Rund 2000 Leute werden am Karfreitag im Convention Center des Silence Hotels in Istanbul erwartet, um Umut «Real» Camkiran lautstark anzufeuern, wenn dieser um den Europameistertitel der Nicht-EU-Staaten boxt.

Der Gegner des Türken: Arnold Gjergjaj, der den EBU-Titel von 2014 bis 2016 inne hatte und ihn sich wiederholen will. Dass die Gunst des Publikums auf der Seite seines Kontrahenten sein wird, stört den Prattler nicht – im Gegenteil. Zuletzt musste er stets in Basel und Umgebung den Erwartungen des Heimpublikums gerecht werden, was nicht ganz einfach ist. Deshalb ist der 34-Jährige froh, dass der Druck bei Camkiran liegt. «Meine Schultern werden definitiv leichter sein.»

Zufriedener Coach

Mit einer Entourage von fünf Leuten ist der gebürtige Kosovare gestern in die türkische Metropole geflogen. Zu seinen Begleitern gehört auch Beat Ruckli. Der ehemalige Amateurmeister im Welter- und Halbmittelgewicht lebt seit drei Jahrzehnten in Pratteln und kennt Gjergjaj seit dessen Anfängen.

Seit dem Comeback der «Cobra» ist Ruckli zudem der Trainer des besten Schweizer Schwergewichtsboxers. «Ich erlebe derzeit einen hoch motivierten, mental starken Arnold», sagt der Coach, der auch mit der physischen Verfassung seines Schützlings äusserst zufrieden ist: «Er macht einen sehr guten, beweglichen Eindruck.»

Schweigender Coach

Über die genaue Taktik zur Mission Titelgewinn hüllt sich Ruckli in Schweigen. «Sonst erfährt der Gegner noch aus dem Internet von unserem Plan ...» Fakt ist aber, dass der vier Jahre jüngere Camkiran kleiner (182 Zentimeter) und schwerer (120 Kilogramm) als der Schweizer (197 Zentimeter, 106 Kilogramm) ist.

Der in Deutschland geborene und aufgewachsene «anatolische Löwe» hat eine beeindruckende Bilanz von elf K. o.-Siegen in ebenso vielen Kämpfen. Dabei musste er allerdings nie länger als drei Runden im Ring stehen. Gjergjaj hingegen hat schon in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass er geduldig sein und über die volle Distanz im Ring stehen kann.

«Ich muss einfach mein Ding machen», meint Arnold Gjergjaj vielsagend. «Er muss mit dem Kopf boxen und schnell auf den Beinen sein», ergänzt sein Trainer. Es gilt, dem Gegner nicht die frühe Gelegenheit zu bieten, seine Stärken auszuspielen. Denn der Kampf geht über zwölf Runden und mit jeder Runde dürften die Chancen auf einen Triumph Gjergjajs steigen. «Mein Ziel ist klar, ich bin bereit», lässt «The Cobra» keine Zweifel aufkommen.

Public Viewing im Boxclub

Mit untersetzten Angriffsboxern hat der Baselbieter zuletzt unterschiedliche Erfahrungen gemacht: Im Dezember 2018 besiegte er den Bosnier Mirko Tintor, ein Jahr vorher unterlag er Sean Turner. Die Niederlage gegen den Iren hat er zwar verarbeitet, dennoch sagt er: «Mit einem Erfolg gegen Camkiran könnte ich endgültig mit dem Kapitel Sean Turner abschliessen.»

Wer Arnold Gjergjaj beim Versuch, den EBU-Titel nach 2014 und 2015 wieder in die Schweiz zu holen, zuschauen will, kann dies übrigens morgen Abend ab 19.30 Uhr im «Arnold Boxfit» tun. In Gjergjajs Boxclub findet ein Public Viewing des Fights, der hierzulande nicht frei empfangbar ist, statt.