Handball
«Michel hat mir immer die Pace vorgegeben»

Pascal Stauber hat in seiner Handballkarriere lange seinem älteren Bruder Michel nachgeeifert.

Fabian Kern
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Handballer und Banker: Pascal (links) und Michel Stauber. Fabian Kern

Handballer und Banker: Pascal (links) und Michel Stauber. Fabian Kern

bz Basellandschaftliche Zeitung

Was macht Ihren Bruder zu Ihrer wichtigsten Bezugsperson?

Pascal Stauber: Michel hat mich zum Handball gebracht. Wir durften von unseren Eltern aus nicht Fussball spielen. Sie wollten uns eigentlich zum Tennis bringen, aber Michel hat dann mit Handball angefangen. Als ich dann mit sieben Jahren anfing, spielten wir sogar noch ein Jahr zusammen, bevor es die Mini-Kategorie gab und ich zu den U9 zurückgestuft wurde. In meiner Juniorenzeit war Michel bereits auf dem Sprung in die Nationalmannschaft. Er galt als einer der besten Kreisläufer. Für mich war das natürlich immer der Antrieb, besser zu werden. Er hatte auch ein A-Länderspiel, bei dem ich zugeschaut habe, wer war der Gegner? Frankreich?

Michel Stauber: Rumänien.

Pascal: Genau, Rumänien in Aarau. Da war ich in der Halle und sagte: Geil, das will ich auch schaffen. Für mich hat er immer die Pace vorgegeben. Und er hat für mich bei Pfadi Winterthur ein gutes Wort eingelegt und hat mir so Tür und Tor geöffnet. Anstatt eines ersten Torhüters hat Pfadi dann einen Torwarttrainer verpflichtet. Das war für mich der Knackpunkt in meiner Karriere.
Michel: Pascal ist natürlich in erster Linie mein einziger Bruder. Ich bespreche alles mit ihm. Was das Sportliche betrifft: Als er zu Pfadi kam, hatte ich Angst, er würde auf der Bank versauern. Ich dachte immer, ich müsste auf meinen kleinen Bruder aufpassen. Aber dann waren wir in Maribor im Trainingslager mit dem neuen Goalietrainer. Und danach schlug Pascal ein wie eine Bombe. Er wurde die klare Nummer eins, und wir wurden gleich in dieser Saison Meister. Danach war mir klar, dass ich nicht mehr auf ihn aufpassen musste. Von da an war es eher umgekehrt: Ich bin zu ihm gegangen, wenn ich im Handball ein Problem hatte. Ich wusste, er würde in der Nati den grösseren Schritt machen als ich. Als er dann zu GC kam, habe ich eher auf ihn gehört als umgekehrt. Aber das Jahr bei Pfadi war schon das beste für mich.

Dann ist auch klar, was für ein gemeinsames Erlebnis Ihnen als erstes in den Sinn kommt.

Pascal: Ja, der Meistertitel war das sportliche Highlight für uns – und dann auch noch im gleichen Team. Das war cool.

Michel: Das war ein perfektes Jahr: die erste Saison mit Pascal, seine grossartige Entwicklung und am Ende der Meistertitel. Das war perfekt. Das zweite Erlebnis, das mir in den Sinn kommt, ist ein negatives: der Cupfinal, als wir gegeneinander gespielt haben. Ich war zu GC gewechselt, Pascal war noch bei Pfadi. Unsere Niederlage war das eine, aber gegen den eigenen Bruder zu spielen in einem entscheidenden Spiel...

Pascal: Das war schon speziell. Aber allgemein war dieses Jahr bei Pfadi cool. Ich war zum ersten Mal in einer anderen Stadt. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht. Das hat uns zusammengebracht.

In welchem Bereich sind Sie sich am ähnlichsten?

Michel: Ich würde sagen, hinsichtlich Ehrgeiz. Seit Pascal in der Nationalmannschaft ist, ist er fast noch ehrgeiziger geworden. Für mich war irgendwann klar, dass ich auf den Job setzen würde. Nach Abschluss meines Studiums wollte ich nicht zu lange warten mit dem Einsteigen in den Beruf. Ehrgeiz und Disziplin haben wir beide. Das sieht man jetzt auch bei seinem Mathematik-Studium.
Pascal: Wir sind beide ziemlich offene, kommunikative Typen, die gut auf die Leute eingehen können. Wir können ebenso gut eine Flasche Wein trinken und über ernste Dinge sprechen wie Party machen. Vielleicht liegt das auch am Sternzeichen. Wir sind beide Waage, und unsere Geburtstage liegen nur eine Woche auseinander.
Michel: Wir wissen sicher auch beide, das Leben zu geniessen. Trotz Spitzensport oder Job. Wir geniessen die Momente, in denen wir uns zurücklehnen können. Das habe ich jetzt gut ausgedrückt, oder? (lacht)

Pascal: Tipptopp! (lacht)

Und worin unterscheiden Sie sich?

Pascal: Ich glaube, in der Person an sich. Wir haben viele unterschiedliche Charaktereigenschaften. Wenn jemand nicht weiss, dass wir Brüder sind, kommt man nicht einfach so darauf – abgesehen vom Aussehen natürlich. (lacht) Er hat eher das strukturierte Leben gewählt, während ich momentan noch auf vielen Hochzeiten tanze.

Michel: Schwierig zu sagen, wo die Unterschiede liegen. Denn trotz unserer unterschiedlichen Lebenssituation sind wir beide sehr fokussiert in dem, was wir machen.

Pascal: Auf dem Spielfeld bin ich sicher lauter, als Michel es war. Deshalb fiel ich eher auf, wenn wir zusammen gespielt haben.