Es läuft die 80. Minute, als Albian Ajeti applaudierend vom Platz geht und das Joggeli in Ovationen ausbricht. 4:0 steht es zu diesem Zeitpunkt, 4:0 für den FCB gegen YB, der alte Meister demontiert den neuen nach allen Regeln der Fussballkunst. Der FCB, seine Fans, ja fast wirkt es, als wolle ganz Basel diesen Bernern sagen: Freut euch nur über diesen Meistertitel – nächste Saison feiern wir wieder.

5:1 steht es am Schluss. YB gelingt eine Minute vor Ablauf der regulären Spielzeit der Ehrentreffer und kassiert trotzdem die höchste Pleite gegen den FCB seit Dezember 2005, als die Berner in der 18. Runde zu Hause gegen den FC Basel mit 1:6 untergingen. 5:1, ein historisches Resultat und zugleich das dritte Spiel in Serie, in dem die FCB-Offensive meisterlich auftritt.

Ohne Druck kommen die Tore

15 Tore hat der FCB erzielt, seit feststeht, dass sich YB den ersten Meistertitel nach 32-jähriger Durststrecke sichert. So stark die Offensive auf dem Platz überzeugt, so ist es doch Verteidiger Michael Lang, der die klarsten Worte findet: «Es war weniger Druck da, das hat man in den letzten drei Spielen gemerkt.» Und: «Man hat gespürt, dass wir eingespielter sind als zu Beginn der Rückrunde.» In dieser Phase habe man den Titel «versaut», so Lang. In den letzten elf Spielen aber, da kam der FCB ins Rollen.

Plötzlich laufen die Angriffe. Gegen YB kommt der FCB phasenweise im Minutentakt zu Top-Gelegenheiten. Und er geht schon nach 62 Sekunden durch Mohamed Elyounoussi in Führung. Nach einem herrlichen Sololauf netzt der Norweger eiskalt ein. Erneut ein überragendes Spiel des umworbenen Flügelläufers. Und man wird den Eindruck nicht los, dass er vor allem dann aufblüht, wenn nicht allzu viel auf dem Spiel steht.

Elyounoussis Zukunft weitherhin unklar 

Warum funktionieren er und der FCB erst, wenn der Druck weg ist? «Das ist so kurz nach dem Spiel immer schwer zu analysieren. Fakt ist, wir haben den Titel verloren und das ist sehr enttäuschend. Aber glauben Sie mir, wir werden stärker zurückkommen.» Das ist die Nachricht, die der FCB YB unmissverständlich auf den Heimweg gab.

Man darf allerdings getrost daran zweifeln, dass Elyounoussi dann noch an Bord ist. Auch wenn FCB-Trainer Raphael Wicky klipp und klar sagt: «Ich wünsche mir, dass sich das Team so wenig wie möglich ändert.» Aber auch er weiss, dass der Norweger kaum zu halten sein wird. Letzterer sagt: «Es gibt mehrere Klubs, die mich genauer beobachten, das ist so.»

Ajeti Torschützenkönig?

Albian Ajeti dagegen dürfte bleiben. Und das, so wie es derzeit aussieht, als Torschützenkönig. Mit seinem Doppelpack gegen die Berner hat er sich auch am bisherigen Leader Guillaume Hoarau vorbeigeschossen und führt die Liste der besten Schützen neu mit 15 Treffern an. Platz in der Vitrine hat er für die Torjägerkrone allerdings noch keinen gemacht. Ajeti: «Da habe ich noch genug Zeit, wenn es denn tatsächlich so kommen sollte.» Es ist der einzige Titel, den der FCB noch holen kann. Wenigstens in dieser Saison. Seit gestern wissen wir: Die nächste kann kommen. Michael Lang: «Wir sind hungrig, wir wollen den Pokal zurückholen.»


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