Im Gespräch
«Mikko ist ein eiskalter Vollstrecker» - der Königstransfer von Unihockey Basel Regio im Gespräch

Der Finne Mikko Jolma war der Königstransfer von Unihockey Basel Regio – jetzt soll er den Klub in die NLA schiessen.

Sébastian Lavoyer
Merken
Drucken
Teilen
Ein lachender Finne ist so selten wie bis vor kurzem die Lachse im Rhein. Aber UBR-Topskorer Mikko Jalmo tickt einfach anders als die meisten seiner Landsleute

Ein lachender Finne ist so selten wie bis vor kurzem die Lachse im Rhein. Aber UBR-Topskorer Mikko Jalmo tickt einfach anders als die meisten seiner Landsleute

Nicole Nars-Zimmer niz

Da kommt er um die Ecke gebogen. Schwarze Daunenjacke, Bluejeans, braune Lederschuhe und eine schwarz-neongelbe Unihockey-Tasche um die Schulter. Mikko Jolma wohnt gleich hier um die Ecke, in der Nähe des Wettsteinplatzes, unweit der Münster-Fähre. Er war Topskorer von Unihockey Basel Regio (UBR) während der regulären Saison. 44 Tore und 17 Assists in 22 Spielen. Sein Trainer Daniel Moser sagt über ihn: «Mikko hat uns diese Saison mehr als nur ein Spiel, in dem wir wirklich schlecht spielten, gerettet. Er ist ein eiskalter Vollstrecker vor dem Tor, macht aus drei Chancen vier Tore.»

6 Wochen

verbrachte
Mikko Jalmo vergangenen Sommer ganz im Norden Finnlands. Der Grund: Er war Fliegenfischen in Pello, dem Mekka der finnischen Fliegenfischer.

So kaltblütig er mit Stock und Ball ist, so warmherzig wirkt Jolma, wenn er einem gegenübersitzt. Er lacht viel, fragt selbst nach, erzählt. So ganz unerwartet unfinnisch. «Das stimmt schon», findet auch er selbst, «aber ich reise halt auch gerne. Zum Beispiel zu meinen Cousins nach Amerika. Ausserdem sind meine Eltern sehr kommunikativ. Ja, sie müssen es sein.» Die Mutter ist Ärztin, der Vater Kundenmanager. Mikko Unihockeyspieler. Halb-Profi, wie er selbst sagt. 20 bis 40 Prozent arbeitet er als Ausbildner bei den Nachwuchsmannschaften, U16, U18, U21. Vier Morgentrainings pro Woche.

Studierter Restaurant-Manager

Schon sein Studium in Helsinki hat er sich mit Unihockey finanziert. Er hat sich zum Restaurant-Manager ausbilden lassen, während er gelöcherte Bälle ins Netz schleuderte. Irgendwann will er in Chicago, der Stadt seiner Cousins, sein eigenes Lokal eröffnen. Französische oder italienische Küche. Aber das hat noch Zeit, das sind Zukunftsträume. Zuerst hat der heute 31-Jährige ein grosses Ziel: mit UBR in die NLA aufsteigen. «Wenn sie nicht ein so ambitioniertes Ziel gehabt hätten, wäre ich heute nicht hier», sagt Jolma. Ganz sicher auch nicht mehr im Thurgau, wo er noch vergangene Saison spielte. Er scheiterte mit den Ostschweizern in den Auf-/Abstiegs-Playoffs an Thun.

Jolma hatte mehrere Optionen, in der Schweiz wie in Finnland. Er entschied sich für Basel. «Basel ist sehr ähnlich wie Helsinki, wo ich aufgewachsen bin. Und ich habe die Stadt vermisst», sagt er. Ein wichtiger Grund für Basel war ausserdem Antti Peiponen, Nachwuchstrainer und Ausbildungschef der Basler. Ein Freund. Für die Basler war klar, dass sie Jolma wollen. «Wir schieden letzte Saison gegen Thurgau aus . Mikko hat unsere Saison mehr oder weniger im Alleingang beendet», sagt sein heutiger Trainer. «Wir haben seine Qualitäten am eigenen Leib erfahren müssen.»

