EHC Basel
Michel Riesen: «Der EHC Basel ist genau das Richtige für mich»

Michel Riesen, der Top-Transfer der Basel Sharks mit kurzer NHL- und langer NLA-Vergangenheit sagt, warum er in die «Niederungen» der NLB absteigt und was ihn motiviert an den Sharks.

Georges Küng
Merken
Drucken
Teilen
Michel Riesen glaubt daran, dass in Basel noch viel Eishockey-Potenzial abrufbar ist – dabei will er mithelfen und freut sich darauf.

Michel Riesen glaubt daran, dass in Basel noch viel Eishockey-Potenzial abrufbar ist – dabei will er mithelfen und freut sich darauf.

Juri Junkov

Michel Riesen: Wie verlief das erste Eistraining?

Michel Riesen: Nach mehreren Wochen Pause ist das erste Training auf Eis immer speziell, teils sogar mühsam. Die Pumpe macht noch nicht ganz mit; doch das wird schon. Aber ich habe bemerkt, dass meine Teamkollegen sehr motiviert sind. Ja, die Jungs sind gut drauf. Ich glaube, wir werden viel Spass miteinander haben.

Warum fiel Ihre Wahl auf Basel? Hatten Sie keine Alternativen in der Nationalliga A?

Ich muss hier ein wenig ausholen. Ich bin ein Spieler, der immer dort gespielt hat, wo er sich auch als Mensch wohl fühlt. Bei mir muss das Gesamtpaket stimmen. Lange war Eishockey für mich im Leben das Allerwichtigste. Wenn man heiratet und Vater wird, so erkennt man, dass es auch noch anderes im Leben gibt.

Und in Basel stimmt es für Sie?

Eigentlich hatte ich vor, in Rapperswil zu bleiben. Wir bauten dort ein Haus und wollten uns dort niederlassen. Aber die letzten Jahre bei den Lakers waren sehr schwierig, der Spassfaktor gleich Null. Und so entschlossen wir uns, nochmals einen Wechsel vorzunehmen. Für mich ist es also eine Art Neuanfang. Aus sprachlichen Gründen kam für mich die Romandie und das Tessin nicht in Frage. Da fallen schon mal viele Klubs weg... Als sich der Transfer zu Basel abzeichnete, gab es auch Anfragen von anderen Klubs; doch die kamen zu spät.

Aber die Sharks sind zweitklassig, der Stellenwert des Eishockey in Basel ist nicht mit Davos oder Freiburg zu vergleichen. Warum dennoch der EHC Basel?

Als ich den ersten Anruf aus Basel, genauer von Trainer Dino Stecher, bekam, spürte ich, dass sie sich intensiv um mich bemühten. Auch in den Gesprächen mit den Klubverantwotlichen kam zum Vorschein, dass diese Leute klare Ideen und Vorstellungen haben. Und der Klub bietet langfristige Perspektiven; zudem ist die Region Basel auch wirtschaftlich interessant. Ich habe einfach intuitiv gespürt, dass zum jetzigen Zeitpunkt der EHC Basel genau das Richtige für mich, wie auch für meine Frau und meine zwei Kinder, ist. Wir werden das Haus in Rapperswil verkaufen und nach Basel ziehen. Für mich ist es undenkbar, bei den Sharks zu spielen und die Familie weit weg zu wissen.

Kann es sein, dass Sie mit einem «goldenen Rentenvertrag» ausgestattet wurden?

Ich hatte in meiner Laufbahn immer gute Verträge. Aber ich habe nie um mein Gehalt gepokert. Das muss für Ihre Frage genügen.

Sie werden, trotz Ihrer Vergangenheit, in Basel zumindest anfangs unerkannt durch die Stadt laufen können ...

Ich weiss, dass in dieser Stadt primär die Fussballer bekannt sind. Aber ich war nie der Typ, der sich von Schulterklopfern beeindrucken liess. Ich bin also nicht unglücklich, wenn ich ein ruhiges Leben führen kann und mich aufs Eishockeyspielen konzentrieren kann.

Kennen Sie denn Basel. Haben Sie irgendeinen Bezug zur Region?

Eine Cousine meiner Frau wohnt in Basel. Auch der Götti eines meiner Kinder ist in der Region zu Hause. Und mit dem HC Davos habe ich seinerzeit noch gegen Basel, als der Klub noch in der NLA war, gespielt. Sie sehen, einige Berührungspunkte sind schon da...

Welche sportlichen Perspektiven erkennen Sie denn beim EHC Basel? Was darf man von der nächsten Saison erwarten?

Als ich kürzlich alleine in der St. Jakob-Arena sass, dachte ich mir: Die haben ja eine superbe Infrastruktur. Die Stadt gilt als sportverrückt, auch wenn der FCB sehr dominant ist. Aber das Potenzial ist vorhanden; man muss es einfach abrufen können. Ich denke, es lässt sich etwas Grosses aufbauen. Und wenn ich hiezu meinen Teil beitragen kann, bin ich stolz. Es ist schön, Titel – wie in Davos – zu gewinnen. Aber es kann ebenso erfüllend sein, an einem Aufbau beteiligt zu sein. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es noch zu früh, um klare sportliche Ziele zu formulieren. Aber ich bin überzeugt, dass der EHC Basel in der kommenden Spielzeit zu den Spitzenteams der Nationalliga B zählen wird.