategorie nach der anderen wurde jeweils zum Podest gerufen, beginnend beim dritten Rang. Als Grossfeld an die Reihe kam, durchzog ein leises Jubeln die Gelterkinder, da zuerst der TV Sulz erwähnt wurde. Die Spannung wurde aber somit noch viel grösser. Während dann der STV Marbach als Zweitplatzierter über die Lautsprecher verkündet wurde, brachen natürlich alle Dämme und der Jubel kannte keine Grenzen. Für den Leiter war es in diesem Moment vor allem auch eine grosse Genugtuung, mal wieder ganz zuoberst angelangt zu sein.

Erfreulicherweise war die Spannung des Rangverlesens noch nicht vorbei, denn die Klassierung bei Gymnastik 35+ war ja noch ausstehend. In dieser Sparte war Gelterkinden an der letzten SM erstmals auch dabei und als Vorrundenzweiter im Finale undankbarer Vierter geworden. Mit nur drei Finalisten war ein Podestplatz dieses Jahr auf sicher - aber eigentlich wollte man nicht unbedingt das niedrigste Treppchen. Tatsächlich, Kreuzlingen blieb auf dem dritten Platz. Und weil Brütten dieses Jahr zu stark war, blieb man verdient auf dem zweiten Rang - trotzdem ein super Resultat.

Schweizer Meister und zweiter Platz für Gelterkinden - das ist geschichtsträchtig.

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