«Die Spieler merken sofort, wenn du dich als Trainer verstellst, nicht authentisch bist. Das kommt nicht gut.» – Das sagte Fabio Celestini, am letzten Montag zum Trainer des Jahres 2016 gewählt, vergangenen Herbst im Gespräch mit der «Nordwestschweiz».

Gefragt, ob er denn je einen Trainer erlebt habe, der nicht authentisch war, meinte er, ohne eine Sekunde zu zögern: «Victor Muñoz.» Der Spanier trainierte zu Zeiten von Bulat Tschagajew Xamax Neuenburg (2011-12) und später für kurze Zeit den FC Sion.

Zuvor hatte er sein letztes Engagement in seiner Heimat bei Getafe (2008/09), dem Klub, bei dem Celestini jahrelang Captain war. «Die Saison unter ihm war ein Desaster», so Celestini. Hätte man fünf Runden vor Saisonende nicht die Notbremse gezogen, Getafe wäre abgestiegen, ist der heutige Lausanne-Trainer überzeugt.

Muñoz wurde gefeuert, Michel ersetzte ihn. «Wir spielten mit praktisch den gleichen Spielern, der gleichen Taktik, dem gleichen System. Aber wir folgten Michel, weil er authentisch war, unverstellt, direkt», sagte Celestini.

Urs Fischer kann man vieles vorwerfen, aber nicht, dass er sich verstellen würde. Davon zeugen auch seine jüngsten Interviews in der NZZ und der «Nordwestschweiz». Er hat sich ungerecht behandelt gefühlt von gewissen Medien, gewisse Kritiken haben ihn persönlich getroffen. Daraus hat er kein Geheimnis gemacht. Genau das hat ihm der «Blick» am Freitag um die Ohren gehauen.

Sollte Urs Fischer anders reagieren, sich verstellen? In dieser Situation vielleicht, im öffentlichen Auftritt ist vieles erlaubt. Fussball ist ein Show-Geschäft, ein bisschen schauspielerische Fähigkeiten können da nicht schaden.

Zugleich darf er den Bogen nicht überspannen. Schönrederei wird selten so wenig geduldet wie im Sport. Und ein Trainer darf das Schauspiel nie in die Kabine tragen. Vergessen wir die Worte von Celestini nicht.

Emotional und Authentisch

Für schauspielerische Fähigkeiten verdient Urs Fischer eine goldene Himbeere. Das kann er nicht. Fischer gibt es, wie er ist – oder gar nicht. Wenn er sich ungerecht behandelt fühlt – von der Presse oder vom Schicksal –, dann macht er daraus kein Geheimnis. Hat er das Gefühl, dass Reporter mit ihm spielen, dann wehrt er sich.

Wenn der FCB Latte und Pfosten aber nicht das Tor trifft, wie vergangenen Herbst in Paris, dann beklagt er das Pech. Und manchmal denkt man: «Mensch, Urs! Warum lässt du das alles so nah an dich ran?» Ganz einfach: Weil er Urs Fischer ist. Es ist seine grösste Schwäche – und zugleich seine grösste Stärke. Er ist emotional und authentisch. Genau diese Eigenschaften sind es, die Fischer im Umgang mit seinen Spielern so sehr helfen.

Noch nie hat sich einer über ihn beschwert. Offensichtlich versteht er es, sich in seine Schützlinge einzufühlen und ihnen glaubhaft zu vermitteln, warum er auf sie baut oder eben nicht.

Fischer, das betonen Präsident Bernhard Heusler und Sportdirektor Georg Heitz immer wieder, weiss zu führen, ohne zu brüskieren.

Der FCB geht mit einem Vorsprung von zwölf Punkten auf Verfolger YB in die Rückrunde. Die Meisterschaft ist unter normalen Umständen gelaufen. Dass alles normal läuft und nicht wie 2010/11 für YB, als die Berner einen 13-Punkte-Vorsprung verspielten, dafür ist Fischer Garantie.

«Wir haben 18 Spiele, das heisst, es wird 18 Mal gefährlich für uns», sagt er vor dem Rückrundenstart. Man kann das lächerlich finden, aber Fischer sagt das nicht nur, sondern er meinte es auch so. Das spüren die Spieler – kein Zweifel.

Der Meistertitel allein aber wird nicht reichen. Der ist in Basel Voraussetzung. Will Fischer die Herzen zurückgewinnen, braucht er das Double, den Cupsieg, diesen Titel, bei dem so viel mehr Zufall reinspielt. Ein Spiel, alles oder nichts, schwarz oder weiss. Garantie für grosse Gefühle. Basel lechzt danach – auch das hat die Vorrunde gezeigt.

Möglich, dass die Klubführung, dann trotzdem einen Trainerwechsel vollzöge. Sicher ist einzig, dass Urs Fischer bis dahin alles geben wird für den FC Basel. Aufrichtig und direkt. So wie er ist. Anders kann er nicht.