61 Skorerpunkte

holte Mikko Jalmo in der Regular Season. Er schoss 44 Tore und legte 17 Mal auf, womit er Topskorer der NLB war. Der zweitbeste Torschütze war der Schwede Mikael Karlsson mit 34 Treffern.

Also ist Mikko weitergezogen, nach Basel. Er liebt die Stadt, die Atmosphäre am Dreiländereck, die offene Art der Menschen. «Eigentlich war die Idee im Thurgau, dass ich ihnen zeige, wie ein professionelles Unihockey-Team arbeitet. Das funktionierte nicht wirklich. Hier in Basel ist es anders, sie sind wirklich interessiert, wie wir in Finnland arbeiten, wollen alle noch so kleinen Details wissen.» Das Team habe seit Anfang Saison grosse Fortschritte gemacht. «Manchmal geht es um kleine Dinge. Zum Beispiel, dass es nicht geht, vor einem Spiel fünf, sechs Drinks runterzuschütten», sagt Jolma.

14 Skorerpunkte

holte Jalmo bisher in den Playoffs. Damit belegt er in den Playoffs «bloss» Platz 7 in der Skorerliste. Allerdings verpasste der Finne auch zwei Spiele «wegen einer Hirnerschütterung», wie Trainer Daniel Moser sagt.

Gegen Floorball Fribourg verpasste er zwei Spiele verletzt («Ich hätte gespielt, wenn es mich gebraucht hätte», sagt er). Jetzt ist er wieder voll da. Und es wird ihn brauchen. «Der Tempounterschied zwischen NLA und NLB ist gross», sagt Jolma. Und Trainer Moser meint: «Letztlich ist die Gretchenfrage, wie schnell wir uns an das Tempo gewöhnen. Wir haben die reguläre Saison mit ziemlich grossem Vorsprung gewonnen, waren nie wirklich gefordert.»

Verlieren ist für Jolma keine Option. Er wollte immer gewinnen, sagt auch sein Trainer. Sonst werde er wütend und auch mal laut. Ganz untypisch finnisch. Wenn es trotzdem nicht klappen sollte, dann halt nicht. Sorgen macht das Jolma nicht. Er hat genug Optionen. Er könnte bleiben oder gehen. Auch nach Finnland, wo er sowieso den Sommer verbringen wird (siehe Kasten rechts).

Mikko letzten Sommer mit einem Lachs, den er mit seinem Grossvater Olli Jolma fing

Mikko letzten Sommer mit einem Lachs, den er mit seinem Grossvater Olli Jolma fing

Zur Verfügung gestellt

Mikko Jolma über das Fliegenfischen nördlich des Polarkreises, die einzig wahre finnische Sauna und seinen Grossvater Olli

Wenn er alleine in seiner Wohnung im Kleinbasel sitzt und nichts zu tun hat, dann bindet Mikko Jolma Fliegen. Wenn die Saison vorbei und der Sommer da ist, zieht es ihn in den Norden. In das Sommerhaus seiner Familie nach Pello, 50 Kilometer nördlich des Polarkreises, «die Hauptstadt der finnischen Fliegenfischer», sagt Jolma.

24 Stunden taghell. «Darum gehe ich dorthin», sagt er und lacht. Vor allem aber wegen des Fliegenfischens. Mit seinem Grossvater Olli schleudert er dann die Fliegen durch die Luft. Auf der Jagd nach Lachs. Wenn sie weiter in die Tundra ziehen auch kleinere Fische. «Sechs Wochen war ich vergangenes Jahr oben. Zwischen Norwegen, Schweden und Finnland», erzählt er. Und nach jedem anstrengenden Tag geht es dann in die Sauna.

Die Sauna – es gibt nichts, was er an seiner neuen Heimat so sehr vermisst, eine richtige Sauna. «Bei uns bist du drei, maximal vier Minuten drin. Dann springst du in den Schnee oder in den See und kühlst dich ab, weil du es brauchst. Hier in der Schweiz kannst du 15 Minuten drinbleiben, und es ist so mild», klagt er. Und fügt schmunzelnd an: «Wenn man hier in der Schweiz irgendwo etwas von finnischer Sauna liest, ist das höchstens ein Abklatsch.» (sel)