Da kommt er um die Ecke gebogen. Schwarze Daunenjacke, Bluejeans, braune Lederschuhe und eine schwarz-neongelbe Unihockey-Tasche um die Schulter. Mikko Jolma wohnt gleich hier um die Ecke, in der Nähe des Wettsteinplatzes, unweit der Münster-Fähre. Er war Topskorer von Unihockey Basel Regio (UBR) während der regulären Saison. 44 Tore und 17 Assists in 22 Spielen. Sein Trainer Daniel Moser sagt über ihn: «Mikko hat uns diese Saison mehr als nur ein Spiel, in dem wir wirklich schlecht spielten, gerettet. Er ist ein eiskalter Vollstrecker vor dem Tor, macht aus drei Chancen vier Tore.»

So kaltblütig er mit Stock und Ball ist, so warmherzig wirkt Jolma, wenn er einem gegenübersitzt. Er lacht viel, fragt selbst nach, erzählt. So ganz unerwartet unfinnisch. «Das stimmt schon», findet auch er selbst, «aber ich reise halt auch gerne. Zum Beispiel zu meinen Cousins nach Amerika. Ausserdem sind meine Eltern sehr kommunikativ. Ja, sie müssen es sein.» Die Mutter ist Ärztin, der Vater Kundenmanager. Mikko Unihockeyspieler. Halb-Profi, wie er selbst sagt. 20 bis 40 Prozent arbeitet er als Ausbildner bei den Nachwuchsmannschaften, U16, U18, U21. Vier Morgentrainings pro Woche.

Studierter Restaurant-Manager

Schon sein Studium in Helsinki hat er sich mit Unihockey finanziert. Er hat sich zum Restaurant-Manager ausbilden lassen, während er gelöcherte Bälle ins Netz schleuderte. Irgendwann will er in Chicago, der Stadt seiner Cousins, sein eigenes Lokal eröffnen. Französische oder italienische Küche. Aber das hat noch Zeit, das sind Zukunftsträume. Zuerst hat der heute 31-Jährige ein grosses Ziel: mit UBR in die NLA aufsteigen. «Wenn sie nicht ein so ambitioniertes Ziel gehabt hätten, wäre ich heute nicht hier», sagt Jolma. Ganz sicher auch nicht mehr im Thurgau, wo er noch vergangene Saison spielte. Er scheiterte mit den Ostschweizern in den Auf-/Abstiegs-Playoffs an Thun.

Jolma hatte mehrere Optionen, in der Schweiz wie in Finnland. Er entschied sich für Basel. «Basel ist sehr ähnlich wie Helsinki, wo ich aufgewachsen bin. Und ich habe die Stadt vermisst», sagt er. Ein wichtiger Grund für Basel war ausserdem Antti Peiponen, Nachwuchstrainer und Ausbildungschef der Basler. Ein Freund. Für die Basler war klar, dass sie Jolma wollen. «Wir schieden letzte Saison gegen Thurgau aus . Mikko hat unsere Saison mehr oder weniger im Alleingang beendet», sagt sein heutiger Trainer. «Wir haben seine Qualitäten am eigenen Leib erfahren müssen.»

Also ist Mikko weitergezogen, nach Basel. Er liebt die Stadt, die Atmosphäre am Dreiländereck, die offene Art der Menschen. «Eigentlich war die Idee im Thurgau, dass ich ihnen zeige, wie ein professionelles Unihockey-Team arbeitet. Das funktionierte nicht wirklich. Hier in Basel ist es anders, sie sind wirklich interessiert, wie wir in Finnland arbeiten, wollen alle noch so kleinen Details wissen.» Das Team habe seit Anfang Saison grosse Fortschritte gemacht. «Manchmal geht es um kleine Dinge. Zum Beispiel, dass es nicht geht, vor einem Spiel fünf, sechs Drinks runterzuschütten», sagt Jolma.

Gegen Floorball Fribourg verpasste er zwei Spiele verletzt («Ich hätte gespielt, wenn es mich gebraucht hätte», sagt er). Jetzt ist er wieder voll da. Und es wird ihn brauchen. «Der Tempounterschied zwischen NLA und NLB ist gross», sagt Jolma. Und Trainer Moser meint: «Letztlich ist die Gretchenfrage, wie schnell wir uns an das Tempo gewöhnen. Wir haben die reguläre Saison mit ziemlich grossem Vorsprung gewonnen, waren nie wirklich gefordert.»

Verlieren ist für Jolma keine Option. Er wollte immer gewinnen, sagt auch sein Trainer. Sonst werde er wütend und auch mal laut. Ganz untypisch finnisch. Wenn es trotzdem nicht klappen sollte, dann halt nicht. Sorgen macht das Jolma nicht. Er hat genug Optionen. Er könnte bleiben oder gehen. Auch nach Finnland, wo er sowieso den Sommer verbringen wird (siehe Kasten rechts).

Mikko letzten Sommer mit einem Lachs, den er mit seinem Grossvater Olli Jolma fing

Mikko letzten Sommer mit einem Lachs, den er mit seinem Grossvater Olli Jolma fing